Liebe Freunde der guten Gute Nacht Geschichten. Hier findet ihr eine Auswahl der besten Geschichten von MD. Hier finden sie ihren würdigen Platz, damit sie nicht vergessen werden und nicht untergehen.
Zum Nachlesen, Träumen und sich daran freuen.
(J)


12 Antworten bis hierher ↓
Jodelkönig // 8. 10. 2007 um 19:37
•Monroe’s Declaration
August 25th, 2007 at 0:52
Ah, da ist er gerade vorgefahren – der Umzugswagen. Bringt all die schönen Sachen aus dem “Rosen-Cottage”. “Ja, bitte hier herein. Vorsicht mit den Bildern, sind sehr wertvoll”. “Und das Geschirr? Alles heile?”. Welch ein Glück, der Fahrweg hier zum “Haus der Zwerge” ist ja sowas von schmal und gewunden. “Schon fertig? Die Umzugsleute nicken und warten erwartungsvoll. Ach ja, ein Trinkgeld. Höflich verabschiede ich mich und schaue dem Kastenwagen nach, der sich schaukelnd langsam entfernt.
So schön die Stille hier wieder, in diesem versteckten Tal. Rosenduft vom Rand der nahen Waldwiese umfängt mich, erinnert mich an die letzten Tage. Da hatte ich mich träumend in der Wiese niedergelassen, ein Ozean von Eindrücken verarbeitend. Und als mein Blick an dem Waldrand entlang glitt, da bemerkte ich einen kleinen Durchgang zwischen den dicht gewachsenen, Blüten strahlenden Rosenbüschen. Neugierig geworden, fand ich einen versteckten Wildpfad, der mich in diese Tal hier führte. Und so fand ich auch das “Haus der Zwerge”.
So, Umzugswagen ist weg. Es ist noch viel zu tun bis all die Besucher kommen. Umwendend sehe ich mir noch einmal nachdenklich das einzigartige Haus an, das sich an einen der Felswände aus rötlichem Sandstein schmiegt. Es ist mehrräumig, steinern, direkt an den Fels gebaut. Mit vielen schönen Fenstern und einem von dem Fels ausgehenden, schrägen Ziegeldach. Und ein schlanker Kamin steht schmückend an einem Ende des Steinhauses. Rauch quirlt heraus. Oh, da wird Tee gekocht von den Helfern. War da nicht auch schon jemand am “Einweihkuchen”-backen?
Ich öffne die mit feinen Rosenornamenten geschmückte Eingangstür und komme in die weite Wohnhalle. Ein U-förmiger Steintisch mit einer dunklen, feinpolierten Tischplatte dominiert den Raum. Bequeme, ledergepolsterte Holzstühle laden zum Verweilen ein. Mein Blick schweift durch den Raum. Ein Teil der Bilder ist ja schon aufgehängt. Wunderschön, wie sich die W59-Fotomalereien an den dichtgefugten, weißgemalten Wänden ausmachen. Geschaffen zum Verweilen, Schauen, Freuen, Genießen.
Die ältere Hausdame, die wir ja schon aus dem Cottage her kennen, bringt mir eine lederne Mappe. “Da ist der ganze Schriftwechsel und auch ein Notiz von den Zwergen”. Erfreut nehme ich die Mappe und bedanke mich auch für die nachgereichte duftende Tasse Tee und den lecker aussehenden Mohnkuchen. Kuchen kauend öffne ich die Mappe und studiere die Papiere. Als ich nach meinem “Finden des Hauses” hier ankam, da erwartete mich schon die Hausdame, leicht amüsiert. “Alles schon organisiert, die neue Recall-Heimat, aber ein bißchen geheimnisvoll sollte es schon sein”, meinte sie damals. So sehe ich nun ein Mietvertrag mit der “Hessischen Haus-und Schloßverwaltung” bis etwa November, unterschrieben von….mhm, etwas unleserlich. Sieht aus wie “Ocean” und “Kennie”? Dann eine Notiz der selben Behörde an die Zwerge, mitteilend, daß sie uns als Untermieter eine kurze Zeit aufnehmen müßten. Und dann noch ein entschuldigenden Brief (Kopie) von den Zwergen an wieder dieselbe Behörde:
” Tiefes Bedauern wir äußern müssen. Können nicht verweilen, wenn so viel Leut und vielleicht noch Filmemacher unser Häuschen füllen. Wir Sieben haben dieses Filmen schon einmal vor vielen, vielen Monden mit einem wunderschönen Mädchen zusammen erduldet. Gehen nun auf Besuch zu Gimli in Ered Luin/Mittelerde.
Grabe tief, Stütze gut – Die Sieben Zwerge”.
Nachdenklich trinke ich meinen Tee. Schade, hätte gern die Zwerge kennen gelernt. Und was meinten sie mit dem “wunderschönen Mädchen”? Naja, da versäumen sie nun etwas, wir haben davon nämlich drei, engelsgleiche Drei!
Jodelkönig // 8. 10. 2007 um 19:38
• Monroe’s Declaration
August 26th, 2007 at 15:50
Toll, solch schöne Bilder und Videos von Berlin. Monrose vier mal live, wie immer gewünscht.
Dies macht mich beglückend und reif für den Nachmittagstee. Mhm, Tee in die Tasse, das Rosen-”Tea-Cosy” über die Teekanne und dann noch, von zarter Hand gereicht, ein leckeres Stück Pflaumenkuchen mit einem Klecks Sahne geherzt…mhm, so läst es sich leben – heute.
Und heute ist “Augenzwinkern” angesagt – bitte nicht alles ernst nehmen. Es wird, wie immer doch, eine “Homage” (public show of respect) auf die Mädels werden. Heute besonders “Eine” betreffend: Bahar. Sie würde uns mit den Augen zuzwinkern – zwischen dem Singen – wenn sie das hier lesen könnte. Und denken: “Hat euch erfreut, hat euch gefallen, so hat es seinen *Zweck* erfüllt. Ihr seid aufmerksam geworden. Wer aufmerksam ist, hört auch zu, ist aufnahmefähig – für unsere Musik, für unsere Botschaft”.
Mhm, “Hat seinen *Zweck* erfüllt?”. Ist damit etwas Bestimmtes gemeint?
Wie alles begann: Webster59 brachte uns die Bilder, sie sind beim OFC. Aufgenommen beim E-Day in Dortmund. Wieder wundervoll eingefangene Momente des Monrose-Zaubers. Die Mädels, urlaubsstrahlend, sonnengeküßt und herrlich singend. Ein wundervoller Auftritt. Und da war dann dieses Blinken, Schimmern, dieses Besondere…Bahar selbst? Ja schon, aber noch etwas, etwas das Schönheit gipfeln läst ….ihre wahrhaft irisierenden, perlmuttene Ohrhänger. “Die”, die mich schon einmal, abends vor dem Compu, so irritiert hatten. Nur mich? “Kennie” hatte sie eigentlich zuerst auf Webster’s Bilder entdeckt und uns liebvoll neckend gefragt, warum Bahar so “Kleine” gewählt hat. Tja, “Zweck” erfüllt…..
Sehet noch einmal die Bilder von Webster59:
http://img339.imageshack.us/img339/9674/dsc00230001ku3.jpg
http://img76.imageshack.us/img76/6733/dsc00240001db8.jpg
http://img76.imageshack.us/img76/9320/dsc00670001al1.jpg
http://img231.imageshack.us/img231/6042/dsc01230001xu1.jpg
Aber manchmal können die kleinsten Dinge auch “Größeres” beeinflussen. So erklärt es uns auch die Chaos-Forschung. Wer kennt nicht den “Schmetterlingseffekt” beim Wetter? Und bei dem, was ich so gehört habe – ja, so von “Dem”, der es wieder von “Der” hörte – hatten diese kleinen, baumelnden Perlmuttscheiben, diese Ohrhänger, eine phänomenale, unerwartende Wirkung gehabt und führen mich nun zu der folgenden Betrachtung des (möglichen) Geschehens, vor einigen Tagen…..
Die sich immer “Sorgende”, um alles “Kümmernde”, schaute gelassen zu den Mädels hinüber, die sich anmutig und ausgelassen bei der “After-Party” amüsierten und immer wieder aus dem leckeren Buffet etwas zum Genießen herauspickten. Da erblickte sie einen groß gewachsenen, älteren Mann mit kräftiger Statur, sehr energisch aussehend. Er kam näher und begrüßte sie respektvoll, sich leicht verneigend: “Guten Abend meine Liebe, freue mich sehr sie zu sehen”. “Na so etwas, das ist aber selten. Der Chef unserer Security-Firma persönlich. Gibt es ein Problem?”, erwiderte sie, leicht besorgt klingend. “Aber nicht doch, wir haben immer alles im Griff”, beruhigte er sie und setzte sich nach ihrer auffordernden Geste auf den bereitstehenden Stuhl. “Aber manchmal, da gibt es etwas, das müssen wir besprechen”, er zögerte, hatte die Mädels erblickt und konnte fasziniert nicht den Blick von ihnen wenden. “Oh, mein Gott, die sind ja wirklich so schön, sooo schön, wie mir berichtet wurde”, brach es aus ihm heraus. “Der nun auch”, dachte sie amüsiert, “Und was wurde ihnen den berichtet?”, fragte sie, ihn von seiner nachdenklichen Betrachtung losreißend. “Ja, nun, ach ja”, er klang etwas verwirrt, “Das ist ja die Sache, die ich mit ihnen besprechen wollte. Deshalb mußte ich mir das alles mal selbst anschauen”, setzte er erklärend hinzu, “Unser gemeinsames Problem, nicht so einfach”, er versuchte zur Sache zur kommen und seine Stimme wurde mehr geschäftsmäßig, “Vielleicht sollte ich ihnen das mal genauer erklären”.
Er wartete, denn sie bat den vorbeikommenden Kellner um eine Tasse Kaffee. “Sie haben bestimmt bemerkt, daß wir die Security-Männer, die *Bodyguards*, fast alle drei Tage rotierend auswechseln?” “Ja, daran haben wir uns gewöhnt. Es kam uns immer etwas merkwürdig vor”, nickte sie bestätigend, “Aber ist das nicht ihre besondere Firmenpolitik?” Sie blickte ihn fragend an. Er schüttelte den Kopf, “Nein, eigentlich nicht. Es hat einen anderen Grund. Ihre Mädels. Sie sind so attraktiv. Haben so eine besondere Ausstrahlung”, er wagte noch einmal einen Blick zu den Drei, die gerade mit anderen Künstlern zusammenstanden. “Sehen sie”, sagte er fast entschuldigend, “Meine Männer, das sind Profis, die müssen aufmerksam sein, alles immer im Auge haben, wachsam sein. Sie dürfen nicht ihre Augen von der Umgebung des Schützlings lösen. Aber bei ihren Mädels”, er zuckte etwas hilflos die Schultern, “Ihre Mädels, die lenken meine Männer ab, ziehen ihre Blicke auf sich. Meine Leute bemerken einfach, daß sie nach drei Tagen einfach nicht mehr professionell arbeiten können, den Schutz nicht mehr garantieren können”, er seufzte, “Und deshalb ziehen wir die *Bodyguards* nach drei Tagen ab und ersetzten sie durch frische, unbeeinflußte Kräfte”. Er sah seine Gegenüber Beifall heischend an, “Natürlich geschieht das rotierend, denn soviel gut ausgebildetes Personal gibt es ja gar nicht”, setzte er noch entschuldigend hinzu. “Gut”, meinte sie vorsichtig amüsiert, “Dann haben sie ja eine Lösung für das zeitweilige Aufmerksamskeitsdefizit ihrer Männer gefunden”. Sie nippte an ihrer Kaffeetasse und sah ihn fragend an: “Wo ist dann das Problem?” Er zögerte mit der Antwort. Es war ihm irgendwie peinlich weiter fortzufahren: “Ja, mhm, Problem, ja, eines ihrer Mädchen. Sie hat vor ein paar Tagen so schimmernde Ohrhänger getragen. So perlmuttartig. Solche, die da Blinken und Schillern in allen Farben. Riesengroß. Das hat meinen besten Mann umgehauen. Nach einem Tag. Er war ganz gebrochen. Hatte versucht, das ganze physikalisch, äh, nein chemisch zu sehen. Sind ja nur Kalziumkarbonat-Kristalle an den Ohren, hat er sich gesagt. Hat aber nichts genützt. Er erklärte mir, daß er sich nicht mehr konzentrieren konnte, dieses Glitzern und zusätzlich diese Anmut, diese engelhafte Ausstrahlung des Mädchens. Er war am Ende, zweifelte an sich selbst”. Der Security-Boss hielt erschöpft innen:” Ich bitte sie, ihre Mädels sollten so etwas nicht tragen. Das erschwert unsere Arbeit ungemein. Und es erhöht die Kosten. Wir müßten die vereinbarte Pauschale neu verhandeln”, erklärte er nun ganz geschäftsmäßig. Die nun wirklich “Sichsorgenmachende” blickte ihn ernst an: ”Ich versichere Ihnen, die Mädels werden solchen Ohrschmuck nicht mehr tragen. Wäre das Problem damit aus der Welt?” Er nickte bestätigend:” Nicht eigentlich, aber professionell handhabbar”. Sie blickte auf die Uhr, “Oh, die Mädels müssen ins Bett. Haben morgen einen wichtigen, langen Tag”. Sie lächelte ihren Gegenüber charmant an:” War nett mit ihnen zu plaudern…und ein kleines Problem gemeinsam zu lösen. Nun muß ich mich wieder kümmern. Bitte entschuldigen sie mich.” Ein letztes Nicken und rasch stand sie auf, um zu den Mädels zu eilen. Unterwegs, ein leises Kichern war da zu hören. Ein fast unterdrücktes Lachen:”Männer, oh Gott Männer, tss * Kalziumkarbonat-Kristalle an den Ohren*, na so was, das kann nur Männer einfallen, Männer!”
Zurück im Hotel fragte sie noch: ”Diese Ohrhänger, diese Großen, Glitzernden. Hast du die noch?” Etwas überrascht wurde sie angeschaut:” Ja, sind noch im Koffer. Sind aber abgelegt. Haben ihren *Zweck* erfüllt”. Dies Gesagte wurde mit einem liebvoll, strahlenden Lächeln begleitet. “Mhm, könnte ich dann die Ohrhänger vielleicht haben?”, fragte die “Sorgende” so etwas gewollt beiläufig, “Vielleicht habe ich noch Verwendung dafür”. Kurzes Zögern, “Aber sicher, Moment, kann ich dir gleich geben”, das Mädchen verschwand kurz in ihrem Hotelzimmer und kam dann mit den zwei schillernden Hängern zurück, “So hier sind sie. Die stehen dir auch, wären etwas für dich”. Nach diesen Worten wünschte sie noch herzlich eine “Gute Nacht” und entschwand in ihr Zimmer.
Zufrieden lächelnd verstaute die “Sorgende” die Ohrhänger sorgfältig in ihrer Handtasche, “Mhm, wenn die Dinger solch eine Wirkung auf die Männer haben…wer weiß, wer weiß, vielleicht kann ich die mal brauchen, vielleicht habe ich mal Verwendung dafür….
Jodelkönig // 8. 10. 2007 um 19:40
•Monroe’s Declaration
September 2nd, 2007 at 20:35
Nachtgedanken
Compu ist bereit und auch die große, dickwandige Teetasse – mit heißem “Yorkshire Gold” gefüllt. Die “Große” ist heute richtig, wichtig. So als “Händeumschlingtasse”, voll heimelig wärmend. Wärme wird gebraucht. Habe vor, das “kalte”, finstere Musikbusiness zu besuchen. Für die einen Hölle, für die anderen Heimat (Jodler?). Begleitet mich doch…
Nun, erst mal die Wände weg, den Raum erweitern. Schieb, zerr, na weiter, schieb, so ist es richtig. Das ist richtig weit. Und schon sind wir richtig. In einem kleinen, betriebsamen Business-Restaurant im Banken-Medien-Viertel einer Stadt. Einer großen, bedeutenden Stadt. Mit vielen wichtigen Leuten. Und die müssen auch mal Mittagessen gehen. Internationale Küche, so mit Pizza, Bratwurst, Steak und Schnitzel, alles lecker und gut. Und in so einem “Schlemmerlokal” trifft man sich, gelegentlich oder heimlich, wie das Pärchen dort hinten. Achten wir mal auf die zwei jungen Angestellten, am Fenster sitzend. Irgendwie ortstypische Erscheinungen, der eine schlank, sportlich und der andere stabil, aber nicht Sumo. Beide energisch, kompetent aussehend. Schicke Anzüge tragen sie, sehr modebewußt. Der Schlanke mit eleganter, dezenter Krawatte, der Stabile zeigt Status mit schwarzem Sporthemd. Beide umgibt eine Aura von Tüchtigkeit und Aufstieg. Hören wir mal rein, was gerade Thema ist…
“Schön, dich nach so langer Zeit wieder zu sehen. Hat dich die “Krise” wieder aus N.Y. zu uns zurückgetrieben? Und…und ihr seid doch nicht sooo betroffen, oder?, fragt der Stabile mit leicht besorgt klingender Stimme seinen smarten Gegenüber. Der Angesprochene legt die Speisekarte aus der Hand, schaut auf und entgegnet etwas amüsiert: ”Keine Angst, deine Kreditlinie ist sicher. Und ja, wir haben uns verschlankt, da drüben. Und so hat mich die Zentrale wieder. VIP-Kundengeschäft, das ist nun mein Ding”. Dies kam nun doch sehr wichtig rüber. Der Stabile ist beeindruckt, “Diese Banker, immer obenauf”. Er wendet sich der Speisekarte zu, entscheidet und gibt der Bedienung einen Wink.
“Haben sie sonst noch einen Wunsch meine Herren?” “Ähh, nein, vielen Dank, ja, vielen Dank”. Die Bedienung entfernt sich und nun kann der Bankschaffende seine Neugier nicht mehr verbergen: ”Und du, immer noch im gleichen Planetarium, Sternchen gucken und polieren?”, fragt er etwas ironisch, wißbegierig. Die Antwort kommt prompt: “Yea, aber habe mich weiterentwickelt. Betreue nun die Markteinführung einer ganzen Musik-Produktlinie”. Ein rätselnder Blick. “Äh, alles was zu tun ist, um eine neue Single oder ein neues Album in den Markt zu drücken, zu promoten. Damit die Musik gekauft wird, verstehst du?” Der Bankschaffende nickt, noch neugieriger geworden: ”Kannst du mir das genauer erklären?”
Da kommt das Essen, die Getränke. Beide lieben es bodenständig. Dem Banker das Steak, noch rotsaftig, dem Medianer die Bratwurst, groß, von Ketchup und Pommes umrahmt. Mit dem Bier prosten sie sich zu: “Auf ein Neues”, “Ja, den anderen die Arbeit und uns das Geld”. Lachend rezitierten sie “ihren” Spruch aus ihrer gemeinsamen Studentenzeit.
“Aber nun, erklär bitte”, meint, nicht locker lassend, der Neugierige.
Der Medienschaffende, den Duft der Bratwurst genüßlich schnuppernd, nimmt nachdenklich das Besteck und unterteilt die leckere Wurst in verschieden große Stücke. “Schau mal, so eine Bratwurst, um die geht es, ist so wie ein Klangwerk. Wenn es denn Käufern gefällt, ist alles gegessen. Wir sind im Geschäft. Ist ihnen die Musik *wurst*, so haben wir ein Problem. Und um dies zu vermeiden werden wir, äh, werde ich zum Promoter. “Zuerst”, er spießt das kleinste Wurstteilchen auf, “Haben wir hier die Neugierphase. Wir geben erste, gezielte Informationen über – zum Beispiel – ein Musikstück, eine Single an den Fanclub der Musiker, an die Radiostationen, an den Handel und an die Onliner.
Mit dem Name fangen wir an, erwähnen die Veröffentlichung, dann gestatten wir ein Blick auf das Cover und liefern eine Hörprobe. Die schleusen wir auch schon in aktuelle Fernsehsendungen mit ein”. Etwas stolz kam das rüber und hungrig verspeist er das Bratwurststückchen. “Was glaubst du wie die Fans da abgehen. Die gieren förmlich nach jedem Fetzen Neuigkeit”.
Mit einem zweiten Bratwurstteil, auf die Gabel gespießt, erklärt er weiter: “Dann kommt die Anheizphase, *Jetzt kommt Butter bei die Fische*, voll viel”. Lächelnd betupft er das Wurststückchen mit viel Ketchup. “Nun geben wir den Song an erste Radiostationen. In den *GSA*-Ländern, hier, und ins deutschsprachige Ausland. Da englisch, wird es verstanden”. Die leichte Ironie läßt das Lächeln breiter werden. “Dann kommt ein Trailer, von dem inzwischen abgedrehten Video. Geht ins Fernsehen, manchmal auch – undercover – ins Internet. So in die “Tube”, zum Beispiel. Und erste Presseerklärungen, sowie das Cover geben wir voll frei. Mann….wie das bei den Fans dann einschlägt. Bilder werden “abgepastet” und du siehst, wie über Nacht, *tausend Blumen blühen*, äh Fanbilder auftauchen”. Fast zärtlich leckt er an seinem Bratwurststückchen, “Ich mag diese Phase. Ist wie erste Liebe. Die Fans haben *Schmetterlinge im Bauch*, erzeugen Tausende von Klicks in den Foren und bei der “Tube”, rätseln über Chartplazierung und bestellen schon mal bei den Onlinern. Das gibt uns “Feedback”. Da zeigen sich schon erste Trends, Zustimmung, Ablehnung. Wir werten aus, reagieren und steuern”. Nun mächtig Stolz über seine Arbeit zeigend, wird auch dieses Stück Bratwurst von ihm vertilgt.
“Die nächste Phase, die Dritte, das ist die eigentliche Promo-Phase”, damit wandert ein weiteres, großes Bratwurststück auf die Gabel. “Nun wird eine Videoclip-Premiere bei VIVA arrangiert, mit Interview – vollgeil.” Sein Gegenüber zeigt Überraschung über den Gebrauch des Jugendwortes und greift zum Bierglas. Wenig irritiert fährt der Freund fort: ”Erste Auftritte im Fernsehen, die TV-Präsenz, die machen den Song nun bekannt, ein größeres Publikum hört ihn zum ersten Mal. Dies ist so wichtig, hier zeigt sich die *Ohrwurmqualität*. Wenn dabei *Gänsehaut* erzeugt wird, dann haben wir gewonnen. Es ist eine Gratwanderung. Dem Massenpublikum gefallen, ohne Qualität einzubüßen. Geht nur mit erstklassigen Künstlern. Solche mit hoher stimmlicher Qualität, und mit wahrer Ausstrahlung”. Fast das Stück Bratwurst verschluckend, ist er etwas abschweifend: “Haben wir Gott sei Dank, wahre Engel”. Dann besinnt er sich und erklärt weiter: ”Nun geht es Schlag auf Schlag, die Künstler habe da wenig Schlaf, sind dauernd unterwegs. Bravo-Interview, Fotoshootings, Fantreffen, Besuch bei Radiosendern – für den hohen “Airplay” und Werbung, ja viel Werbung. Diese Phase ist voll hart, auch für mich. Gute Ernährung ist da wichtig”. Dies bekräftigend verschluckt er nun das Bratwurstteil.
Der Banker ist voll beeindruckt, sein Steak fast vergessend. “Bitte mach weiter, wirklich faszinierendes Business”. “O.K., die nachfolgende Zeit nennen wir nun *Konsilidierungsphase*, oder auch “Schürzenphase”. “Schürzenphase?” Ein wissendes Lächeln und ein sehr großes Stück Bratwurst wird aufgespießt. “Ja, um die Sterntaler einzufangen. Denn die Vertriebsfirmen fangen mit dem Verkauf an. Der *Release* ist da. In den Läden liegen die CDs aus, Plakate überall. Die Onliner, ganz wichtig. Dauerndes Spielen im Radio und Fernsehen. Entscheidende Tage. Denn es wird die erste Chart-Platzierung erwartet. Die messbare Attraktivität der Single, des Klangwerkes. Wenn wir es schaffen, in die ersten Zehn zu kommen. Dann, ja dann ist der Erfolg sicher und dann kommen auch die Sterntaler. Und die *Wurst* ist gegessen”. So endend genießt er das schon aufgespießte Wurststücken und vergißt nun auch die restlichen Stücke nicht.
Sein Freund säbelt an dem kleiner werdenden Steak, sehr nachdenklich. “Du hattest erwähnt, daß das alles nur funktioniert, wenn die Künstler erstklassig sind? Und hast du da jemanden?”. Der Medien-Freund schaut überrascht, schon sehr überrascht: “Hatte ich das nicht erwähnt? Wirklich nicht? Na, sowas. Ja, ja, wir haben da drei Mädels unter Vertrag. Tolle Sängerinnen. Singen mehrstimmig, mit einem Wohlklang, der ist wirklich unglaublich. Und die haben eine wahrhaftige Ausstrahlung, wie Engel”.
Weitere, sehr viele *Schön-Attribute” und *Schön-Nomen* bindet er nun in den Sätzen ein, mit denen er seinen Gegenüber begeistert informiert. Was er da so erlebt, mit diesen Engeln. Was er da so berührend findet. Sein Freund ist wirklich tief beeindruckt über das alles und kann nun sein Erstaunen nicht mehr verbergen: “Mann, oh, Mann, dich hat es ja schwer erwischt. So kenne ich dich ja gar nicht! Immer nüchtern analysierend, total sachlich handelnd, keine Emotionen beim Job. Das war immer deine Einstellung. Und nun diese Wandlung. Das müssen schon erstaunliche Geschöpfe sein? Werde mir erst mal die CDs kaufen, alles anhören und mal im Internet stöbern. Dann können wir weiterreden.” Er winkt der Bedienung. Sie bezahlen und verlassen angeregt plaudernd das Gasthaus. Nicht ohne eine erstaunt nachblickende Bedienung zurückzulassen. Viel Trinkgeld und respektvolle Behandlung. “Was ist denn das heute?”, denkt sie so nachdenklich.
Nachdenklich wie wir auch, zurückziehend aus diesem Geschehen, aus dieser Stadt. Und nun zurückkehren von der Begegnung mit der “Musikbranche”. Und da sitze ich nun, mit meiner großen Teetasse und frage mich:” Was ist nun mit dem bösen, kalten Musikgeschäft? Mit dem Haifischbecken? Warum machen wir uns solche Sorgen? Die drei Mädels, die schaffen alle. Wandeln um. Verändern. Erstaunen uns, erhöhen, wahre Engel – *Die*!”
Jodelkönig // 8. 10. 2007 um 19:41
Monroe’s Declaration
September 8th, 2007 at 20:08
Huhu, habe etwas mitgebracht. Eine kleine Geschichte. Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht zufällig und voll beabsichtigt .
So, schnell noch eine Tasse Tee. Habe es heute eilig. Kommt ihr mit? Super. Nun schnell wieder den Raum erweitern. Reicht…, jetzt noch die Shoji-Schiebewände wegschieben, gut so….und wir sind schon da. Ja, in der uns schon bekannten Stadt mit ihrer grandiosen Bank-Media-Scene.
Heute treffen wir mal wieder die “Zwei”. Den Banker und den Medianer. Die sitzen auf bequemen Stühlen in einem schicken, japanischen “Kaiten Sushi”-Restaurant, auch “Running-Sushi”-Shop genannt, an einer Theke, die quadratisch den Raum ausfüllt und schauen interessiert den vorbeigleitenden Tellern nach, die vor allem mit frischen und leckeren Sushi-Spezialitäten gefüllt sind. Die Speisen, äh, Tellerchen sind auf einem rundlaufenden Fließband angeordnet und man kann sich herauspicken was einem so mundet.
Das tun die “Zwei” gerade. Jeder hat sich ein Thunfisch-Sushi genommen und versucht mit den Essstäbchen nun die Köstlichkeit zum Mund zu bringen. Ohne Plumps und Katastrophe. Geht doch. Die scheinen da ganz geübt zu sein. Männer von Welt. Japanische Küche…normal wie Bratwurst und Döner! Hören wir mal rein, was da so abgeht in ihrer Welt……
“Wow, da ist ja jede Menge los bei dir in deiner Bank. Sehr interessant”, bemerkt der stabile Medienschaffende zu seinem Freund. “Da würde es mir nicht gefallen. Zu unpersönlich. Immer nur das Geld”. Der Banker, gerade mit kenntnisreichem Blick ein Schwertfisch-Sushi vom Förderband nehmend und die schon geleerten Tellerchen aufeinander stapelnd, meint: “Naja, man gewöhnt sich daran. Wenn man nur nicht immer so um den Bonus kämpfen müßte, ums liebe eigene Geld”. Genüßlich und gekonnt badete er kurz das Sushi in Sojasauce und schob es in den Mund.
“Aber wie läuft es denn bei euch?, fragte er kauend. “Habe mir die CDs von den Mädels gekauft, VIVA angetan und auch im Internet gekramt. In der Tat, eine Super-Girlband. Können singen. Und die Lieder sind ganz ausgezeichnet. Besonders die Balladen. Ungewöhnlich. Und da soll ein neues Album herauskommen? Eine Single auch?” Der Freund, der Medianer nickt: ”Ja, richtig. Sehe, du bist informiert. Wir sind jetzt in der heißen Promo-Phase. Hatte ich dir ja schon erklärt, was da so abgeht. Haben vorher schon erste Bilder von dem Video-Dreh herausgegeben. Mensch, waren die geschockt. Die Fans gingen so richtig ab. Wir haben den Mädels aber auch ein geiles Outfit verpaßt.” Beim Gebrauch des Jugendwortes zuckt der Banker immer noch zusammen. Der Freund fährt fort: ”Ja Outfit. So schicke, unabhängige Ladies. Richtig sexy. Wenn die wüßten, was da noch alles kommt!” Zufrieden grinsend lehnt er sich zurück, den Sushi-”Conveyor-Belt” nach neuer Beute beobachtend.
Der Banker nimmt sein Teegefäß, hängt einen neuen “Sencha”-Grüntebeutel in das Glas und bedient sich an einem Heißwasser-Tap. “Du, ich habe mal so eine Frage, interessiert mich”, meint er nachdenklich, den Teebeutel etwas bewegend. “Wie wählt ihr eigentlich die Songs aus? Für so ein Album? Ihr gebt ja damit auch die musikalische Richtung an?” Der Medienschaffende, nun ganz in seinem Element entgegnet, etwas wichtig: ”Mhmm, darüber zu reden ist ja nicht gut. Zu viel Internas. Aber”, er zögert etwas, “Du als Freund und Banker kannst ja etwas für dich behalten”. Der Banker lacht:”Ja, ja, in meinem Kopf gibt es schon so viele “Chinese Walls”, da ist das kein Problem”.
“O.K.”, der Medianer fährt fort:” Wir hatten da vor einiger Zeit ein Problem, ein Richtungsproblem. Wie soll man so eine Band positionieren? Wie kommen wir an die Käufer – möglichst viele – heran. Mehr sexy, mehr trendy? Beatmäßig, ein bißchen mehr modern Style, die selbstbewußte Frau-Darstellung? Oder mehr die weiche Welle, etwas softig, viele Balladen? Und du glaubst es nicht. Sogar die Hinwendung zum Schlager, zur Volksmusik wurde diskutiert!” Dem Gegenüber wäre vor Schreck fast das zwischen den Stäbchen festgeklemmte Sushi-Stück herausgerutscht. ”Volksmusik? Die Mädels? So die Schluchzer vom Silbersee?”, er fing an zu lachen: ”Mein Gott, das können sie ja den über 80-jährigen nicht antun. Die hätten ja alle reihenweise einen Herzinfarkt bekommen. Bei all den blauen Pillen!” Der Medianer grinst, schiebt das nächste, leere Tellerchen auf seine wachsende Ansammlung und erklärt weiter: ”Naja, die Abteilung, die für die Vorab-Songauswahl, die Richtungsweisung zuständig war, konnte sich nicht einigen. Und da hat der obere Chef es zur “Chefsache” gemacht. Hat es an sich gezogen und eine Strategiesitzung einberufen. Sehr denkwürdig, dieser Tag. Werde es nie vergessen”. “Warum denn das?, der Banker, fragend und an ihr gemeinsames Wirtschaftsstudium zurückdenkend, “Da habt ihr bestimmt eure Studien ausgewertet, Meinungsbefragungen vorgelegt, Trend-Analysen berücksichtigt, und…..?” Der Freund schüttelt den Kopf: ” Das lief ganz anders, das kann man eigentlich niemand erzählen. Aber es ist das wahre, pralle Leben”. Er unterbricht seine Ausführungen, den gerade, da kommt die leckere Yokan-Süßspeise vorbei. Das Tellerchen ergreifend fährt er fort: ”Unser Chef ging zum Flipchart an der Wand und malte drei Kästchen. Dann schrieb er in die Kästchen hinein. Up-Tempo, Mid-Tempo und Soft/Slow-Tempo. Dann schrieb er *9 bis 19-jährige* und verband es strichelnd mit dem Up-Tempo-Kästchen. Die Bezeichnung *20 bis 35-jährige* verband er mit dem Mid-Tempo und die über 35-jährige-Aussage wurde mit dem Soft/Slow-Tempo verbunden. Danach hat er fragend in die stumme, erwartungsvolle Runde geblickt und nach den zugehörigen Prozentzahlen gefragt. Naja, wieviel von jeder der drei Gruppen jeweils die CDs der Mädchen kauft. Da war ratloses Schweigen. Und da kam meine große Stunde!” Der Medianer blickt triumphierend, siegermäßig. “Ich hatte doch von dem Fanclub der Mädchen so eine Aufstellung erhalten, wie die Altersstruktur in dem Club aussah. Und das mit den zugehörigen Prozentzahlen. Clever gemacht. Da hatten welche eine gute Idee. Die Spätfans, glaube ich. Und das Beste: Ein sehr junger Schüler hat das gemacht. Hat dabei noch Prozentrechnen gelernt und Umgang mit Excel. Und ich glaube ein Mädchen hat da auch noch mitgemacht. Tja, wirklich clever unsere Jungfans!”
Er trinkt ein Schluck Tee, freut sich diebisch:” Und diese Prozentzahlen konnte ich unserem oberen Chef präsentieren. Der war sehr zufrieden. Schrieb sie unter die Altersgruppen und wies die Abteilung an, das Album entsprechend den Prozentzahlen zu gestalten. So legte er die Menge der Balladen, der schnellen und der etwas langsameren Songs fest. Das war’s. Dann meinte er noch, daß er die Mädels sehr sexy findet – damit war die Richtung völlig klar. Weiter bestimmte er noch, daß die Mädels bei der Songauswahl mitreden sollten – natürlich im festgelegten Rahmen. Dann hatte der Chef zufrieden in die Runde geschaut und gefragt ob es noch Fragen gibt. Es gab keine. Beim Verlassen des Meetingraumes hat er sich noch einmal umgedreht und mich lobend erwähnt”. Ganz von der Erinnerung gepackt, beendet der Mediaschaffende seine Ausführungen und etwas Tee-trinkend ergänzt er noch: ”So, jetzt weißt du wie die Praxis im Musikbusiness aussieht.” Der Banker schüttelt etwas den Kopf:” Hab schon Ähnliches bei uns erlebt. Warum haben wir uns überhaupt in den Fachseminaren den Hintern breit gesessen? Die Profs, die haben ja keine Ahnung”. Er dankt seinem alten Freund für das “Mediaseminar” und gemeinsam packen sie die leeren Tellerchen aufeinander. Den Stapel balancierend begeben sich die “Zwei” zur Kasse. Da wird aus der Anzahl der Teller und den unterschiedlichen Farben die Rechnung erstellt. Nach dem Bezahlen entschwinden sie nun im Gewimmel der umtriebigen Stadt. Und wir können uns auch zurückziehen. Wir haben “soviel” erfahren. Mehr als wir uns vorstellen konnten. Wie das so ist im Musikgewerbe.
So, noch eine letzte Tasse Tee, genußbringend und dann das Compu zu. Die Mädels werden doch gut geleitet. Von ihrem Fanclub. Immer hilfreich und für sie da. Wie es sich gehört!
Jodelkönig // 8. 10. 2007 um 19:42
•Monroe’s Declaration
September 17th, 2007 at 23:03
Etwas “Kleines” für euch. Damit ihr mir ja gut schlaft
Denkt man an seine Kindheit zurück, so erinnert man sich sehr gerne an die Zeit der “Gute-Nacht-Geschichten”. Entspannt im Bett liegend, “Mom” oder “Dad” zuhörend, wenn es eine “Ausdenkgeschichte” gab, oder aus einem Buch, schon das dritte Mal, die geliebte Stelle vorgelesen wurde. Da war man dann ganz gefangen, völlig eingesponnen in die Handlung. Und es war so schön und knuddelig – das Gefühl, der Mittelpunkt zu sein und “Gefühlszeit” von den Eltern abzuziehen. Das was wir empfanden, fühlten, war “Geborgenheit”. Etwas, was wir vielleicht nie wieder so intensiv erleben durften im späteren Leben. Das wir aber weitergeben können, wenn wir selbst Kinder haben. So etwas wie “Erfahrungsweitergabe”. Für meine “Gute-Nacht-Geschichte” möchte ich euch etwas von dieser “Geborgenheit” vermitteln, etwas “Family-Geborgenheit”. Deshalb, bitte, nehmt euch nun die Zeit für eine wohlschmeckende Tasse Tee oder ein Glas wohltemperierten Rotwein, dämmt das Licht, legt die Beine hoch, das Compu auf dem Schoß und last euch mitnehmen….
Wie alles begann. “Es war einmal” ein Sommer-Konzert, und während des Konzerts, da bekam eine junge, sehr begabte Sängerin ein Stofftier von einem jungen Fan geschenkt. Ein süßes, fein gestaltetes Bambi mit einer schmucken Halskette. Die reizende, langbeinige Sängerin, sie wird von allen liebvoll Mandy genannt, erkannte darin ihre “Zwillingsschwester” und taufte das Stofftier “Mandy-Bambi”. Und ein Künstler, ein Fotograf, ein Fotomaler hielt den berührenden Moment fest, wo diese wunderschöne junge Dame das “Mandy-Bambi” zärtlich umarmt und herzt. So viel Freude zeigend über diese “Fangabe”. Diese Bilder zeigen uns eine strahlend schöne Mandy, so herzlich und natürlich, vergleichbar einem großen Strauß bunter, duftender Sommerblumen, die Sonne reflektierend. Ein Mädel im Sommer, der Musik hingebend und mit zwei weiteren reizenden Mädels zusammen, wie in einem Sommermärchen. Und dann das “Mandy-Bambi”. Durch den Fotomaler für immer festgehalten, wie es seine Bestimmung gefunden hatte, ein Stück “Family-Geborgenheit” zu vermitteln. Und wenn ihr die Bilder nun betrachtet, merkt ihr dann, wie irgendwie alles von einem sanften, weichen Licht umhüllt ist? Es ist eine Aura, die immer da ist, wenn “Sie”, unsere Engel, alles verändern, verwandeln, uns weiterentwickeln lassen….
http://img472.imageshack.us/img472/757/dsc01960001oi7.jpg
http://img100.imageshack.us/img100/8446/dsc01940001bx8.jpg
(von Webster59, Bilder im OFC, Rewe-Family-Fest Düsseldorf)
Der Fotokünstler veröffentlichte seine Bilder nach dem Konzert. Fans berichteten, erzählten von dem “Mandy-Bambi”. Ein tausendfaches Wissen entstand, wurde weiter getragen, und aus dem “Einen” sanften Licht wurde ein Leuchten an vielen, vielen Orten. Und so geschehen nun Dinge im Land, sehr schön und berührend, und doch irgendwie geheimnisvoll und unwirklich……..
Eine schöne Stadt, eine sehr schöne, mit vielen japanischen Touristen. Und deshalb ist der Spielzeugladen in dieser Stadt so groß. Denn da gibt es “Mitbringsel” zu kaufen, aber auch Stofftiere. Zum Sammeln und zum Herzen. Gerade kommt eine elegante Frau mit ihrer schwarz gelockten Tochter in den Laden. Das Mädchen, so dreizehn, schon selbstbewußt, aufgeweckt und bestimmt sehr gut in der Schule, hat ein Blatt Papier in der Hand. Sie steuern direkt auf die Verkaufstheke zu, wo gerade ein Verkäuferin einige Spielsachen wegpackt, also frei scheint. Das Mädchen lächelt, wie nur eine Dreizehnjährige so herzschmelzend lächeln kann, die Augen strahlend und mit weicher Stimme zieht sie die Aufmerksamkeit der Verkäuferin auf sich: “Guten Tag, Ich würde gern ein Stofftier haben, so wie es auf dem Bild abgebildet ist”, und damit präsentiert sie der der Verkaufsdame den Compuausdruck. Die Verkäuferin, eine erfahrene, ältere Fachkraft blickt den Ausdruck und dann das Mädchen etwas nachdenklich, sinnend an und erwidert dann ohne weiter nachzufragen: “Ah verstehe, das *Mandy-Bambi*. Du hast Glück, wir haben gerade eine neue Lieferung bekommen”. Schon nach diesem kurzen Dialog scheinen die Beiden wie von einem besonderen Licht umgeben zu sein. Es ist als wären sie schon ewig mitteinander vertraut. Dem Mädchen liebvoll zunickend, verschwindet die Verkäuferin kurz in einem rückwärtigen Lagerraum und kommt mit einem kleinen Karton zurück. Geschickt befreit sie das Stofftier von seinen Umhüllungen und legt es dem erwartungsvoll blickenden Mädchen in die Arme. Mit einem seligen Gesichtsaudruck wird das “Mandy-Bambi” sofort ans Herz gedrückt und mit einem “Vielen, vielen Dank” quittiert. Dann eine “Freude”: “Jetzt kann ich es ihr schreiben, daß ich auch so ein Bambi habe”. “Ja, das solltest du, sie freut sich bestimmt darüber”, bekräftigt die Verkäufern und drückt der Mutter freundlich den Strichcode-Zettel für die Kasse in die Hand. Die Mutter, die staunend das Geschehen beobachtet hat, weiß nicht was sie sagen soll. Sie schaut die Tochter, dann die Verkäuferin an, schüttelt etwas verwirrt den Kopf und geht zur Kasse. Draußen, vor dem Laden wird die Tochter gefragt: ”Kanntest du die Verkäuferin?” “Nein, wieso?” “Naja, die schien so informiert, so vertraut mit dir”. “Was ist da so besonderes”, erwiderte die Tochter und richtet erstaunt über so viel Unverstand, den Blick auf die Mutter: “Gibt es denn jemanden, der *Mandy-Bambi* nicht kennt?”
Eine kleine Stadt, ruhig, viele Spielplätze, viel Schule. Eine Stadt, in der Kinder einen Platz haben, aufwachsen können. Und sie werden älter, entdecken einander. Da ein Häuschen, mit Vorgarten. Ein junger Mann, mit einem kleinen Päckchen in der Hand klingelt, wird eingelassen und begrüßt ein junges Mädchen, vielleicht siebzehn Jahre jung, lange blonde Haare, engelig und irgendwie aufgeregt über den Besuch. “Mann, super, daß du kommen konntest”, erreicht es ihn. “Sind deine Eltern gar nicht da”, wird sie gefragt. “Nein, mehrere Tage weg. Tagung mit Papa”, kommt es zurück. “Komm wir gehen nach oben”. Erstaunt schaut der junge Mann sich um, eintretend in das Zimmer der Freundin. Viel Platz, schicke Einrichtung. Und da hängen große Fan-Plakate an der Wand. Kennt er, die Girl-Band, die da abgebildet ist. Denn er war vor kurzem mit ihr auf einem Konzert. Auto vom Vater, da konnten sie gut hinkommen. Und gefallen hatte es ihm sehr. Denn die drei Mädchen der Girl-Band, die hatten wirklich schöne Stimmen. “Hast du da etwas besonderes in der Hand?” wird er neugierig, vorsichtig aus seiner Betrachtung gerissen. “Ja, ja”, stammelt er etwas verlegen. “Ich habe dir ein kleines Geschenk mitgebracht. Etwas was dir bestimmt Freude machen wird. Auch als eine kleine Konzerterinnerung”. Mit einer galanten Bewegung überreicht er ihr das kleine, schmuck verpackte Päckchen. Mhmm, hat wohl augenzwinkernd die Mutter eingepackt, so schön wie es gewickelt und geschnürt ist. Sie, freudig, aufgeregt, entwickelt das Päckchen von seinem Schmuckpapier, öffnet es und befreit ein süßes Bambi. “Oh, das *Mandy-Bambi*, oh, so schön, daß du daran gedacht hast. Das ist ja so lieb! Und oh, das Bambi hat ja eine Halskette um, mit einem Schildchen, mit meinem Namen!” Sie drückt das Stofftier eng an sich, herzend (kennen wir) und wendet sich liebvoll zu ihrem Freund zu. Dieser Blick, diese schimmernden, blauen Augen. So hat sie ihn noch nie angeschaut, so nicht, und langsam geht sie auf ihn zu….. Oh, oh, nein, nein, das wird uns zu privat, das geht uns nichts an. Erste Liebe, soo schön. Da entfernen wir uns wieder. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, daß auch dieses kleine Häuschen irgendwie von einem sanften, weichen Licht eingehüllt ist, so ein unwirkliches Leuchten….
Wieder eine kleine Stadt, sehr hessisch. “Sie”, versucht ihre Tochter anzufrufen. “Warum haben diese Handys immer so kleine Tastaturen. Ah, jetzt habe ich es, die richtige Nummer”. Gespannt hält sie das Handy an ihr Ohr. Nichts, keine Verbindung. Überlegend, wählt sie eine andere Nummer. Nach kurzer Zeit meldet sich jemanden, eine weibliche Stimme, die sie gut kennt – nach so vielen Monaten. “Hallo, ich kann meine Tochter nicht erreichen. Ist alles in Ordnung?” “Ja, ja, alles O.K., es geht allen Drei gut, etwas stressig im Moment, haben Fotoshooting, aber das geht vorbei. Kann ich etwas ausrichten?” “Mhmm, oh, ja, könntest du ihr sagen, daß es schon zwölf sind, ja zwölf. Sie weiß dann schon Bescheid”. Etwas irritiert verabschiedet sich die Gesprächsteilnehmerin und die Mutter verstaut das Handy wieder an seinen ordentlichen Platz. Sinnend geht sie ins Wohnzimmer und schaut nachdenklich auf die zwölf Stofftiere, auf die zwölf Bambis, die da so auf dem Fenstersims platziert sind. Jedes hat ein anderes Halskettchen um, so mit aufgereihten, farbigen Glasperlen, oder mit einem Motivband, feingehäkelt. “Selbstgemachte Liebe, die Kettchen, die Bänder, so schön”, denkt sie, “Aber diese wertvollen Bambis…die Fans sollen doch keine teuren Geschenke machen. Ein Brief, ein Malbild, ein Gedicht. Das ist, was sie so gerne hat, was sie liebt”. Etwas abwesend streicht sie sanft mit der Hand über die Stofftiere und spricht so vor sich hin, leise, jemanden versuchend zu erreichen, der weit, weit weg ist: ” Deine Schwestern, die *Mandy-Bambis*, so schön. Hoffentlich geht es Dir gut. Ich sehe dich so wenig. Leider. Du bist doch noch so jung und nun hast du schon so viele Verpflichtungen. Aber eines, das ist schön, deine Fans, die denken an dich”. Dann ein letztes, liebvolles Streicheln und die Mutter wendet sich wieder, immer noch nachdenklich, den täglichen Dingen zu. Ein weiches, heimeliges Leuchten, diesen Teil der Stadt sanft einhüllend, das war hier schon immer präsent, schon lange…….
Im Süden des Landes, eine Kreisstadt. Wichtig für die Menschen dort. Denn da kann man alles einkaufen und die Arbeitsplätze sind da auch konzentriert. In einigen kleineren Firmen. Mittelstand eben. Aber weltoffen und flexibel. So flexibel wie der Fertigungsleiter und der Vertriebsleiter einer Firma für Stofftiere dort. Diese Firma, immer noch Familienbesitz, nun in der vierten Generation. Da geht es leger zu, aber sehr professionell. Der Vertriebschef, ein jüngerer, cooler Typ gießt sich gerade Tee ein. Aus einer großen, feinbemalten Porzellankanne (alter Familienbesitz) in eine gleichfalls große, bunte Keramiktasse (tss, sowas von passend). Mit dieser Tasse in der Hand wendet er sich dem Fertigungsleiter zu, einer energisch wirkenden, älteren Frau. Aber sehr dezent, elegant gekleidet. Teuer eben, das Kostüm. “Möchten sie auch eine Tasse Tee, sehr wohlschmeckend diese Mischung?”, fragt der Vertriebsmann einleitend die Dame. Sie schüttelt verneinend den Kopf und wartet, was da so kommt. Sicherlich wieder so eine brandeilige Sache. Und es kommt. “Wir haben eine dringende Anfrage nach weiteren “ST 276″-er”, beginnt der Vertriebler. “Ah, nach den *Mandy-Bambis*. Wieviel und wie schnell?”, fragend sieht die Fertigungsleiterin ihren Gesprächspartner an. “Gestern, und vier Arbeitsschichten voll”, kommt die Antwort. “Mhhmm, da müssen wir Sonderschichten fahren. O.K., das machen unsere Frauen schon”, erwidert sie nachdenklich. “Merkwürdig, bei diesen Bambis, da haben wir überhaupt keine Probleme in der Fabrik. Auch stimmungsmäßig. Keine meldet sich krank, oder fehlt sonstwie. Und “Null-Fehler”-Produktion, sehr, sehr außergewöhnlich”. Die beiden bereden noch viele weitere Details des Auftrages, alles Interna, nur für Insider wichtig. Aber dann, als die Fertigungsdame gerade am Gehen ist, fragt sie noch den Vertriebsleiter :”Haben sie mal bei der Packstation vorbeigeschaut, wenn die Bambi-Produktion läuft? Da wo die Frauen die Stofftiere einpacken?”. “Nein, warum?”, kommt die erstaunte Antwort. “Das ist sehr interessant. Wirklich! Jedes *Mandy-Bambi* bekommt von den Frauen so einen zärtlichen “Stups” auf die schwarze Nase. Ganz liebvoll wird es angestupst, bevor es in der Verpackung verschwindet”. “Wirklich? Und warum, wieso, weshalb, machen die das?”. “Tja, habe gefragt. Ein verklärtes Lächeln, das war die Antwort”. Beide schauen sich sinnend an. “Und wissen sie was das Erstaunlichste ist, das Merkwürdigste? In China, in unserem Werk dort? Bei der Basismengen-Produktion von “ST 276″? Da passiert genau das Gleiche. Da wird auch gestupst. Und das ohne Absprache. Nichts dergleichen!” Beide schauen sich nun stumm an. Etwas hilflos, verwundert. “Am besten, sie erkundigen sich genauer, was es mit diesem *Mandy-Bambi* so auf sich hat”, rät die Dame noch dem Vertriebschef, bevor sie sich trennen. “Sie haben doch Möglichkeiten?”
Und so haben wir noch eine Stadt, wo sich das sanfte, weichschimmernde Leuchten bemerkbar macht. Und ist da nicht auch ein Ort ganz weit, weit weg?
Mhmm, ich glaube, nun könnt ihr entspannt schlafen gehen und träumen….Und ich sollte noch eine Tasse Tee trinken, eine Letzte. Ohje, alles getrunken, schade. Aber, oh, da wird ja von liebvoller Hand eine dampfende Teekanne dargereicht. “Schatz, da ist ja gar kein Platz auf deinem Schreibtisch. Könntest du das *Mandy-Bambi* etwas auf die Seite schieben, dann kann ich die Kanne abstellen?”…..Ups, seht ihr auch das sanfte, weiche Licht meinen Schreibtisch etwas einhüllend………
Jodelkönig // 8. 10. 2007 um 19:43
• Monroe’s Declaration
September 25th, 2007 at 23:38
Eine “Gute-Nacht-Geschichte” für euch. Und wenn ihr damit gut einschlaft und träumend die Geschichte weiterführt und ausschmückt, dann, ja dann hat sie ihren “Zweck” erfüllt.
Wenn man spät abends zur Ruhe kommt, die Beine hochlegt und musikhörend eine schöne warme Tasse Tee genießt. So einen “Earl Grey” als “Late Night Tea” mit Milch, dann möchte man seine Gedanken fortwandern lassen von den Tagesproblemen- und Mühen. Weit weg. Zu anderen Dingen. Zu den schönen Dingen. Dinge, die uns berühren und faszinieren. So zum Beispiel Literatur, Poesie, und Musik. Und da haben wir Fans kein Problem. Dem Wohlklang der Röschen hingebend, wandern unsere Gedanken automatisch zu ihnen weiter. Zu den neuen Liedern, zu den Konzert-Infos, TV-Auftritten und Interviews der Dreien, und vor allem auch zu den Infos der anderen Fans. Da kommt sehr leicht ein “Family-Gefühl” auf. Das Gefühl, eingebunden zu sein in eine größere Gemeinde von Gleichgesinnten, von Musikliebenden. Und da verspürt man auch schon mal den Wunsch, den Mädels mitzuteilen, was man so empfindet, wenn man ihre Entwicklung verfolgt, ihre Musik liebt. Auch dabei Dank ausdrückend für die schönen Momente, die interessanten Stunden, die sie einem ermöglicht haben.
Und so schreibt man ihnen, liebvoll erzählend, begeistert, dankend. Wünscht ihnen alles Gute, möchte dass sie gesund bleiben und vieles mehr. Es entsteht Fan-Post. Oftmals mit Zeichnungen geschmückt und mit Gedichten ergänzt. Diese Briefe, diese Fan-Post findet ihren Weg zu den Mädels. Der Postbote trägt schwer. Denn sie haben viele Fans. Viele treue Fans, Und es werden mehr, viel mehr. Dieser Strom von Briefen gehen die Mädels tapfer an. Nehmen sich Zeit dafür. Da wird geschmunzelt, gelacht, auch nachdenklich diskutiert, zitiert und auch betroffen manche Träne vergossen, wenn sich ein Schicksal offenbart, dass sich durch ihr Vorbild, durch ihre Musik zum Besseren gewendet hat. Und manchmal ist ein Brief dabei, der einen besonders aufmerken lässt. Man hat so ein Gefühl. Man weiß nicht warum. Nicht so von seinem Äußeren her, sondern vielleicht wo er herkommt. Aber es waren doch schon Brief von vielen Ländern dabei. Von nahen und sehr, sehr fernen Ländern. Aus Übersee. Amerika. “Down Under”.
Aber dieser Brief, den die Mädels da in den Händen halten, hat dieses, tja, Merkwürdige, Besondere. Irgendwie. Er ist an die Band adressiert, nicht an ein bestimmtes Mädel. Und der Absender ist eine Frau, als Adresse wird eine Hallig angegeben. Also herstammend von einer Wohninsel im nordfriesischen Wattenmeer. Da stellt man sich doch sofort weidende Kühe und Schafe vor. Ein einsames Haus, erhöht, und von der Nordsee umtost. Einsam lebend auch die Bewohner, wortkarge Nordfriesen. Nachkommen von Wikingern, Seefahrern und Walfängern. Heute Bauern, Küstenbewohner, die auf den wie hingetupft im Wattenmeer liegenden, gefährlichen Eilanden ausharren und ein unentwegten Kampf gegen das Meer führen. Und dort, sooo einsam, soll es ein Röschen-Fan geben? Jemanden, der die Mädels so mag, dass er ihnen ein lieben Brief schreibt? Die Mädels lesen aufmerksam den Brief, es werden die Augen feucht, sie freuen sich sehr über die lieben Worte und verfassen gemeinsam, umgehend eine Antwort. Aus dem Herzen heraus, ohne Floskeln und eingeübte Satzfolgen. Sie schreiben was sie empfinden, was sie gerade machen, etwas von dem täglichen, harten Bemühen und den Hoffnungen der Zukunft. So wie es ihre Art ist. Die Antwort kommt zur Post, und der gelesene Brief? Den hat sich eines der Mädchen in die Handtasche gesteckt. Für die Mutter. Sie soll ihn auch lesen. Er ist doch irgendwie etwas Besonderes.
Und wir, neugierig geworden, möchten doch gerne mehr wissen. Etwas was die Mädels nicht sehen können. Etwas, was zwischen den Zeilen steht und dahinter, verborgen in der Ferne. Wie er entstanden ist. Was die Schreiberin dabei erlebt, gefühlt, empfunden hat. Der Anlass für den Brief, die Umstände und ihr persönliches Umfeld, das möchten wir kennenlernen. Soviel, wie sie uns erlaubt, uns zeigen möchte. Den wir möchten nicht eindringen, nur Gäste sein, liebe Family-Freunde, bereit eine Beziehung aufzubauen und Zuneigung zu leben.
Und so begeben wir uns in den hohen Norden, in die Uthlande, zu einer abgelegenen Hallig im Wattenmeer-Nationalpark. Da steht ein Haus aus rotem Ziegelstein, mit Reetdach. Typischer nordfriesischer Baustil. Das Gebäude bildet mit einigen anderen zusammen ein Ensemble, erhöht, einige Meter über der weiten Marsch- und Geestlandschaft liegend. Auf einer Warft. Damit es bei starker Flut nicht überschwemmt wird.
Im geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer hat sich eine Frau, die Dame des Hauses, die “Landlady”, wie wir sie treffend nennen wollen, eine kleine “Rückzugsecke” eingerichtet. So mit einem stilvollen Schreibtisch, Ledersessel und einem schönen, warmen Licht. An dem Compu sitzend, genießt sie gerade Tee, voll dampfend, aus einer alten Porzellantasse. Eine herrlich, sanfte Musik durchweht den Raum, von einer Musikanlage herkommend, die auf dem Schreibtisch ihren Platz hat. Wir kennen diese Musik, diese neue, wundervolle Ballade der Mädels. “What You Don’t Know” entfaltet in diesem Raum seine volle Wirkung. Berührend. Lässt die “Landlady” ganz stimmungsvoll werden, genau richtig für das, was sie gerade unternimmt. Nämlich einen Brief zu schreiben an die Röschen. “Habe noch nie einen Fan-Brief geschrieben, und das jetzt nun mit 58 Jahren”, denkt sie. “Was geschieht mit mir, was geht da vor?”. Sie schüttelt etwas den Kopf über sich selbst. “Es ist nun zwei Tage her, dass mit dem Postschiff, der *Störtebekker*, das neue Album ankam. Friede Nissen, der Postbote. Er hat so gegrinst, als er mir das Päckchen nach der Quittierung übergab. Der scheint gewusst zu haben, was es enthielt, wie wichtig es mir war. Vielleicht hatte er schon mehrere, ähnliche Musikpäckchen an dem Tag ausgeliefert? Werde ihn fragen, morgen, wenn das Schiff wieder kommt.”
Sie wendet sich dem Compu zu, und beginnt mit den Zeilen, die ja die Mädels schon kennen: “Meine geliebten Röschen, ich grüße Euch von einer Hallig im Wattenmeer. So schön gelegen, ein Heim, mitten im Meer mit grenzenlosem Horizont. Und es ist nicht so einsam hier, wie es aussieht. Wir haben im Frühling und Sommer immer Pensionsgäste, nur im Herbst und im Winter wird es ruhiger. Jetzt kommen auch bald wieder einige Vogelkundler, äh Ornithologen, Ein lustiges Völkchen, die uns immer dann besuchen, wenn die Zugzeiten der Ringelgänse beginnt, wobei auch viele hier (die Gänse) ihr Winterquartier einnehmen. Vorgestern habe ich Euer neues Album bekommen. Es ist so wunderschön. Immer wieder höre ich es mir an. Kann da gar nicht aufhören. Ihr gebt mir so viel. Eure Stimmen, auch Eure Auftritte im Fernsehen. Erst vor kurzem, beim “verlorengegangenen” Raab, da habt ihr mich mit der “Strictly Physical”-Performance total überrascht. Habe es aufgenommen und mir immer wieder angeschaut. Macht sprachlos. Wirklich. Und nun das Album. Es wird mich begleiten, wenn hier die Herbst- und Winterstürme kommen. Wenn die Hallig “blank läuft” und nur die Warft dem Meer trotzt. Ich lebe nun seit zweiunddreißig Jahren hier, habe viele Stürme erlebt, viele “Landunter”. Aber ich werde mich wohl nie so richtig an das Stürmen und Brausen gewöhnen. Zu elementar sind hier die Naturkräfte am Wirken. Nur die Seeleute da draußen, die erleben es noch intensiver. Habe einen Mordsrespekt vor denen, die da bei schwerem Wetter auf See sind.”
Sinnend unterbrach die “Landlady” ihren Schreibfluss und bei einer neuen Tasse Tee wandern ihre Gedanken zurück zu der Zeit, als sie hier ankam. Als für sie hier alles begann. “Ich war gerade 24, stand kurz vor meiner Magisterprüfung, so *Deutsche Sprache und Literatur* und im Nebenfach Philosophie. Da brauchte ich ein ruhiges Plätzchen um meine Arbeit abzuschließen, die Nebenfachprüfung vorzubereiten. Die im Reisebüro, die hatten mir geraten, es mal mit einer Hallig zu versuchen. Mehr Ruhe könnte ich nicht finden. Ha, hatten die eine Ahnung. Naja, sie konnten auch nicht voraussehen, was dann so passierte. Dass ich mich Knall und Fall in den Sohn des *Hauses*, in dem ich wohnte, verknallen würde. Liebe auf den ersten Blick war das. Danach kam eine turbulente Zeit. Prüfung abgeschlossen. Nach Norden aufgemacht mit Sack und Pack. Gott, war meine Familie geschockt. Das *Vorzeigemädel*, die angehende Akademikerin mit tollen Karrierechancen. Wollte plötzlich heiraten, einen Bauern! Kinder kriegen.Und das alles noch irgendwo im Nirgendwo. Aber ich wollte ihn, diesen großen, so liebvollen Wikinger. Einen richtigen Mann, ein *Brett*. Da konnte meine Mutter noch so jammern, der Vater noch sooo viele *Vernunftsgründe* anbringen. Mein Entschluss stand fest. Habe es nie bereut, Niemals. Habe mich durchgeboxt. Und die Eltern? Als die Enkelkinder da waren, da war alles vergessen. Ein Blick von den Kleinen, und die waren wie weggeschmolzen. Und meinen *Seebär*? Den fanden sie dann auch toll. Als sie merkten, dass er der *Richtige* für ihre *Supertochter* war”.
Liebvoll schaut sie auf sein gerahmtes Bild auf ihrem Schreibtisch und das Bild berührend murmelt sie: “Aber das sind alles Dinge, lange her, die für die Mädels nicht so interessant sind. Kann höchstens Erfahrungen weitergeben, kann ihnen vermitteln, wie wichtig es doch ist, sich nicht beirren zu lassen, gemeinsam stark zu sein”. Nachdenklich lässt sie No.5 wieder sanft den Raum erfüllen, und nach einem weiteren Schluck Tee beginnt sie weiterzuschreiben: “Aber wenn ich an Euren Karriereweg, an Euer Bemühen denke, so habt Ihr auch einige Stürme ausgestanden und wurdet auch tüchtig durchgeschüttelt. Habt Euch aber nicht brechen und nicht beirren lassen. Euer Zusammenhalt, Euer Zusammenwachsen, auch musikalisch. Einzigartig finde ich das. Ja, ich bin bestens informiert. Das OFC, die anderen Foren, ein Blog. Es gibt so viele Möglichkeiten mit den Gedanken bei Euch zu sein. Dabei bin ich ein “Spätfan”. Jemand der wirklich beschenkt wurde. Mit *Temptation*, an Weihnachten. Da war’s um mich geschehen. Diese, Eure wundervollen Stimmen….und dann noch die Popstarfolgen, nachträglich aus dem Netz gefischt. So wurde ich Euer Fan. Oh, Moment, eine Störung. Mein “Stofftier” stupst mich gerade. Er ist so lieb unser *Golden*, möchte mich daran erinnern dass es schon sooo spät ist, sollte schlafen gehen. Mich zu meinem “Seebär” (meinem *Brett*) begeben. Und so möchte ich schließen, Euch nochmals ganz lieb grüßen. Aus dem hohen Norden grüßen, da wo Eure Stimmen auch zu Hause sind. Euer *Inselfan*”.
Nun kennen wir ihn auch, den “Hallig”-Brief an die Mädels. Und wir haben noch viel mehr gesehen. So viel mehr. Viel Stoff für eine “Traumzeit”. Für Eure Traumzeit, die beginnt, wenn ihr jetzt einschläft und träumt, und träumt….
Schnüff, schnüff. Da ist es wieder. Das Geräusch. Hatte ich schon mal gehört, damals als ich die letzte Geschichte schrieb. Blitzschnell drehe ich mich um. Sehe gerade noch wie Statler sich die Augen tupft und schnell das Taschentuch wegsteckt. Das Riesen-Plakat hinter mir. Statler und Waldorf, die zwei Opas aus der Muppet Show, ganz groß in ihrer Loge. Schauen mir immer über die Schulter. Mit ihren krassen Sprüchen sollen sie helfen, dass der am Compu nicht total ausflippt, auf dem Boden bleibt. Aber was ist das? Statler und Walldorf haben feuchte Augen bekommen? Haben sich auch in die Mädels verliebt, sind auch Röschenfans geworden? Ich glaub’s nicht. Die!!! Naja, Unsere Mädels, die schaffen alle. Sagte ich schon.
Jodelkönig // 8. 10. 2007 um 19:43
• Monroe’s Declaration
Oktober 3rd, 2007 at 23:52
Eine “Gute-Nacht-Geschichte”, nur für euch. Seelenberuhigend und tagesausklingend.
Entspannt vor dem Compu sitzend, mit einem wohltuenden Tee den Abend genießend, da wandern so die Gedanken. Und diese “Wandergedanken” haben so ihre Eigenart. Sind oft sprunghaft, streifen viele Dinge, vom Tagesgeschehen bis zu längst Vergangenem. Um dann letztlich da hinzuschweben, wo man gerne ist ist, wo “Wohlklang” uns berührt, und viel Miteinander gelebt wird, bei den “Röschen” und ihrer “Family”. So fokusiert formulieren sich dann auch automatisch die Gedanken zu Fragen, ganz einfache, natürliche Fragen eines scheuen Fans. Was machen die Mädels gerade beruflich? Wie geht es ihnen? Hoffentlich geht es ihnen gut? Was geschieht in ihrem Umfeld? Machen auch alle das “Richtige” für sie? Und so zur “sorgenden Glucke” mutierend, möchte der Teegenießende sich mal wieder einem kompetentem Mitglied der Medienbranche zuwenden, in der Hoffnung sich dann besänftigt, beruhigt und wohlinformiert zur Ruhe betten zu können. Wenn ihr wollt, kommt doch mit. Mit lieber Gesellschaft reist es sich besser…..
So letzte Vorbereitungen, den Raum erweitern, ihr wißt ja…und die süffisanten Bermerkungen von den Zwei, an der Wand hinter mir, die überhören wir einfach: “Na, da gehen sie mal wieder, ziehen dahin, unsere Tastenritter der Tafelrunde. Röschen retten. Hahah. Vor dem bösen, feuerspeienden Media-Drachen. Ha, Hahaha.” Nervig, aber irgendwie liebenswert. Und wir sind auf dem Weg…..
Nun sind wir wieder in der großen, so wichtigen Stadt. Nicht im Banken-Medien-Viertel. Nein, eine erhöhende “Location” (schluck, PS6 färbt ab) ist unser Ziel, im nadeligen Turm der Stadt, genauer das schicke Restaurant auf dem stolzen Fernsehturm ganz oben, sich immerfort drehend. Elegant eingerichtet, die Tische direkt an den Fenstern und das alles in 182 Metern Höhe. Ganz “verzwergelt” schauen die Autos und Menschen da unten aus. Am Tage. Jetzt aber, am Abend ist alles ein großes Lichtermeer. Glitzernd und unwirklich. Entrückt sind wir, weit weg von dem lauten Getriebe da unten. Und diese “Entrücktheit”, das ist genau das, was unsere “Zwei”, der Medienschaffende und der Banker heute suchen. Warum sie sich dieses Restaurant ausgesucht haben. Auch einmal alles von einer anderen Warte aus betrachten. So von oben, eben entrückt.
Na, da kommen ja die Zwei. Elegant sportlich gekleidet. Flair ausstrahlend. Lässig sich umschauend. Der Ober bittet sie zu ihrem reservierten Tisch und fragt die Aperitiffrage. Gerne lassen sie sich verwöhnen. Ein “Martini Dry” für den Banker und ein “Kir Royal” für den Medianer. Und der betrachtet seinen Gegenüber nachdenklich: “Erstaunlich gut schaust du aus. Überhaupt nicht bekümmert, verhärmt und so am Hungertuch nagend.” “Warum denn das?”, kommt die mehr als erstaunte Antwort. “Na, wenn ich an euere Subprime-Krise, an eure Verluste denke. Das muß euch doch bis ins Mark treffen.” Der Banker, seinen Martini geschickt balancierend erwidert nachsichtig lächelnd: “Betrifft uns nicht. Wir haben uns drüben früh genug zurückgezogen, alles geschlossen und auch sonst alle *Strukturierte Kreditprodukte* (wow, wie er das so sagt) vorausschauend abgestoßen. Da haben andere ein Problem. Wir, na wir verdienen jetzt.” Zufrieden lehnt sich der Banker zurück, seinen Freund etwas neidisch denken lassend:” Immer das gleiche, diese Banker. Wie die Hütchenspieler, gewinnen immer.” Der Ober, ihre Hochfinanzbetrachtung unterbrechend, reicht ihnen die Menükarten. “Vielleicht haben sie schon bemerkt, wir haben heute *Fränkische Woche*, mit vielen Spezialitäten aus dem schönen Frankenland. Kann ich ihnen sehr empfehlen.” Er lächelt seinen Gästen professionell zu, die schöne Qual der Wahl entfesselnd und entfernt sich. Sie vertiefen sich, jeder in sein ledergebundenes Ungetüm und ringen mit sich, Gaumenfreude und gesunde Ernährung abwägend.
Da kommt dem Banker etwas in Sinn. “Oh, hätte ich fast vergessen. Du erwähntest am Telefon, daß du befördert worden bist. So zum Obermufti der Stimmen geworden bist?” “Jaja”, die Bestätigung kommt postwendend, stolz. “Habe nun die Abteilung für “Music Direction & Strategy” übernommen. Tolle Sache. Und meinen Vorgänger, den haben sie gefeuert. Hatte sich zu sehr in die falsche Richtung orientiert, da wo Engel keine sind.” Lobend gratuliert der Banker seinem Freund und meint: “Darauf müssen wir nach dem Essen noch mit einem besonderen Glas anstoßen, das muß gefeiert werden. Und was machst du nun anders, was unternimmst du als erstes?” Bei dieser Frage legt er die Menuekarte auf die Seite und betrachtet neugierig den “Aufgestiegenen”. Aber der war noch nicht soweit. “Äh, was hältst du von dem *Aischgründer Spiegelkarpfen*, ist das was?” “Kann ich dir empfehlen. Als wir ankamen. Da servierte die Bedienung gerade einem Gast diesen Karpfen, schön gebacken. Und so gekrümmt, wie er auf dem Teller lag, dann muß er ganz frisch sein.” Wow, ein Gourmet, unser Banker, einer der sich auskennt. “O.K., entschieden, heute mal keine Bratwürste. Und jetzt zu deiner Frage. Tja, die zukünftige Strategie der Abteilung, die neue Ausrichtung. Da geht es ja vor allem um die Mädels. Sind dir ja voll bekannt. Und das neue Album. Das hast du ja auch schon. Es scheint zu gefallen, kommt gut an, jetzt schon auf Chartplatz *Zwei*. Wir erwarten ein erfolgreiche *Schürzenphase*. Ich finde es voll geil, vor allem die Liedmischung mit sanften Balladen und Mid-Tempo Stücken.” Bei der Erwähnung des Jugendwortes zeigt diesmal der Banker keine Reaktion mehr. Mhmm, scheint in der Jetztzeit angekommen zu sein.
Auch unterbricht sie nun der Ober, nimmt ihre Bestellung auf und berät sie bei den Getränken. Sie entscheiden sich für einen Frankenwein, einen Ipfhöfer Silvaner, der von der Bedienung auch gleich serviert wird. Den Wein genießend, lobend seinen Duft einatmend, nicken sich die beiden entspannt zu und der Medianer fährt etwas zögerlich fort: “Tja, das Album, sehr schöne Lieder, ein guter Schritt vorwärts. Eine Weiterentwicklung. Zeigt die Vielseitigkeit der Mädels sicherlich. Aber was ich gerne möchte”, versunken, nachdenklich betrachtet er das funkelnde Weinglas. “Was meine Überlegung so ist. Mein Denken zur Strategie. Ich möchte mehr Wiedererkennung haben. Dieses, *Ich hör das Lied und weiß es sind die Mädels!* Verstehst du?” “Mhmm, du denkst an das Besondere, an das Einmalige. Was sie so auszeichnet. Vom Mainstream unterscheidet”, unterstützt ihn der Banker. “Ja, habe mit vielen darüber diskutiert, habe auch viel gelesen was die Fans so schreiben, jung und älter. Es sind die Stimmen, ihre Ausstrahlung sicherlich. Aber die Stimmen. Das ist das wirklich Besondere. Da sollten wir mehr tun bei den Liedern. Diese wohlklingenden Stimmen, einzeln sollen sie überaus glänzen, beim mehrstimmige Singen, beim Zusammenklingen, sollen sie strahlen. Es ist das stimmliche *Zusammenfinden* und das sich wieder *Vereinzeln*. Das ist so einmalig bei ihnen. Das, genau das sollten wir mehr herausarbeiten. Wir sind auf dem dem Weg. Aber da gibt es noch einiges. Die Stimmen dürfen nicht untergehen, durch zuviel drumherum. Egal, ob Ballade oder schneller Song. Es darf da keine Verfremdungen geben. Keine Stimmwandlungen, die so gar nicht gesungen werden können und dann Live die Lieder so viel anders klingen lassen. Du glaubst gar nicht, was die in den Tonstudios heute für Möglichkeiten haben. So mit Musik-Software, wie Melodyne. Unglaublich. Da muss man bremsen. Die Richtung vorgeben. Meine Aufgabe nun. Und es scheint doch sooo einfach.” Bekräftigend nickt er. “Da hat man drei tolle Sängerinnen, die musikalisch total harmonieren (oh, auch sonst und überhaupt) und man muss sie nur singen lassen. Ja, voll schön singen lassen. Ihre Stimmen wohlklingen, leuchten lassen. Einfach, so einfach ist das. Aber diese Musikindustrie. Wenn die so weitermacht, weiß bald keiner mehr, wie ihre Stars sich eigentlich in Natura anhören. Live-Singen kommt dann auch nicht mehr vor. Naja, vielleicht noch bei den AOL-Sessions. Sicher, es gibt Auftritte, da braucht man Playback. Schlechte Akustik, Sicherheit. Und die Dreien überzeugen immer, Playback oder Live. Aber das sollten Ausnahmen bleiben. Die Künstler sollten nicht zu Schauspieler werden, die, außer einmal im Tonstudio, die Basistöne liefernd, bei den Konzerten nur den Mund bewegen und eine Choreo abliefern. Das möchte ich nicht haben. So nicht. Ich hoffe, dass ich mich mit meiner Strategie, meinen Vorstellungen durchsetzen kann. Hoffe es sehr!” Damit endet unser engagierter Medianer und wendet sich nun freundlich der Bedienung zu, die gerade die mit Sahnehäubchen verzierte Vorspeisen serviert. Waldpilzcremesuppe für den Banker und Kürbiscremesuppe für ihn. Die Pilze und der Kürbis, natürlich aus Franken. Und Bio, wie der Ober ihnen erklärt und ihnen einen “Guten Appetit” wünscht – Wein nachschenkend.
Aber dieses Bio. Das hat eingeschlagen, bei dem “Waldpilzgenießenden”. “Da hätte ich eine Idee”, meint er, zwischen zwei Löffel Suppe. “Wenn es doch so eine deutliche Unterscheidung bei den Nahrungsmitteln gibt. So *Mainstream*-Produkte und Bio-Ware. Zwischen viel Künstlichem und Naturerzeugtem. Und wenn man nun diese Unterscheidung auch auf die Musik-Produkte anwendet. So *Bio-Stimmen*, *Natur-Stimmen-Musik* besonders durch ein Label, ein Gütesiegel hervorhebt. Es müssten natürlich bestimmte *Standards* definiert werden. Aber wäre das nicht eine Möglichkeit, deine Vorstellungen von dem *Musikschaffen* offensichtlich zu machen?” “Hmm”, kommt es da nachdenklich von dem Medianer, der den ausgelöffelten Teller mit einem Stück Weißbrot von allen Suppenresten befreit (hat er eine Katze?). “Hmm, so ein Gütezeichenaufdruck, quer über das Album, mit der Aufschrift *Organic Voices* oder *Natural Produced Music*, vielleicht noch ein Tag, ein Sticker mit *Artgerechte Musikerzeugung* darauf?” Sein Gegenüber nun sehr erheitert: “Naja, noch zusätzlich am Rand der CD ein grüner Violinschlüssel als Öko-Zeichen und die *Authentic Music of Magic Quality*-Ansage aufgedruckt, das wären doch klare Hinweise für den Käufer, dass er garantiert einen *Ohrenschmeichler* bekommt. Dies noch entsprechend vermarktet, verbraucherbewust eingebracht natürlich, und bei VIVA dann immer ein Vorspann, so *Diese Musik schadet ihren Ohren garantiert nicht, weil Natur*, könnte das nicht weiterhelfen? Denk doch mal darüber nach….”
Leider unterbricht die Sevierdame das heftige *Brainstorming*, diesen kreativen Findeakt der Zweien. Es wird die Hauptspeise aufgetragen. Dem Medianer der Karpfen (gekrümmt frisch) und dem Banker seine fränkischen *Blauen Zipfel*, in Essigsud gegarte Bratwürste mit vielen Zwiebelringen. Hungrig gehen die beiden den Schmaus an und nicken zustimmend, als der Ober ihnen noch begleitend einen “Bremser”, einen “Erststufen-gegärten” Traubenmost empfiehlt. Von vielen “Ahs” und “Mhmms” begleitend genießen sie ihre Schmankerl und vergessen auch nicht den romantischen Blick auf die nächtliche Stadt. Zweimal haben sie sich schon gedreht, Panorama pur. Nachdem der Medianer alle Gefahren einer Fischmahlzeit heil überstanden hat (dicke Gräten) und auch sein Gegenüber sich satt und zufrieden zurücklehnt, wird abgeräumt und der gewünschte Kaffee serviert, dazu gibt es süße, in Fett gebratene “Küchla”, ein leckeres, pudergezuckertes Hefeteiggebäck, auch “Knieküchle” genannt. So wundervoll umsorgt, wenden sie sich wieder ihrem Thema zu. “Wie läuft es eigentlich sonst so bei euch? So hinter den Kulissen. Bei Organisation und Kommunikation?”, fragt der Banker. “Oh, gute Frage”, meint der Freund. “Finanziell gar nicht so schlecht. Aber bei den zwei Punkten, da wird’s schwieriger, komplizierter. Langfristig erfolgreich sein, das ist wohl erreicht, das tut gut, dafür haben die Mädels hart, sehr hart gearbeitet. Aber Erfolg bedeutet für uns, da kommen nun ganz andere *Player*, ganz andere große Macher ins Spiel. Da sind nun *Einige* aufmerksam geworden, man muß sagen *endlich* – wollen aber nun mitreden. Wird nicht einfach werden, alles fließt, verändert sich. Neue Strukturen entstehen. Ich hoffe, dass nicht wieder neue Fehler gemacht werden. Es gibt doch Experten für Kommunikation, auch bei den Fans. Habe da einiges an Vorschläge gelesen. Man sollte *Solches* beachten. Aber ist nicht meine Aufgabe. Wie gesagt, neue *Player*. Mehr kann, mehr darf ich nicht sagen. Vielleicht beim nächsten mal. Wenn alles mehr klarer, offensichtlicher geworden ist.” “Jaja, verstehe”, meint der Banker nachdenklich. Ihm war klar, sein Freund will sich da heraushalten. Wenn die Großen mahlen, da kann man schnell mitgemahlen werden. Und so gibt er dem netten Ober ein Zeichen, bittet um die Rechnung. Dann zwinkert er dem Medianer zu: “Wir sollten uns zur Bar begeben, deine Beförderung ausgiebig begießen”. “Oh, gute Idee. Und du, sag mal, wie läuft es eigentlich bei dir mit der Blonden…..?” Oh, ich glaube weiteres Zuhören ist nicht mehr sehr informativ. Höchstens für Boulevard-Schreiber. Wenn zwei ungebundene, erfolgreiche Junggesellen, die die ganze Stadt als ihr “Jagdgebiet” betrachten von den Themen Beruf und Karriere auf das wirklich wichtige “Thema” überschwenken, dann sollten wir uns besser zurückziehen…..
Und so kommen wir zurück und werden prompt von zwei Stimmen empfangen: “Na, euch glühen ja ganz schön die Ohren.” “Und ganz große Augen habt ihr bekommen, von all dem Staunen, was es da so gab. Ha,ha,ha….”. “Grrr, grrr”, einfach nicht beachten. Die sind ja nur neidisch, weil sie nicht wissen, wie gut wir wieder das Musik-Business kennengelernt haben. Und wie beruhigt wir Schlafen gehen können. Schön träumen können. Unsere Engel sind doch in guten Händen. Da kann nichts mehr schief gehen!
Jodelkönig // 7. 11. 2007 um 9:37
Monroe’s Declaration
November 6th, 2007 at 22:45 ·
Ich würde mich sehr freuen, wenn euch diese Geschichte gefällt. Bei Jodler muss ich mich für die vielen Vorgaben bedanken. Ohne ihre Recherchen wäre das nie möglich gewesen.
Und es ist erst der “Erste Teil”. Denn da gibt es noch viel zu erzählen. Aber der zweite Teil wird etwas dauern, da ich viel unterwegs bin und wenig Zeit zum Schreiben habe. Aber lasst euch überraschen.
Eine “Gute-Nacht-Geschichte” für euch. Als Tagesausklang. Entführend und die Mühen des Tages hinwegschiebend. Soll viel “Ruhe für die Nacht” vermitteln und euch zum Träumen anregen. Und es soll eine Brücke geschlagen werden, Bezug hergestellt werden – von den Mädels zu euch, den liebvollen, sich stets sorgenden Fans. Denn immer ist solch eine Geschichte auch eine “Hommage” an unsere Röschen. Und wenn ihr jemanden habt, der sie euch vorliest, dann könntet ihr schon im Bett liegen, ganz entspannt; und den Worten lauschend eurer Phantasie freien Raum lassen. Euch ausmalen, wie die Geschichts-Figuren wirklich aussehen, die Lebensräume einrichten, so wie es euch gefällt und die alles nach euren Vorstellungen formen. Auch Atmosphäre empfinden und damit Bilder erzeugen, die jenseits meiner Worte liegen. Die nur euch gehören. Und so zu eurer ganz privaten Brücke zu den Mädels werden.
Heute möchte ich ein Märchen erzählen. Ein “Kunstmärchen”. Ein selbst geschaffenes Märchen, das sich in Stil und Form an die “Volksmärchen” anlehnt und natürlich durch das gewählte Thema viele Metaphern enthält. Es sollte ein vorlautes, freches Märchen werden. Mehr ein satirisches Märchen. Aber Märchen haben so ihre eigene Gesetzte. Sprachlich und thematisch. Und so verändern sich beim Schreiben viele Gedankenbilder und lassen alles viel irrationaler werden. Das Märchen selbst wandelt den Erzähler. Es wird alles so viel “märchenhafter” und phantastischer, mehr als er es sich je vorgestellt hat. Die Charaktere und die Sprache bekommen ein Eigenleben. Viel, viel mehr, als beabsichtigt. Und so hört selbst, was nun daraus geworden ist….
Es war einmal ein kleines Völkchen, das lebte glücklich in einem fruchtbaren und schönen Stück Land. Und zu dem Völkchen gehörte auch eine Königsfamilie. “Krone” und “Krönchen”, genannt. Von den Leuten. Hochadelig wurden sie als “von Sonnenschau” betitelt. Und so absolut sie herrschten, waren sie doch tributpflichtig. Einem großen, benachbarten Königreich. Sooo mächtig und schlimm einflussreich.
Das Völkchen und seine Königsfamilie hatten eine Leidenschaft. Das Aufsingen. Überall wurde aufgesungen. In den Familien, in Singversammlungen und auch am Königshof. Besonders beliebt waren die “Wohlklanghäuschen”. Runde Fachwerksbauten mit einem Singplatz im überdachten Innenhof und mehrstöckigen Galerien, damit viele Menschen ein Singerlebnis haben konnten. Diese Singerlebnisse waren gegeben durch das Aufsingen von Singlingen örtlicher Singvereine und das Fremdsingen von reisenden Singleuten. Auch gab es kleine Läden, in denen wurden kleine, verzauberte Singscheibchen verkauft. Dünne, runde Kupferscheibchen mit geheimnisvollen Zauber-Runen darauf, die immer, wenn sie auf einer Drehmechanik aufliegend gedreht wurden, ein Singelchen ertönen ließen. In hoher Qualität und vielmal. Dafür standen die Singzauberer gerade, die in kleinen Werkstätten die Singscheibchen anfertigten. Diese Singscheibchen waren bei dem Völkchen sehr beliebt und die Singelchen wurden überall liebvoll nachgeträllert. Dass man dann auch alles über die geliebte, geherzte Singfrau oder über den schnuckeligen Singmann wissen wollte, war dann ganz natürlich. Und so gab es auch sehr wichtige, bebilderte Singdrucke, mit tollen Geschichten über die Singleute. Natürlich wahre, mhmm, meistens wahre Geschichten. Manchmal doch ein bisschen übertrieben, aber immer sooo schön zu lesen. Von hingebungsvollen Singdruckern verfasst und kunstvoll mit Bleilettern und Kupferstichen auf Papier gedruckt.
Begabte und berühmte Singleute wurden auch in das große Königreich eingeladen um ein Singerlebnis vorzutragen. Das war immer etwas Besonderes, Ehrenhaftes. Und wichtig für den Viel-Verkauf der Singscheibchen. Dabei fanden die Singleute eines sehr merkwürdig. Beim Aufsingen wurde immer ein Singscheibchen verwendet und die Singleute mimten nur. Dies wurde da Spielsingen genannt. Wichtig war dabei das exakte Starten und Drehen des Singscheibchens. So das Ton und Mimik übereinstimmten. Dies musste von erfahrenen Leuten gemacht werden, von wichtigen Leuten, die man Singtäuscher nannte. Das Spielsingen im großen Königreich wurde eingeführt, weil so viele fremde Singzauberer – auch Praki-Zauberer genannt – sooo schlecht zauberten und damit die Singelchen sich dann ganz anders anhörten, als sie von den Singleuten beim Erst-Singzauber aufgesungen wurden. Und wenn sich danach das große Volk an die Singscheibchen mit den schlimm veränderten Singelchen gewöhnt hatte, dann ging bei den Singerlebnissen im großen Königreich ohne das Spielsingen gar nichts mehr. Daraus ergab sich dann auch, dass oft schöngezaubert wurde. So konnte man mit schluchzenden Wenigkosten-Aufsingern noch ein Schön-Singelchen herausbringen. Besonders schlimm waren die Mix-Zauberer. Sie machten aus ihrer Unfähigkeit noch ein Geschäft und zauberten grundsätzlich total veränderte Singelchen, die keiner der Singleute mehr aufsingen konnten. Und wenn jedes einzelne Singelchen dann auch noch anders klang, dann, ja dann erklärten sie den verdutzten Leuten, es sei Kunst.
Von diesem Spielsingen hielt das kleine Völkchen überhaupt nichts. Wehe, die Singleute verwendeten Singscheibchen beim Aufsingen in den Wohlklanghäuschen. Und wehe, ihr Aufsingen und auch die begleitenden Naturtöner klangen anders, als bei den verkauften Singscheibchen. Dann wurden die Singleute ausgebuht und mussten schnell weiterziehen. Singquäler war noch das geringste Schimpfwort, dass sie erdulden mussten. Und schlimm, ganz schlimm wurde es, wenn sich so ein Praki-Zauberer oder Mix-Zauberer ins Land des kleinen Völkchens verirrte oder abgesandt wurde. Dann war ein Volksaufstand des kleinen Völkchens fast nicht zu vermeiden und “Krone” und “Krönchen” mussten eingreifen und diese Zauberer schnell außer Landes schaffen.
Bei der Begeisterung des kleinen Völkchens für das Aufsingen war es ganz natürlich, dass es auch ein Wettbewerb gab, um die besten Singleute auszuwählen. Und so wurde jedes Jahr, von jedem Dorf, jeder Stadt und jedem Volksteil besonders begabte junge Singlinge in das große Wohlklanghäuschen der Völkchen-Hauptstadt entsandt, um die besten zwanzig Neusinger für die Aufsing-Übungswochen des Wettbewerbs auszuwählen. Oh, war das immer ein buntes Bild, ein wahres Volksfest, wenn die festlich geschmückten Singlinge in die Stadt einzogen und auf einem großen Platz, neben dem Sing-Haus, ihre bunt geschmückten, fähnchenverzierten Zelte aufbauten. Da wurde bis in die späte Nacht gelacht, getanzt und natürlich viel aufgesungen. So allerletztes Probieren, Verbessern, bevor man sein eingeübtes Singelchen den Auswählern zum Besten gab.
In diesem, bestimmten Jahr sollte wieder, wie vor vielen Jahren, aus den zwanzig Neusingern fünf Singmädchen ausgewählt werden. Mit einem großen, finalen Singerlebnis. Und dies nach acht harten Wochen im Übungs- und Vorbereitungshaus, dem prächtigen Sing-Haus. Dabei mußte jede Woche, nach dem wöchentlichen Auswahl-Singerlebnis im großen Wohlklanghäuschen, ein oder zwei Neusinger den Wettbewerb verlassen, denn nur acht Singmädchen sollten beim finalen Aufsingen antreten. Die Auswähler aus dem Sing-Haus hatten es so verkündet. Und das kleine Völkchen wusste natürlich, wer das so bestimmt hatte. Wer immer alles bestimmte. Das Super-Amt für Sing- und Schluchz-Angelegenheiten im großen Königreich. Kurz SASSA genannt. Und da hatte der der Sing-Amtsleiter, der große Oberzauberer das Sagen, der von den Leuten spöttisch “Tausendsassa” genannt wurde. Dieser mächtige “Tausendsassa” war es auch, der vor vielen Jahren machtvoll den Sing-Wettbewerb des kleinen Völkchens neu ausgerichtet hatte und das Sing-Haus gründen ließ. Damit der Sing-Wettbewerb nicht nur zur Erbauung des kleinen Völkchens da war, sondern auch dem großen Königreich mehr Tribut-Taler einbringen sollte. Viele, viele Taler hatten dabei von dem kleinen Völkchen zu “Krone” und “Krönchen” zu fließen. Abgezweigt von den Einnahmen des Wettbewerbs, von den Singdruckern, den Singscheibchenzauberer und dem Veranstalter der Viel-Stadt-Singerlebnisse.
Nach den Auswahltagen wurden die zwanzig Singmädchen feierlich zu dem festlich geschmückten, Sing-Haus geleitet und dann von den Auswählern im Rahmen einer Feier den Vertretern des kleinen Völkchens, den Hofbeamten und den Singdruckern vorgestellt. Einer der eingeladenen Singdrucker beschrieb dabei die Auswähler sehr kenntnisreich: “Der große, beeindruckende Mann ist für die Aufsing-begleitenden Bewegungen zuständig. Ein sehr geschmeidiger Schrittchen- und Körperbiege-Lehrer. Der kleine Mann ist der Sagenhabe-Mann für eine ganze Truppe von Aufsinglehrern, auch Tonleiterhüpfer und Kehlchenpfleger genannt. Und der dritte Auswähler ist eine ehemalige, sehr erfolgreiche Singfrau. Sehr exzentrisch. Bunt und wild. Sie ist vor allem für die Gutbenimm, Sprechfrei und Leben-danach-Übungen zuständig. Und hat die richtigen, tröstenden Worte zu finden, wenn wieder einmal ein Singmädchen das Sing-Haus verlassen muss”.
Natürlich waren bei dieser Feier auch interessiert beobachtende SASSA-Vertreter anwesend und dann noch eine finstere, schwarz gekleidete Gestalt, der man respektvoll, ja angstvoll aus dem Weg ging. Ein böser Zauberer, “Bulwar” heißend. Der Sagenhabe-Mann einer schrecklich machtvollen Singdruckfamilie. Und jeder wusste, dass seine Singdrucker nun ausschwärmen, um all die kleinen Sünden der Neusinger herauszufinden. Und wehe, sie fanden etwas. Das wurde dann total ausgeschmückt dem kleinen Völkchen präsentiert. Und wehe, da gab es angeblich etwas ganz Schlimmes. Dann hatte das unglückliche Singmädchen sehr zu leiden. Aber das Schlimmste war, wenn sie gar nichts fanden. Dann wurden sie ganz wütend und erfanden einfach etwas. Das war dann ganz schwierig wieder aus der Welt zu schaffen, denn viele Singdrucker schrieben einfach nach. Und machten so aus Unwahrheit eine schlimme Wahrheit.
Nach einigen Wochen und vielen tränennassen Singdruckfolgen später, geschah etwas unerwartetes, etwas, das alles veränderte. Es begann damit, dass die Auswähler im Sing-Haus von “Krone” und “Krönchen” einen Brief erhielten. Einen Brief, der sie informierte, dass die “Erstlinge”, die ersten fünf Singmädchen des Wettbewerbs, sich wieder zusammengefunden hatten und wieder mit neuen Singelchen in vielen Wohlklanghäuschen auftreten wollten. So wie früher. Erfolgreich und bisher unerreicht. Und sie hofften, auch als Singfrauen, wieder viele, viele Singscheibchen verkaufen zu können. Viel mehr, als von den neuen Singmädchen des Wettbewerbs zu erwarten war. Und so stand in dem Brief auch, dass die “Erstlinge” wieder von “Tausendsassa” unterstützt wurden und mit “Bulwar” einen Verkündigungs-Handel für ihre Rückkehr abgeschlossen hatten. Auf das in vielen Singdrucken wieder über sie geschrieben wird, lobend und viel informierend. Oh, das war sicher keine so gute Nachricht für die neuen Singmädchen, denn ohne die volle Aufmerksamkeit der Singdrucker würden sie es sehr schwer haben. Aber es kam noch schlimmer. So lasen die Auswähler, dass “Krone” und “Krönchen” von “Tausendsassa” den eindringlichen “Wunsch” erhalten hatten, dafür zu sorgen, dass diesmal nur drei Singmädchen ausgewählt werden durften. Und die sollten nach dem finalen Singerlebnis auch nicht auf die große Viel-Stadt-Reise gehen, sondern sollten nur in kleinen “Klanghäuschen” aufsingen dürfen, irgendwo im Land. Den Auswählern war sofort klar, dass damit jeder Vergleich mit den “Erstlingen” vermieden werden sollte und auch sonst nur das “Wiederkommen” für das kleine Völkchen wichtig sein sollte. Nicht nur die Auswähler waren entsetzt, auch “Krone” und “Krönchen” waren sehr ungehalten. Vor allem, weil der zu erwartende “Talerregen” an ihnen vorbeifließen und direkt an die “Erstlinge” und an “Tausendsassa” gehen sollte.
Blass geworden und ratlos sahen sich die Auswähler an. Soviel hatten sie schon vorbereitet. Nun mussten völlig neue Singelchen bei den Singdenkern und Notensuchern bestellt werden. Und für das Einüben von neuen, ausdruckstarken Aufsing-begleitenden Bewegungen, dem komplizierten Schrittchenmachen und Körperbiegen war keine Zeit mehr. Das war nun nicht mehr wichtig. Und somit hatten einige Singmädchen, die vor allem darin gut waren, ein Problem. Jetzt blieb nur noch, drei Singmädchen den Wettbewerb gewinnen zu lassen, die beim Aufsingen total überzeugen konnten. Nur dann konnten sie in den “Klanghäuschen” bestehen und vielleicht, ja vielleicht gab es dann doch noch einen Weg zu den Wohlklanghäuschen der großen Städte. So dachte und hoffte vor allem der kleine Mann, der für das Aufsingen der Neusinger verantwortlich war. Eine hektische Zeit begann für alle Beteiligten und nach dem festlichen, finalen Aufsingen im großen Wohlklanghäuschen, in Anwesenheit von “Krone” und “Krönchen”, ihrem Hofstaat und vielen begeisterten Singherzer waren die Gewinner des Singwettbewerbs gekürt. Drei wunderschöne Singmädchen von großer Anmut und von Herzen kommender Ausstrahlung. So berührend war das entscheidende Singerlebnis von ihnen dargeboten worden, dass sowohl “Krone” und “Krönchen” als auch viele Singherzer feuchte Augen bekamen. So überaus schön hatten sie aufgesungen. Und waren so über sich hinausgewachsen. Das hatte sogar die Auswähler total überrascht. So überrascht, dass sie ganz ungläubig schauten, was sich da getan hatte. Was sie eigentlich ausgewählt hatten. Wahre Engel.
Oh, ich glaube mit dem ersten Teil des großen Singmädchen-Märchens ist es für heute genug. Und das leise, schläfrige Gemurmel hinter mir von Statler & Waldorf mit: “So ein Märchenonkel, das ist ja zum Einschlafen”, ignorieren wir einfach. Schlaft schön heute und träumt von einem kleinen Völkchen…..
“Märchen-Begriffe”:
Wohlklanghäuschen – Konzerthalle, Konzerthaus
Singplatz – Bühne
Singerlebnis – Konzert, Liedvortrag
Aufsingen – Singen, Gesangsvortrag
Singling, Singlinge (pl) – Lokale Sänger(in), auch junge, unerfahrene Sänger(innen)
Singleute – reisende Sänger(innen)
Fremdsingen – Konzert von Singleuten
Singscheibchen – Tonträger
Singelchen – Lied
Singzauberer – Zauberer, die Singbriefchen herstellen
Singfrau, Singmädchen – Sängerin
Singmann – Sänger
Singdruck – Musikzeitung
Spielsingen – Playback-Singen
Singtäuscher – DJ, Disk Jockey
Praki-Zauberer – Zauberer in der Ausbildung, schlechte Zauberer
Erst-Singzauber – Aufnahme im Tonstudio
Mix-Zauber – Professionelle Falsch-Zauberer
Naturtöner – Musikinstrument
Singquäler – Falschsinger(innen)
Neusinger – Castingteilnehmer
Auswähler – Juroren
Singgruppe – Band
Sagenhabe-Mann – Chef
Klanghäuschen – Clubs, Bars
Singdenker – Lyriker
Notensucher – Komponist
Singherzer – Fans
Jodelkönig // 6. 12. 2007 um 8:33
Monroe’s Declaration
5. 12. 2007 at 22:14 · Bearbeiten
Trauriges, tragisches lese ich hier im Blog. Da möchte man etwas tun. Etwas was tröstet – sie tröstet und uns auch. Vielleicht kann ich mit einer Geschichte etwas bewirken. Hoffe ich……
Heulend, wehend, hastet der Wind um das Haus, die letzten, dürren Blätter mit sich tragend. Große, kalte Tropfen prüfen das Fensterglas. Der Abend wird zur Nacht. Ungemütlich, wie die Dunkelheit hereinschaut. So schließt man fröstelnd die Vorhänge, sperrt aus, was uns den Winter ahnen lässt. Und eine heiße, voll duftende Teetasse fest umschlingend, begibt man sich zu seinem warmen, heimeligen Lieblingsplätzchen und lässt sich gerne überaus verwöhnen, von wohlklingender Röschen-Musik und auch sonst – nach einem langen, anstrengenden Tag.
Zum Verwöhnen könnte aber auch gehören, dass man auch eine Geschichte erzählt bekommt, eine „Gute-Nacht-Geschichte“. Und mit so einem tröstlichen „Tagschwindeerlebnis“ möchte ich euch nun gerne erfreuen, euch zum Träumen bringen – mit dem zweiten Teil des Singmädchen-Märchens.
Im ersten Teil gab es noch viel Einleitendes zu erzählen: Wie das so war im kleinen Königreich von „Krone“ und „Krönchen“. Wie das kleine Völkchen das Aufsingen liebte. Was es mit dem Sing-Wettbewerb auf sich hatte. Wie sich alles so entwickelte und wer da alles mitlebte – die „Guten“ und die „Nicht-so-Guten“. Und wie die drei neuen Singmädchen gekürt wurden.
Der zweite Teil führt nun unsere Singmädchen mit ihrer ersten Singreise zu den Menschen im Land des kleinen Völkchens. Sie werden zu Singleuten und bringen Singerlebnisse zu den Klanghäuschen der kleinen Städte. Sie haben es nicht leicht, und eine herausfordernde Zeit beginnt für sie, aber wie „Kennie“ richtig bemerkte:“ Die neuen Singmädchen sind aber stark“
Singmädchen-Märchen Teil 2:
Ein klarer, kalter Wintermorgen. Die Sonne, gerade wieder erscheinend, Hügel überwindend, beleuchtete schon mit erstem Strahlen den von Rauhreif überzogenen Platz vor dem prächtigen Sing-Haus. Zwei große, dunkelrot bemalte, mit dem Zeichen des kleinen Königreiches verzierte und mit je vier schönen, starken Pferden bespannte Reisekutschen standen vor dem Hauptportal des Sing-Hauses. Alles eingehüllt von dem gefrierenden Atem der geduldig wartenden Pferde. Geschäftig inspizierten die, in dicke Schafs-Pelze gekleideten Kutscher noch einmal die Bespannung und die Wärmedecken der Pferde. Aus der hinteren Kutsche erklangen aufgeregte Stimmen und an dem frei gehauchten Kutschenfenster konnte man Gesichter sehen, die erwartungsvoll zum Hauptportal des Sing-Hauses schauten. Es waren die Reiseteilnehmer der Singmädchen. Der Sing-Helfer, das Schönkleid-Nähmädchen und die Schönschau-Dame.
Da öffnete sich die Portaltür und vier junge, strahlend schöne Mädchen, eingehüllt in weiße, warme Eisfuchspelze, traten heraus, gefolgt von den Auswählern des Sing-Hauses und einigen etwas verschlafen aussehenden Singdruckern. Ein letztes Umarmen mit Abschiedstränen und mit vielen Gute-Reise-Worten, dann begaben sich die Mädchen – die drei neuen Singmädchen und ihre Begleiterin, eine Hofdame von „Krönchen“ – in die vordere Kutsche. Kommandos ertönten, die Pferde zogen an und unter vielem Winken und Rufen setzte sich die kleine Reisegruppe in Bewegung.
Nachdem sich die Kutschen entfernt hatten, begaben sich die „Abschiedgenommenen“ zurück ins Sing-Haus, Wärme suchend und nachdenklich diskutierend. Sie wussten, für die Reise der Singmädchen hätten es eigentlich vier Kutschen sein sollen, ein richtiger Singleute-Troß, mit Naturtonbegleitern und Sing-Begleiterinnen. Aber die Mittel für die neuen Singmädchen waren von „Tausendsassa“ sehr begrenzt worden. So hatten sie ihnen für das Aufsingen ihrer neuen Singelchen nur Leer-Singscheibchen mit den Naturtönern zur Aufsingbegleitung mitgeben können. Und wenn nicht „Krönchen“ die Singmädchen mit Mitteln aus ihrer privaten Schatulle unterstützt hätte, so wäre eine Reisebegleitung kaum möglich gewesen und es wären Reiseausrüstung und Reisemittel sehr karg ausgefallen.
Am Stadttor trafen die Kutschen auf zwei wartende Reiter, die Singmädchen-Schützer. Zwei besonders ausgewählte Ritter von „Krone“ und „Krönchens“ Hofgarde. Diese hochgewachsenen, kräftigen Gestalten, in knielangen Halbkreismäntel aus Wolfsfell gehüllt und mit Reitschwertern bewaffnet, gaben auf ihren hohen, mit dunkelroten Umhängen bedeckten Streitrössern ein imposantes Bild ab. Da würde es kein Bösewicht wagen, ihren Schützlingen zu nahe zu kommen. Die Ritter führten auch noch je ein Packpferd mit sich. Da waren neben Kettenhemden und Streitaxt vor allem Speere, Langbogen und ein Reflexbogen mit vielen Pfeilen auf den Packtaschen schnell zugänglich angebracht. Alles abgedeckt von einer leichten Pferdedecke und so neugierigen Blicken entzogen.
Sich nun sicher fühlend, gab die Hofdame als Leiterin der Reisegruppe dem Kutscher ein Zeichen und die Singreise der neuen Singmädchen konnte beginnen. Das erste Ziel würde eine kleine Stadt in den Bergen sein, einige Tagesreisen entfernt. Und so, die gerade erwachende Stadt hinter sich lassend, begaben sie sich auf die gut ausgebaute Landstraße, zogen durch leicht hügeliges Bauernland, an kleinen, verschlafenen Dörfern vorbei. Alles in ein strahlendes Licht getaucht. Das Licht eines beginnenden, wundervoll sonnigen Wintertages.
Die weiße, glitzernde Landschaft betrachtend und die heimelige Atmosphäre der warmen Kutsche genießend, begannen die Gedanken der Singmädchen zurückzuwandern, zu der Zeit nach dem finalen Aufsingen. An die ersten Wochen, als so viele mit ihnen sprechen wollten, sie kennen lernen wollten. Sie, die Siegerinnen des Sing-Wettbewerbes. Da kamen die Singdrucker, auch die „Bulwar“-Leute, Vertreter der Singzauberer und auch einige Singherzer, die schon neue Singmädchenfreu-Gruppen gegründet hatten. Es kamen Einladungen, an Feierlichkeiten bei Hofe teilzunehmen und bei vielen festlichen Anlässen in der Stadt aufzusingen.
Aber ein Singerlebnis war etwas ganz besonderes. Das große Jugendtreffen in dem großen Wohlklanghäuschen der Hauptstadt, wo sie zusammen mit vielen anderen jungen Singleuten aufsangen. Da wurden sie umjubelt, von vielen, vielen Singherzern. Mit unglaublichem Jubelkreischen. Sooo laut. Von den überglücklichen, sehr jungen Mädchen. Viele waren hinterher so heiser, dass noch Tage danach nur eine Verständigung mit Handzeichen möglich war. Wenn die Singmädchen daran dachten, dann wurde ihnen ganz warm ums Herz. Ihre Singherzer, ihre lieben, lieben Singherzer.
Aber es gab auch viel Arbeit um ihre neuen Singelchen nun bekannt zu machen. Dem kleinen Völkchen bekannt zu machen. Auf das sie viele, viele Singscheibchen kaufen würden. Und da war zuerst mal zum Herstellen der Singscheibchen sehr konzentriertes Aufsingen für das Erst-Singzaubern notwendig. Die Singzauberer waren da sehr genau. Alles musste wunderbar zusammenklingen, mit den Naturtonbegleitern und den Sing-Begleiterinnen. Ganz schlimm fanden die Singmädchen das stundenlange Ruhigstehen und Ruhigsitzen bei den Kupferstich-Bildkünstlern. Autsch, das war ziemlich anstrengend gewesen. Aber auch das musste sein. Denn die Singherzer wollten viele Bilder von ihnen. Schöne, gefühlsvolle Bilder. Die dann in den Sonderausgaben der Singdrucker zu finden waren und als Sinn-Bilder ihre neuen Singscheibchen schmücken sollten.
Und dann, wenige Tage vor Beginn der Reise, als sie sich schon von ihren Familien und Freunden verabschiedet hatten. Da hatte „Krönchen“ sie zu einer Audienz gebeten und ihnen ihre Reiseleiterin vorgestellt. Eine tüchtige, elegante junge Hofdame von „Krönchen“. Sie hatte in vielen Jahren – wie alle Hofdamen von „Krönchen“ – alle Wirtschaftsbereiche des Hofes kennen gelernt und war durch ihr außerordentliches Finanz- und Organisationstalent aufgefallen. Dies, und auch andere, besondere Gründe waren für „Krönchen“ wichtig gewesen bei der Auswahl der Reisebegleiterin. Sofort begeistert waren die Singmädchen von der charmanten und gewinnenden Art der Hofdame und schlossen sie auch gleich in ihr Herz.
Da, ein Handzeichen und ein scharfes Kommando erklang, die schläfrige Atmosphäre in der Kutsche aufhebend. Auch die Singmädchen wurden so aus ihren Gedanken gerissen. Die Kutschen kamen zum Stehen und die Singmädchen-Schützer wechselten einige Worte mit der Hofdame. Sie nickte und die Kutschen bogen von der Landstraße ab, wurden zu einem Wäldchen abseits der Straße geführt. So jeder Sicht entzogen, warteten sie. Die Hofdame informierte leise die Insassen beider Kutsche, von dem Verdacht der Schutzritter, dass sie verfolgt würden. Schon die ganze Zeit. Und richtig. Sie brauchten nicht lange zu warten, da rollte auf der Landstraße eine schwarze, mit vier Rappen bespannte Kutsche an dem Wäldchen vorbei. Ohne sie zu bemerken. An der Wagentür prangte ein rotes, verschlungenes „B“ und in der Kutsche konnten zwei schwarz gekleidete „Bulwar-Parazi“ ausgemacht werden. Oh, die schlimmsten Schreib-Singdrucker von „Bulwar“. Damit wurde allen eines bewusst. Die Leute von „Bulwar“ wollten ihr Reise beobachten. Sie begleiten. Das verhieß wirklich nichts Gutes. Denn diese Parazi waren selten gut schreibend. Und da war dann noch der Verkündigungs-Auftrag für „Bulwar“, die Rückkehr der „Erstlinge“ schreibend zu unterstützen. Da durften die neuen Singmädchen doch nicht so gut dastehen. Somit konnte man sich den Auftrag der „Bulwar-Parazi“ schon vorstellen. Lobeshymen für die neuen Singmädchen würde es bestimmt nicht geben. Im Gegenteil. Jedes Missgeschick, jedes Reiseproblem würde voll aufgebauscht und schlimm dargestellt werden. Das durfte nicht zugelassen werden. Und so schlugen die Schutzritter vor, den „Bulwar“-Leuten aus dem Weg zu gehen und nicht in der nächsten, vorgesehenen Poststationen an der Hauptstraße zu übernachten, sondern in dem Zuhause eines Freundes, einem abseits gelegenem Gutshof. Nach kurzer Beratung wurde das Angebot der Ritter angenommen und Kutschen setzten sich wieder in Bewegung.
Die Sonne war auf ihrem Himmelsbogen schon weit fortgeschritten, da verließen die Kutschen die Hauptstraße und folgten einem schmalen, sich windenden Fahrweg durch nun dicht bewaldetes Forstland. Nach dem Durchqueren des Waldgebietes öffnete sich vor ihnen ein großes Tal und sie konnten einen gepflegten, von einer hohen Steinmauer umschlossenen Gutshof erblicken. Einige Wirtschaftsgebäude waren um ein Herrenhaus gruppiert und von dem Torhäuschen erstreckte sich ein kleiner Park bis zum Mittelpunkt der Gutsanlage. Als sich die Kutschen dem Gutshof näherten, begann ein großes Lärmen der tierischen Wachtruppe. Hofhunde und Wachgänse machten die Bewohner auf die Reisegruppe aufmerksam. So wurden sie am Torhäuschen schon von dem Gutsherrn und einigen bewaffneten Knechten erwartet. Die abwartende Vorsicht wandelte sich sofort in große Freude, als die vorreitenden Schutzritter ihre Namen riefen und erkennbar wurden. Aber noch größer war die Freude, als bekannt wurde, dass dies die Reisegruppe mit den neuen Singmädchen war. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Neuigkeit unter allen Gutsbewohnern, und als die Kutschen bei dem Herrenhaus angekommen waren, da waren schon alle versammelt, um einen Blick auf die Singmädchen erhaschen zu können.
Müde, aber strahlend entstiegen die Singmädchen und ihre Begleitung den Kutschen und wurden von dem Gutsherrn und seiner Frau herzlich begrüßt. Man führte sie in die große Halle des Gutshauses, wo ein großes, flackerndes Kaminfeuer wohlige Wärme ausstrahlte. Ihre Pelze ablegend, sahen sich die Singmädchen in der großen Halle um. Da waren die Wände mit großen, selbst gewirkten Wandbehängen verkleidet, höfisch-ritterliche Motive darstellend. Zwei lange, blank gescheuerte Holztische, umrahmt von mit bequemen Kissen belegten Holzbänken, dominierten den Raum. Der Fußboden, blitzblank und mit gelblichen Sandsteinplatten belegt, gab dem Raum eine wohlhabende, vornehme Note. Zwei große, zottelige Jagdhunde, die auf Webteppichen vor dem Kamin geschlafen hatten, erhoben sich träge und begrüßten die unerwarteten Gäste mit gelassener Aufmerksamkeit. Einzig bei dem jüngsten Singmädchen hielten sie eine nähere Betrachtung für nötig und alsbald bildete sich ein großes Knäuel aus langfelligen, schmusenden Hunden und einem umarmenden, herzenden Mädchen, welches mit ihren langen, blonden Haare die Hunde einhüllte und ein herzliches Lachen durch den Raum perlen ließ. Schmunzelnd betrachtete der Gutsherr diese Begrüßungsszene und bat dann seine Gäste Platz zu nehmen, in der Mitte des Raumes, nahe dem Kamin. Die Dienerschaft hatte mit Staunen das Verhalten der Hunde beobachtet. Ungewöhnlich bei diesen Jagdhunden, denen sie immer mit Vorsicht und großem Respekt begegneten. Und so wurde in der großen Gutshof-Küche, wo immer alle Hausneuigkeiten zusammenflossen, wo Klatsch und Tratsch zu Hause war, ein Name für dieses Singmädchen gefunden. Die „Herzliche“, wurde sie von nun an immer genannt. Bald von allen, von allen im ganzen Lande.
Die Wärme des Kaminfeuers wohltuend empfindend und einen heißen, mit Honig gesüßten Kräutertee genießend, berichtete die Reisegesellschaft den Gutsleuten von den Ereignissen der letzten Tage und wie sie schon an ihrem ersten Reisetag von den „Bulwar-Parazi“ verfolgt wurden. Die Gutsleute lauschten aufmerksam den Bericht und brachten ihre Freude zum Ausdruck, dass ihnen das Schicksal in dieser ereignislosen Zeit solche Gäste beschert hatte. Nach dem Begrüßungstee veranlasste die Gutsherrin, dass den Gästen ihre Unterbringung gezeigt wurde, und bat sie, dann anschließend wieder in die große Halle zu kommen, zum bevorstehenden Abendessen. Als sie die Halle verließen, sah die Hofdame noch interessiert, wie der Gutsherr sich leise mit einem neben ihm sitzenden jungen Mann besprach. Einem schwarz gelockten, jungen Ritter mit kühnen Gesichtszügen, der Freund der Schutzritter.
Nach der Quartiernahme fanden sich alle wieder in der großen Halle ein und wurden zu ihren Plätzen geführt. Die Singmädchen als Ehrengäste nahe bei dem Gutsherrn und seiner Frau. Wunderschön strahlend aussehend, in weißgebleichten, langen Leinenkleidern mit eingewebten Goldborten gekleidet, gaben die Mädchen dem mit Fackeln und vielen, duftenden Bienenwachskerzen erhellten Raum eine besondere festliche Note. Nach dem einfachen Abendmahl mit heißer Mandelmilchsuppe, Weiskohleintopf, gewärmtem Roggenbrot und einer Quark-Wacholderbeer-Pastete bat die Hofdame den Gutsherrn, dem Wunsch der Singmädchen stattzugeben, ihren Dank für die gastliche Aufnahme durch ein kleines Singerlebnis ausdrücken zu dürfen. Da war die Freude bei den Gutsleuten riesengroß und sofort gab die Gutsherrin entsprechende Anweisungen die Halle umzugestalten. Als die Singmädchen fragten, ob jemand der Laute, Cister oder Theorbe mächtig wäre, zur Aufsingbegleitung, da ließ der junge, schwarz gelockte Ritter, der zweite Sohn der Gutsfamilie, seine Cister bringen und mit dem meisterlichen Erklingen einer melodischen Weise überzeugte er, der richtige Begleiter zu sein.
Als die Fackeln an den Wänden der Halle gelöscht wurden und der Raum nur noch im romantischen Licht der Wachskerzen erstrahlte, da schauten die versammelten Gutshofleute wie gebannt auf die am Ende des Raumes sitzenden Gruppe, den Singmädchen, dem begleitenden Ritter und der Hofdame, die sich um das Notenheft für den Ritter kümmerte. Auch die Jagdhunde hatten sich einen Platz zu Füßen der „Herzlichen“ erobert. Als das kleinere, schwarzhaarige Singmädchen sich umschaute und alle mit einem unvergleichlich zauberhaften Lächeln beglückte, da war es um die Anwesenden schon geschehen. Soviel Anmut und Liebreiz, so überaus herzberührend. Das traf alle so unvorbereitet und ein leises Raunen ging durch die Halle. Wenig später wurde auch für dieses Singmädchen ein neuer Name gefunden. Die „Berührende“ wurde sie von nun an immer genannt. Bald von allen, von allen im ganzen Lande.
Das Singerlebnis beginnend erhob sich das älteste Singmädchen, begrüßte alle Anwesenden und sprach noch einmal ihren gemeinsamen Dank für die herzliche Aufnahme aus. Dann beschrieb sie den Inhalt des ersten Singelchens, ein sanftes Erzähl-Singelchen um eine Hoffnung bringende, Welten verbindende Zauberkugel. Schon diese Ansage, vorgetragen mit einer überaus stolzen, königlichen Haltung, löste auch allgemeine Bewunderung aus. Als die ersten angeschlagenen Töne der Cister erklangen und die „Berührende“ tonsicher, mit weicher, sanfter Stimme das Erzähl-Singelchen begann, da wurde es ganz still in der Halle und andächtig lauschten alle diesen wundervollen Tönen. Als dann das ältere Singmädchen mit ihrer warmen, Herz wärmenden Stimme nachfolgte und die „Herzliche“ mit hell klingendem, stimmlichen Aufschwingen das Singelchen weitertrug, da entfaltete sich der besondere Zauber dieser Singmädchen in der Halle, ein Zauber, dem sich niemand entziehen konnte. Dies wurde noch mehr offenbar, als sich ihre Stimmen dann mehrstimmig zusammenfanden und eine harmonische Einheit wurden. So verzaubert waren die Gutshofleute nach dem Verklingen der letzten Töne, dass erst nach dem verschämten Wegstecken der Tränentupftücher begeisterter Applaus aufbrandete.
Weitere herrliche Erzähl-Singelchen wurden von den Singmädchen noch an diesem Abend aufgesungen und als auch die letzten Töne der Cister das Singerlebnis ausklingen ließ, da waren die Gutshofleute schon zu einer zusammenfühlenden Einheit mit den Singmädchen geworden. So außerordentlich berührend empfanden sie Sing-Vortrag und Ausstrahlung der drei Mädchen, dass sie nach langem Dank-Applaus, auch für den ritterlichen Naturtonbegleiter, leise flüsternd die Halle verließen mit dem tiefen Empfinden, etwas ganz Besonderes erlebt zu haben. Auch der Gutsherr und seine Frau, noch sehr beeindruckt von dem Singerlebnis, bedankten sich mit großer Herzlichkeit für den stimmungsvollen Abend bei den Singmädchen und wünschten ihnen eine gute Nachtruhe. Bald wurde es ruhig im Gutshaus. Nur in der großen Halle, nahe dem schwach flackernden Kaminfeuer, da hatte sich noch eine kleine Gesprächsgruppe zusammengefunden, bei heißem, honiggesüßten Kräutertee. Die Hofdame, die beiden Singmädchen-Schützer, der schwarz gelockte, jungen Ritter mit den kühnen Gesichtszügen und seine zwei Brüder. Alle schon, nach so kurzer Zeit, eine verschworene Gemeinschaft, eine Gemeinschaft bereit alles zu unternehmen, die Singmädchen zu unterstützen. So wurde leise der der Fortgang der Reise beraten und alles für den nächsten Tag geplant. Danach war es dann ganz still im Gutshof, nur die tierische Wachtruppe lauschte und schnupperte, bereit die Hofbewohner und ihre Gäste zu beschützen.
Mhmm, da hat sich doch viel getan. Und so glaube ich, mit dem zweiten Teil des großen Singmädchen-Märchens ist es für heute genug. Dann noch ein Blick an die Wand, zu den zwei alten Herren. Oooch, sie sind eingeschlafen, sehen ganz erschöpft aus. War doch ein bisschen viel für sie. Für euch auch?
Weitere “Märchen-Begriffe”:
Sing-Haus – Bandhaus, Trainingshaus des Sing-Wettbewerbs
Sing-Helfer – Tontechniker
Schönkleid-Nähmädchen – Näherin
Schönschau-Dame – Kosmetik-Visagistin bzw. Maskenbildnerin und Haarstylistin
Begleiterin, Hofdame – Managerin
Singleute-Troß – Tour-Bus und Ausrüstungs-Transporter
Naturtonbegleiter – Musiker
Leer-Singscheibchen – Musik auf Tonträger ohne Gesang, Instrumental Version
Sing-Begleiterinnen – Backgroundsängerinnen
Singmädchen-Schützer – Bodyguard
Schutzritter – Bodyguard
Singmädchenfreu-Gruppen – Fan-Club, Fan-Forum
Sinn-Bilder – Cover
Bulwar-Parazi – Boulevard-Schreiber, Paparazzi
Schreib-Singdrucker – besondere Art von Schreibenden, die Leute für’s „Grobe“
Erzähl-Singelchen – Ballade
Tränentupftücher – bestickte feine Leinenfasertücher
Sing-Vortrag – Musikvortrag
Jodelkönig // 16. 12. 2007 um 20:35
Monroe’s Declaration
16. 12. 2007 at 20:06 · Bearbeiten
Guten Abend, ihr Lieben. Ich habe etwas für euch.
Drei Kerzen anzünden, leckeren Tee und selbstgebackene Plätzchen bereitstellen und mit einer wundervollen Röschen-Ballade den Advent genießen. Fehlt da noch etwas? Eigentlich nichts. Hmm, vielleicht eine Gute-Nacht-Geschichte? Etwas märchenhaftes, wie ja die Adventszeit so sein soll? Wie wäre es denn mit dem dritten Teil des Singmädchen-Märchens? Entspannt euch und lasst euch zum Träumen verführen…….
Singmädchen-Märchen Teil 3:
Der Gutshof, das weite Tal. Das erste, fahle Licht des beginnenden Tages hellte den Himmel. Eine Eule, die letzte Jagd der Nacht im lautlosen Flug durchführend. Alles noch sehr still, schlafend die Bewohner. Alle? Da, das leise Klingen von Pferdehufen vom Gutshof wegführend zu dem dunklen, angrenzenden Waldgebiet, dann verklingend. Zwei junge Ritter, schon so früh unterwegs mit wichtigem Auftrag.
Später, viel später, fand sich die Reisegemeinschaft der Singmädchen in der großen Gutshaushalle zum Frühstück zusammen. Ein neu entfachtes, großes Kaminfeuer erwärmte den Raum. Durch die kreisförmig unterteilten Butzenfenster über den gewirkten Wandbehängen fiel nun das helle Sonnenlicht eines klaren Wintermorgens in die Halle und malte runde Licht-Schatten-Konturen auf Tische und Fußboden. Die Mädchen genossen den heißen Morgentee, eine belebende Kräutermischung, und brachen sich Stücke von dem gewärmten Gerstenbrot ab. In etwas Honig getupft, eine morgendliche Gaumenfreude. Nur das ältere Singmädchen bemühte sich tapfer, eine gesunde Hafergrütze zu verzehren. Dies unter dem aufmunternden Blick der Hofdame. Und die hatte dann noch eine gute, wichtige Nachricht für alle. Sanft lächelnd teilte sie mit, dass ein weiterer Ritter ihre Reise begleiten würde, der zweite Sohn der Gutsfamilie. Die Freude darüber war groß. Nicht nur wegen dem nun zusätzlichen Schutz, sondern weil alle diesen kühnen Ritter und Meister der Cister schon überaus verehrten. Auch erzählte ihnen die Hofdame, warum ihre zwei Schutzritter diesen Gutshof so sehr als ihre zweite Heimat empfanden. Sie hatten hier ihre Jugendjahre verbracht, als Page und Knappe dem Gutsherrn dienend.
Nach dem Anspannen der Pferde und nach vielen herzlichen Dankesbezeugungen an die Gutsleute, begaben sich die Mädchen und ihre Reisebegleitung in die Kutschen. Sie waren reisefertig. Aber der Gutsherr, ein erfahrener Ritter und Reisender, ließ noch ein weiteres, mit dicken, weichen Paketen beladenes Packpferd für seinen Sohn heranführen und weitere, kleinere Pakete wurden noch auf die anderen Packpferde verteilt. So ausgerüstet setzte sich die Reisegesellschaft in Bewegung und entfernte sich, begleitet von verwehenden Abschiedsrufen, von dem Gutshof. Die Gutsherrin, die Mutter des schwarz gelockten Ritters, schaute ihnen noch einige Zeit sinnend nach. Sie wusste etwas, hatte etwas erkannt. Etwas, das sie niemanden mitteilen wollte. Und so ging sie langsam, sehr nachdenklich zum Gutshaus zurück. Nur die zwei großen, langfelligen Jagdhunde schauten noch lange in die Richtung ihres entschwundenen, heiß geliebten Singmädchens. Zwei traurig aussehende, vierbeinige Singherzer.
Die Kutschen glitten durch den verzauberten, glitzernden Winterwald. Auf verschlungenen Wegen, zurück zu der großen Landstraße. Trefflich geleitet von den ortskundigen Schutzrittern. Ihr Ziel war eine Einmündung in die Landstraße, weitab von der Poststation. Niemand würde sie dort sehen. Es war für alle in der Poststation, als hätten sie sich in Luft aufgelöst.
Nach dem Erreichen der Landstraße ließen die Schutzritter die Kutschen halten und alle warteten geduldig. Aber nicht lange, dann wurden zwei Reiter sichtbar. Kamen näher. Es waren die zwei Ritter, die schon so früh den Gutshof verlassen hatten. Die Brüder des schwarz gelockten Schutzritters. Lachend begrüßten sie die wartende Reisegemeinschaft und berichteten ausgelassen. Sie hatten in der Poststation das Gerücht ausgestreut, dass die Singmädchen, der Einladung eines reichen Kaufherrn aus der Hauptstadt folgend, mehrere Tage in einem nahe gelegenen Waldschlösschen verweilen würden, um bei einigen Feierlichkeiten aufzusingen. Sofort wollten dann die „Bulwar-Parazi“, die schon etwas verzweifelt überall in der Poststation nach dem Verbleib der Singmädchen gefragt hatten, zu diesem Waldschlösschen hinfahren. Aber als sie den Namen des Kaufherrn von den Rittern erfuhren, da fanden sie, dass das keine gute Idee war, denn sie hatten vor einiger Zeit viele, schlimme Sachen über die Tochter des Kaufherrn geschrieben und der erboste Vater war seither auf „Bulwar“ nicht gut zu sprechen. So nun sehr verunsichert, hatten sich dann die Bulwar-Parazi durchgerungen zur Hauptstadt zurückzufahren um sich neue Instruktionen geben zu lassen. Da war nun bei der Reisegesellschaft die Freude groß, dass sie von den schrecklich unangenehmen „Bulwar“-Leute nun nicht mehr belästigt wurden und die zwei Ritter wurden sehr gelobt für die erfolgreiche Irreführung. Eine Irreführung, sorgfältig geplant. Gemeinsam geplant von der verschworenen Gemeinschaft, am Abend zuvor. Ein letztes Umarmen der Brüder und noch viele Gute-Reise-Wünsche an die Sing-Reisenden, dann machten sich die zwei Ritter auf, um zum Gutshof zurückzukehren und die Reisegemeinschaft setzte ihren Weg fort. Der Weg, zu dem noch weit entfernten Ziel, zu der Stadt in den Bergen.
Bei strahlendem, sonnigen Winterwetter vergingen die weiteren Reisetage und die Singmädchen wurden schon zu richtig erfahrenen Singleuten, die wussten wie man die Routine einer Reise zum Aufsing-Üben, zum Text-Lernen und zum Erzählen nutzen konnte. Erklangen dann Aufsingend die Stimmen der Singmädchen, dann war es doch ganz natürlich für die Schutzritter, lauschend sehr nahe an der Kutsche zu reiten und natürlich war es dann auch, dass ihre Pferde auf das Aufsingen reagierten. Bei den weichen, warmen Stimmen der „Berührenden“ und dem älteren Singmädchen wurden die Pferde ganz ruhig, bewegten sich mit harmonischen Bewegungen. Aber wenn die „Herzliche“ kraftvoll in ein Singelchen einklang, dann tänzelten die Pferde etwas und die gespitzten Ohren ließen ein tongerechtes Wackeln erkennen. Das dann die Reiter ein angenehmes Schaudern unter ihren Kettenhemden empfanden, war dann auch ganz natürlich.
Beim Übernachten in einer der Poststationen, da gab es ein Ereignis, das später von den Singherzern in immer neuen Varianten erzählt wurde. In dem Gästehaus der Postation hatten die Mädchen die Badstube voll in Beschlag genommen und genossen in ihren großen, an den Rändern mit Stoff ausgepolsterten Badezubern, wohlig das heiße Wasser und ließen sich wohlduftende Rosen-Seifenpasten reichen. In dieser angenehmen Umgebung dauerte es dann nicht lange, bis die Stimmen der Singmädchen erklangen und die wunderschönen Töne eines ihrer neuen Singelchen den dampfenden Baderaum erfüllte. Da nahm eines der Bademädchen, total versunken im himmlischen Dreiklang, einen kleinen Badezuber zur Hand, um den Rücken des älteren Singmädchens mit heißem Wasser zu benetzen. Aber, oh Schreck, es war der falsche Zuber, ein Zuber mit kaltem Wasser. Sofort kam es zu einem schreckhaften Hochjauchzen der Stimme. Aber dieses Jauchzen fügte sich so harmonisch als ekstatische Steigerung in ihr Singklingen ein, dass sie sofort diese „Verzierung“ weiter ausprobierten und so den Sing-Jauchzer für sich erfanden. Und ihn damit zu einer viel beachteten Aufsing-Besonderheit bei ihren Sing-Vorträgen machten. Und dem Bademädchen? Dem wurde seine Unachtsamkeit nicht nachgetragen. Es wurde nur milde ermahnt. Sehr milde.
Nach einigen Reisetagen war der Tag gekommen, an dem die Singmädchen die Stadt in den Bergen erreichen würden, um nun draußen, im Lande des kleinen Völkchens, das erste große, öffentliche Singerlebnis ihrer Singreise darbieten zu können. So wurden morgens, in der Poststation, die Kutschen schon sehr früh reisefertig gemacht und die Mädchen waren ganz aufgeregt, ihr erstes Reiseziel nun endlich kennen zu lernen. Aber bevor es losging, berieten sich noch die Singmädchen-Schützer. Sie wussten, dass diese Reisetappe nicht so einfach war. Das Gelände war schwierig. Unübersichtlich. Denn die Straße führte tief eingeschnitten durch die Ausläufer der Berge. Und da gab es auch schlimme Räuber. So schlimm, dass manchmal eine Reisekutsche einfach verschwand. Mit all ihren Insassen. Natürlich versuchten die Stadtritter der Bergstadt immer wieder dieser räuberischen Bande habhaft zu werden. Aber das war doch sehr schwierig, denn das Gelände war einfach zu weitläufig und zu schlupfwinkelreich.
Als sie nun die Poststation verließen, da hatten die Ritter ihre Reflexbögen und einige Pfeile schussbereit und ein Schutzritter ritt immer als Kundschafter voraus. Leider hatte sich das Wetter in der Nacht grundlegend geändert. Schneereiches Winterwetter war nun angesagt. So hatte es in der Nacht schon etwas geschneit und alles, Wald und Flur, mit einem leichten Schneeschleier bedeckt. Jetzt am frühen Morgen, da ließen die tief hängenden, schneehaltigen Wolken die Landschaft in einem fahlen Grau fast konturlos erscheinen.
Gegen Mittag kam ihnen plötzlich der weit vorausgerittene Schutzritter entgegen und hieß sie anzuhalten. Er war sehr besorgt. Weiter vorne wurde die Schlucht sehr eng und dichtes Gebüsch säumte den Wegesrand bis zu den aufragenden Felsen. Ein idealer Ort für einen Hinterhalt. Obwohl der Weg nicht blockiert schien. Aber was ihn noch mehr beunruhigte, war das jegliche Fehlen von frischen Wildspuren, die üblicherweise den Weg kreuzten. Etwas musste die Tiere veranlasst haben, die ganze Schlucht zu meiden. Nach kurzer Beratung mit der Hofdame begann ein geschäftiges Treiben. Die Kutscher bedeckten die Kutschenfenster mit stabilen Holzläden. Nur noch schmale Schlitze erlaubten eine Sicht nach draußen. Die Fahrgäste verstauten alles fest im Kutschenraum und machten sich gegenseitig Mut. Dann wurde das, von dem Gutsherrn mitgegebene, Packpferd entladen und dicke, durch mechanische Bearbeitung sehr verdichtete Filzumhänge für die drei Streitrösser kamen zum Vorschein. Nach dem Einhüllen der Streitrösser mit den braun gefärbten Schutzfilzen, wurden die Pakete auf den anderen Packpferden geöffnet und weitere Filzumhänge standen ihnen zur Verfügung. Nachdem auch die Kutscher mit Kettenhemd, Helm und Filzumhang ausreichen geschützt schienen, streiften sich die Schutzritter ebenfalls ihre Filzumhänge über, befestigen die Pfeilköcher am Sattel und mit Reflexbogen und Pfeilen in den Händen, die Pferde nur durch Beindruck lenkend, wagten sie die Weiterfahrt. Die Kutschenpferde konnten ungeschützt bleiben, denn sie waren eine viel zu wertvolle Beute, um sie auch nur zu verletzten.
Kurz vor der Stelle, wo die Schlucht sich verengte, da trieben die Kutscher die Pferde an und mit höchster Geschwindigkeit donnerte der ganze Troß voran. Und tatsächlich, wie vorausgeahnt, kaum hatten sie die Engstelle erreicht, da zischten ihnen auch schon aus den dichten Büschen ein Hagel von Pfeilen entgegen, die aber Dank den Filzumhängen und Kettenhemden ohne Wirkung blieben. Die Schutzritter erwiderten sofort den Beschuss und durch ihre präzisen Pfeilschüsse, verbunden mit schneller Schussfolge, ertönte bald ein großes Wehklagen aus den Büschen. Als sie dann so unbeeindruckt, im Galopp, an den Räubern vorbei donnerten und die Ritter auch noch rückwärts gewandt, Pfeil um Pfeil auf die Räuber abschossen, da war es um die Moral der Schlimmlinge schon schlecht bestellt. Aber als dann auch noch der Räuberhauptmann einen Pfeil in sein verlängertes Rückgrat bekam und ein jämmerliches Geheul anstimmte, da verließ sie jegliche Lust an der Räuberei. Schon hatte die Kutschen die gefährliche Stelle hinter sich gelassen und in sicherer Distanz ließen die Ritter die Kutschen anhalten, damit die Pferde sich wieder von der Anstrengung erholen konnten. Die nun glücklich überwundene Gefahr zauberte ein siegesbewusstes Lächeln auf das Gesicht der Ritter. Eigentlich mehr ein Grinsen. Dies nicht nur, weil sie und die Kutscher durch die stecken gebliebenen Pfeile wie die Igel aussahen, sondern auch wegen etwas anderem. Wegen der Sing-Anfeuerung aus der vorderen Kutsche während der Sturmfahrt, während des Kampfes. Denn als die Pfeile in die Kutschenwände einschlugen, da erhob sich aus der vorderen Kutsche mächtig die Stimme des älteren Singmädchens. Ein feuriges Kampf-Singelchen des kleinen Völkchens aufsingend. Sehr laut und trotzig, der Gefahr missachtend. Und die Ritter damit überaus anfeuerte, stolz machte, ihnen noch zusätzliche Kraft gab, diesen Kampf zu gewinnen. Aber woher kannte dieses unschuldige Singmädchen bloß dieses Singelchen? So etwas wurde doch nur bierselig, in einigen bestimmten Kaschemmen der Hauptstadt, aufgesungen, da wo die Stadtritter, die Hart-Fels-Ritter verkehrten.
Da die Schutzritter nun keine unmittelbare Gefahr mehr sahen, wurden die Filzumhänge wieder auf den Packpferden verstaut und die Schutzläden von den Kutschenfenstern entfernt. Beim Abstreifen des Filzumhanges hatte der schwarz gelockte Ritter bemerkt, dass in dem Filz auch ein Armbrustbolzen stecken geblieben war. Ein ziehender Schmerz am Arm zeigte ihm, dass die hohe Durchchlagskraft des Bolzens wohl ausgereicht hatte, auch das Kettenhemd zu durchschlagen. Die Hofdame nahm sich sofort der Sache an und aus einem mitgeführten Kästchen entnahm sie einige Utensilien zur Wundbehandlung – sehr zum Erstaunen des Ritters. Mit einer klaren Flüssigkeit betupfte sie zuerst einige Finger, reinigte dann die Wunde, zog die Wundränder zusammen und vernähte sie dann geschickt mit einem Seidenfaden. Dann wurde alles mit einer grünen, duftenden Heilpaste abgedeckt und mit einem Streifen feinstem Leinen verbunden. Der Ritter bedankte sich sehr und lobte ihre außerordentliche Fertigkeit, die doch etwas ungewöhnlich für eine Hofdame war. Die Hofdame bekam rote Wangen und freute sich. Etwas spöttisch deutete sie einen Hofknicks an und verstaute wieder das Kästchen in der Kutsche, nachdem sie sich vergewisserte hatte, das sonst niemanden zu Schaden gekommen war.
Inzwischen war etwas Wind aufgekommen und dicke Schneeflocken tanzten in der Luft. So beeilten sie sich, die Stadt noch vor dem großen Schneefall zu erreichen. Und nach einiger Zeit, bei Anbruch der Dämmerung hatten sie es geschafft. Da schmiegte sich vor ihren Augen eine kleine Stadt an den Ausgang einer Schlucht, aus dem ein wilder Gebirgsfluss zu Tale schoss. Es war eine reiche, arbeitsame Stadt. Überall in den umliegenden Bergen waren die Eingänge der Schürfschächte zu erkennen, wo nach Erzen geschürft wurde, aus denen dann Silber, Kupfer und auch Eisen gewonnen wurde. Direkt am Fluss waren die wassergetriebenen Blaswerke und Hammerwerke angeordnet. Dabei markierte das feurige Leuchten der Eisenschmelzen den Flussverlauf und gaben dem Ganzen das unwirkliche Aussehen eines sich windenden Feuerstromes.
Durch das dichter werdende Schneegestöber rollten die Kutschen durch ein Stadttor und die Singreisenden fanden schnell das Klanghäuschen der Stadt mit dem angeschlossenen Wohn- und Werkshaus. Der Schnee fiel nun so dicht, dass Hufgeklapper und Kutschenrollen nur noch sehr gedämpft zu hören war. Und so waren sie alle sehr erleichtert, als sie in den großen Innenhof des Wohn- und Werkshauses einrollten und die Pferde dampfend zum Stehen kamen. Sofort wurden sie von den Bediensteten des Klanghäuschens begrüßt. Man hatte schon sehnsüchtig auf sie gewartet und war in großer Sorge gewesen. Alle machten entsetzte Gesichter, als sie die Beschädigungen an den Kutschen sahen. Die Pfeilspuren sprachen eine nur zu deutliche Sprache, über das, was vorgefallen war. Nachdem aber alle gesund und munter schienen, begann ein geschäftiges Treiben, mit dem Ausspannen und Absatteln der Pferde und der Unterbringung des Gepäcks im Hause. Kaum hatte die Reisegesellschaft sich ihrer warmen Kleidung entledigt, da wurden sie in die große, fensterreiche Wohnküche des Wohnhauses geführt. Große holzbefeuerte Herde mit kupfernen Abzugshauben und ein mit wunderschönen, schmiedeeisernen Arbeiten umrahmter offener Kamin waren an einem Ende des Raumes angeordnet. Am andern Ende war eine holzgetäfelte, mit Tischen und kissenbedeckten Hockern ausgestattete Essecke eingerichtet. Der große, offene Kamin spendete viel Wärme und Licht. Aber zusätzliche Wachskerzen gaben der Essecke einen warmtönigen Glanz, der von der Reisegesellschaft als ein Gefühl der Geborgenheit empfunden wurde. Die Köchin brachte ihnen zum Aufwärmen große, tönerne Schalen mit einer heißen Fleischbrühe und eine Küchenhilfe reichte ihnen dazu herrlich duftendes, frisches Gerstenbrot in großen Stücken.
Da kam auch schon die herbeigerufene Eigentümerin des Klanghäuschens, ein Dame mittleren Alters, und begrüßte sie herzlich. Diese Hausdame wurde von allen nur „Witwe Klanghäuschen“ genannt und war durch ihre mütterliche, sorgende Art allgemein beliebt und geachtet. Dabei war sie eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die es verstanden hatte, ihr Klanghäuschen zu einem kulturellen Zentrum der Stadt zu machen. So war sie auch bei dem finalen Aufsingen der Singmädchen zugegen gewesen und hatte sofort um einen Vertrag nachgesucht, der ihr die Erstrechte für mehrere Singerlebnisse der neuen Singmädchen gab. Als sie erfuhr, mit welchen Widrigkeiten die Reisegesellschaft an diesem Tag zu kämpfen hatte, da empfahl sie ihnen, sich nach dem Abendessen viel Ruhe anzutun. Erst morgen würden sie mit den Aufsing-Proben in dem angebauten Klanghäuschen beginnen. Bis zum ersten, großen Singerlebnis waren es ja noch einige Tage. Den Schutzrittern versprach sie, den Anführer der Stadtritter über den räuberischen Hinterhalt zu informieren. Vielleicht konnte er an diesem Abend noch vorbeikommen.
So war es in dem großen Wohn- und Werkshaus an diesem Abend sehr ruhig geworden. Nur die Schutzritter saßen mit einem alten Ritter in einer nahe gelegenen Schenke beim Bier zusammen. Der alte Recke wurde von den drei Rittern mit großem Respekt behandelt. Denn sie hatten die freudige Entdeckung gemacht, dass der Anführer der Stadtritter ein früherer Gefolgsmann ihres geliebten Gutsherrn und Vaters gewesen war. Der Alte schmunzelte, als er von den schützenden Filzumhängen erfuhr und meinte, dass der Gutsherr sich bei den vielen Reisen zu den weit entfernten Königreichen immer als listenreicher und vorausahnender Anführer bewährt hatte. Nachdenklich betrachtete er den Armbrustbolzen, den er von dem schwarz gelockten Ritter erhalten hatte. Es war außergewöhnlich, dass ein Räuber solch eine Waffe verwendete. Sie war teuer, schwierig zu bedienen und von geringer Reichweite. Vielleicht konnten die Waffenschmiede Auskunft geben, für wen solch ein Bolzen geschmiedet worden war.
Als die Schutzritter dann noch die Episode mit dem Kampflied des älteren Singmädchens erzählten, da wurde es noch richtig lustig an diesem Abend. Dem alten Kämpen gefiel das außerordentlich und er fand viel Lobe für den Mut dieses Mädchens. Da wollte er doch bei einem der Singerlebnisse mit der ganzen Familie kommen, auch mit allen Freunden. So ein „Kampfmädel“ wollte er kennen lernen. Und so wurde an diesem Abend ein Name für dieses Singmädchen gefunden. Die „Beherzte“ wurde sie von nun an immer genannt. Bald von allen, von allen im ganzen Lande.
Und weil das Bier ihnen so gut schmeckte, stimmten sie zusammen dieses bewusste Kampflied an – zum Erstaunen der anderen Gäste. Laut und ausgelassen, und auch mit der kleinen Abweichung, die die „Beherzte“ eingefügt hatte:
Auf, auf, ihr Ritter,
kühn und tapfer, stolze Recken,
der Feinde Schrecken.
Lasst den Bogen singen
und die Schwerter klingen.
Niemand soll es wagen
Leid in „Krone“ und „Krönchens“ Land zu tragen.
Auf, auf, ihr Ritter,
kühn und tapfer, der Singmädchens Schutz,
wankt nicht, weicht nicht, seit unser Trutz.
Ihr stolze Recken,
der Feinde Schrecken
So, mit diesem Lied beende ich nun für heute. Da war doch manche Aufregung in dieser Gute-Nacht-Geschichte zu finden. Vielleicht zu aufregend um gleich einzuschlafen? So empfehle ich noch ein große, dampfende Tasse Tee und noch ein Lied von unseren Röschen. Damit ihr auch schön träumen könnt, vom weiteren Leben der Singmädchen…..
Weitere “Märchen-Begriffe”:
Aufsing-Üben – Singübung, Gesangstraining
Singklingen – Gesang
Sing-Jauchzer – Ad-libs
Stadtritter – Stadt-Polizei
Schlimmlinge – Räuber
Sing-Anfeuerung – Kampflied singen
Hart-Fels-Ritter – Stadtpolizei
Aufsing-Proben – Klang- und Mikrofontest, Generalprobe
Jodelkönig // 1. 1. 2008 um 21:19
Monroe’s Declaration
1. 1. 2008 at 20:40 · Bearbeiten
Der erste Tag des neuen Jahres. Nach einer rauschenden und wahrlich verheißungsvollen Sylvesternacht in Berlin. Verheißungsvoll für 2008, für das Jahr „Zwei“ der Rosen.
Und so können wir es heute ruhig und zufrieden ausklingen lassen. Und noch an einigen Tassen heißen, duftenden Tee nippen. Dazu die Wohlklänge der sanften Röschen-Balladen genießen. Haben wir alle stressigen Gedanken abgestreift? Sind wir dann bereit für eine wohltuende Nachtruhe? Oh, vielleicht hilft da noch etwas, eine „Gute-Nacht-Geschichte“, eine weitere Begebenheit aus dem großen „Singmädchen-Märchen“?
Lasst euch entführen, zu den Märchen, da wo Fiktion und Wirklichkeit sich vermischen, eins werden, und neue Traumbilder entstehen. Traumbilder, die ihr dann weiterentwickeln könnt. Und die dann eure Wirklichkeit werden. Nur euch gehörend……
Singmädchen-Märchen Teil 4:
Leise knisterte das flackernde Kaminfeuer und erfüllte das kleine, holzgetäfelte Schreibzimmer mit angenehmer Wärme und dem Duft von Birkenholz. In dem Zimmererker hatte sich die Hofdame, an einem kleinen Tisch sitzend, häuslich niedergelassen. Gab es doch so manches zu erledigen. Nachdenklich schaute sie aus dem erkerumfassenden Butzenfenster auf die tief verschneite Hauptstraße der Bergstadt. Dicke Schneeflocken, sanft und stetig niedergehend, schwebten an dem Fenster vorbei und verbargen den grauen Himmel. Selbst an einem so frühen Morgen zeigte sich schon geschäftiges Leben auf der Straße. Von kräftigen Pferden gezogene Lastkarren zogen vorbei und die Anwohner versuchten fleißig ihre Haus- und Geschäftszugänge von der weißen Pracht zu befreien.
Angeregt von dem geschäftigen Treiben nahm die Hofdame ein Teeglas und schenkte sich aus einer dicken Kanne etwas honiggesüßten, heißen Kräutertee ein. Und versteckte dann die Teekanne wieder unter einer gestickten und gefütterten Wärmehaube. Aus einem, mit Tuch ausgelegtem Körbchen entnahm sie eine noch warme „Krumme Krapfe“ und knabberte genüsslich daran. Vieles ging ihr dabei durch den Kopf. Hatte sie doch den vor ihr liegenden Brief von „Krönchen“ sehr aufmerksam durchgelesen. Der Brief, eng beschrieben, auf feinstem, dünnen Hadernpapier, war mittels einer von „Krönchens“ dunkelroten Botentauben vor zwei Tagen in der Poststation der Stadt angekommen. Mit interessanten Nachrichten, einer überraschenden Neuigkeit und auch etwas Klatsch und Tratsch. Gewissenhaft hatte sie überprüft, ob das Siegel des kleinen Metallröhrchens unverletzt war. Sie mussten vorsichtig sein. „Bulwars“ Helfer waren überall. Auch hatte sie den Brief kurzzeitig über ein kleines Fläschchen gehalten, hatte die aufsteigenden Dämpfe etwas einwirken lassen und dann das Papier vorsichtig mit einer Kerze erwärmt. So erschienen wie durch Zauberei noch einige Zeilen. Eine nur ihr geltende, persönliche Nachricht.
Nun ging sie daran eine Antwort zu verfassen. Aus einem kleinen Holzkästchen entnahm sie ein ähnlich großes Briefpapier. Dann brach sie von einem lackartigen Stück Rindentinte einige kleine Stücke ab und löste sie in etwas Wasser auf. Aus einem anderen Kästchen entnahm sie einen Federkiel, spitzte die transparente Spitze etwas an und begann mit einer feinen, engen Schrift zu berichten. Über die Reise mit den Singmädchen, über ihre Eindrücke und Erfahrungen. Sie schrieb schnell, eine alte Kurzschrift verwendend. Danach gab es noch etwas Bestimmtes zu schreiben. Ihre sorgfältig überlegten Einwände gegen einen Plan. Dazu öffnete sie ein kleines Glasgefäß und schrieb mit der darin enthaltenen Tinte auf die Rückseite des Briefpapiers. Schon nach kurzer Zeit, beim Trocknen, begann die Schrift zu verblassen und verschwand. Dann rollte sie den Brief zusammen und stecke ihn in das kleine Metallröhrchen mit „Krönchens“ Signatur. Zuletzt erhitzte sie etwas Siegelwachs und versiegelte das Röhrchen. Der Sing-Helfer, der sich auch sorgfältig um ihre, in der Kutsche mitgebrachten Botentauben gekümmert hatte, konnte nun das Röhrchen am Bein einer der dunkelroten Tauben befestigen und sie zur Hauptstadt, zurück zum königlichen Taubenhäuschen senden. Vielleicht am Nachmittag, bei besseren Wetterbedingungen.
Gerade hatte sie den gelesenen Brief dem Kaminfeuer übergeben, da öffnete sich die Tür und die Singmädchen erschienen. Ausgelassen und munter, sehr munter – nach einem leckeren Frühstück in der Wohnküche. In ihren wärmenden, aus schwerer Seidenwolle gewebten Kleidern mit eingewebtem Gallica-Rosenmotiv, sahen sie so liebreizend aus, dass die Hofdame ein nun hin- und weg geschmolzenes Küchenpersonal vermutete.
Lächelnd forderte sie die Singmädchen zum Sitzen auf und erzählte ihnen von dem Brief und was „Krönchen“ so geschrieben hatte. Davon, dass ihre neuen Singelchen sich nun großer Beliebtheit erfreuten und die Singscheibchen in großer Zahl verkauft würden. Besonders das Singelchen, welches eine tragische Liebesgeschichte beschrieb, würde jetzt schon alle Post-Senderekorde brechen. Dann erwähnte sie, dass die „Bulwar-Parazi“ in Ermangelung von selbst erfahrenen Schlimm-Schreib-Themen sich noch einmal intensiv mit ihrer Vergangenheit befasst hatten und bedauerte augenzwinkernd, dass nun ihre schlimmsten Lebenssünden in allen Singdrucken veröffentlicht wären. Etwas betroffen schauend warteten die Mädchen auf nähere Erläuterungen.
Zuerst wandte sich die Hofdame an die „Beherzte“ und erzählte amüsiert, dass die „Bulwar“-Singdrucker sie als Hauptstadtschlimmelchen bezeichnet haben, welches vierzehnjährig einen Stadtritter verspottet und viel Unruhe in der Stadt verursacht hätte. Dann informierte sie die anderen Singmädchen. So stände in den Singdrucken, dass sich die „Herzliche“ schon mit Fünfzehn große Sorgen gemacht habe, ob es für sie nicht schon zu spät sei, eines Ritters Herz zu gewinnen und dass genau solchen Herzen die „Berührende“ reihenweise Herzschmerzchen zugefügt hätte. Das dabei aus einem vielfachen „herzlich zugetan“ ein „Herzschmerzchen zufügen“ wurde, war mal wieder „Bulwars“ Wahrheit. Erleichtert schauten sich die Singmädchen an. Oh, es hätte schlimmer kommen können, wenn sie so an ihre Jugendsünden dachten. Hoffentlich nun für ewig verborgen.
Die Hofdame, die sich sehr bemühte, ernst zu bleiben, teilte ihnen dann noch mit, dass es eine wichtige Neuigkeit gäbe. Etwas, das „Krönchen“ für sie geplant hätte, für die Zeit nach der Singreise. Eine herausfordernde Aufgabe würde da auf sie zu kommen. Die Singmädchen warteten gespannt. Und so begann die Hofdame alles zu erklären. Im Frühling würde wieder einmal der bedeutende Sing-Wettbewerb der großen Königreiche stattfinden. Und diesmal hätte auch das Land des kleinen Völkchens die Absicht – im „Verbund“ mit anderen kleinen Königreichen – daran teilzunehmen.
Ein Bemühgrüppchen, „die Beauftragten“ genannt, hatte der „Verbund“ dann eingesetzt, um geeignete Singfrauen, Singmänner oder Singgruppen für den großen Sing-Wettbewerb vorzuschlagen und um letztendlich drei möglichst verschiedene „Klangvertreter“ zu bestimmen. Diese drei „Klangvertreter“ hätten sich dann in einer Sing-Vorentscheidung dem Urteil der Singherzer zu stellen. Deren Wahl, sollte dann als Sing-Sendling am großen Sing-Wettbewerb teilnehmen.
Natürlich wussten die Singmädchen nun, dass man sie als einer der drei „Klangvertreter“ nominiert hatte und empfanden dies spontan als eine große Ehre. Dazu erklärte ihnen die Hofdame, dass „die Beauftragten“ tatsächlich „Krönchen“ um die Teilnahme der neuen Singmädchen ersucht hätten und „Krönchen“ erst nach reiflicher Überlegung bereit gewesen war, ihre Zustimmung zu geben. Dabei erwähnte die Hofdame aber nicht ihre persönlichen Vorbehalte gegen die geplante Teilnahme an dem Sing-Wettbewerb. Niemals würde sie zeigen, dass sie nicht mit „Krönchens“ Entscheidung einverstanden wäre.
Lebhaft diese Neuigkeit diskutierend, waren die Singmädchen nun sehr daran interessiert, die Namen der anderen „Klangvertreter“ zu erfahren. Die Hofdame meinte dazu, dass erst ein weiterer „Klangvertreter“ bekannt wäre. Ein erfolgreicher Singmann, der immer mit einer großen Gruppe von Klangbegleitern ein flottes Kling- und Singerlebnis darbot, welches Schwups-Klang genannt wurde. Interessanterweise auch ein Tributpflichtiger von „Krone“ und „Krönchen“. Die Hofdame berichtete ihnen auch, dass der Singmann von seinen vielen fraulichen Singherzern liebvoll „Sing-Prinz“ genannt wurde. Und dass er bei seinem Aufsingen im Schwups-Klang immer ein Rundschildmützchen zu tragen pflegte. Und dann erzählte die Hofdame noch von einem Gerücht, welches die „Erstlinge“ betraf. Auch sie wären von den „Beauftragen gefragt worden, hätten aber aus Keinzeit-Gründen eine Teilnahme ausgeschlossen.
Sie waren alle noch aufgeregt am Diskutieren, da wurden sie von der eintretenden „Witwe Klanghäuschen“ unterbrochen, die gekommen war, um den Singmädchen das Klanghäuschen zu zeigen und sie zur ersten Sing-Probe zu geleiten. Als die Singmädchen nach ihrem Sing-Helfer fragten, winkte die „Witwe Klanghäuschen“ gelassen ab und meinte, dass Leer-Singscheibchen mit den Naturtönern zur Aufsingbegleitung nicht benötigt würden. Da sie wusste, wie unbeliebt das Spielsingen und auch die Leer-Singscheibchen bei dem kleinen Völkchen waren, hätte sie schon weit vorausgeplant. Und so gäbe es nun eine riesige Überraschung für die neuen „Holdklangblumen“ ihres Klanghäuschens. Mütterliche Zuneigung zu den Singmädchen ausstrahlend, war sie doch eins mit der Hofdame in ihrem verschwörerischen Tun. Denn sie hatten noch gestern, vor der Nachtruhe, gemütlich zusammen gesessen und alle wesentliche Dinge besprochen. Und es waren nicht nur die Schutzritter und der Anführer der Stadtritter, die an diesem Abend noch etwas lustig wurden, sondern auch eine Hofdame und eine Hausdame, die, in dem stillen Haus, leise kichernd, einen „Hausbrand“ zum Träumtee genießend, sich dem Klatsch und Tratsch der Hauptstadt hingaben.
Die „Witwe Klanghäuschen“ war nicht nur eine gute Geschäftsfrau sondern auch eine gute Beobachterin. So ließ sie sich nicht anmerken, dass sie das kleine Metallröhrchen auf dem Erkertisch wohl bemerkt hatte. Und vermutete, dass diese Post wohl für „Krönchen“ bestimmt war. Denn es war ihr nicht entgangen, dass, in aller Früh, der Verwalter der Poststation, von einem der Schutzritter eskortiert, zu der Hofdame geführt wurde. Da sie wusste, dass der Verwalter wichtige Post nur gegen ein Bestätigungsschreiben abgeben würde, konnte doch ein Blick auf das Schriftstück bestimmt von Interesse sein. Dies zu erreichen war einfach gewesen, denn der Verwalter war ihr sehr zugetan – ein lieber Jugendfreund. Und so hatte sie ein erstaunliches Siegel erblickt. Es war das Siegel von „Krönchen“. Mit dem Wappen derer von „Sonnenschau“, dem keltischen Sonnensymbol nachempfunden. Da war ihr dann noch mehr bewusst geworden, dass nicht nur diese Singmädchen etwas Besonderes waren. Dies hatte sie aber schon gestern Abend vermutet, als sie die dunkelroten Botentauben bei der Unterbringung des Gepäcks gesehen hatte. Dunkelrot, das war die Farbe von „Krone“ und „Krönchen“. Niemand im Lande durfte sie sonst verwenden.
Als die die Singmädchen und die „Witwe Klanghäuschen“ sich aufmachten, dass Schreibzimmer zu verlassen, wurde die „Beherzte“ von der neugierig gewordenen Hofdame gebeten, noch etwas zu verweilen und ihr doch die Geschichte mit dem Spottlied zu erzählen. Die „Beherzte“ lächelte versonnen und meinte, da wäre nicht viel gewesen: „Wir waren damals eine richtige Jungmädchentruppe und haben oft auf der Straße herumgealbert. Da war es dann auch unvermeidlich, dass wir einen Stadtritter in seinem Mittagsschlaf störten. Der empfand das als sehr empörend und beschimpfte uns mit schlimmen Worten. Daraufhin antworteten wir mit einem Spott-Singelchen auf die Stadtritter. Dies empörte dann den Stadtritter noch mehr und ließ ihn zornig danach streben, uns alle in den Karzer zu werfen. Aber zur Ergreifung kam es nicht, denn wir wanden uns laut singend zur Flucht. Und so wurden bei seiner hastigen Nachstellung einige Pferde scheu, Karren kippten um und die Aufregung in der Straße war außerordentlich“. Ihre Erzählung ergänzend, erwähnte die „Beherzte“ dann noch, dass man sie damals leider erkannt habe und ihre Mutter sich für das „schlimme Töchterchen“ wortreich entschuldigen musste. Aber sie habe einen milden Richter gefunden, der nur das unziemliche Aufsingen eines Spottliedes ahnden wollte und sie dazu bestimmte, einige Gutpreis-Singelchen des kleinen Völkchens öffentlich aufzusingen. Das, so bemerkte die „Beherzte“ abschließend, wäre dann der Beginn ihrer Singkling-Laufbahn gewesen. Die Hofdame bedankte sich lachend und die „Beherzte“ beeilte sich, der Hausdame und den anderen Mädchen zu folgen.
Einige Zeit, nachdem die Hofdame sich wieder ihren weiteren Schriftsachen zugewandt hatte, machte sie nachdenklich eine Teepause und ließ ihre Gedanken wandern. Zu den Dingen, die die „Beherzte“ nicht erwähnt hatte. Denn so eine Strafe, das öffentliche Aufsingen eines Gutpreis-Singelchens war im kleinen Königreich sehr gebräuchlich. Aber die eigentliche Strafe war doch, dass wenn das Singerlebnis die Zuhörer nicht begeisterte, dann wurden schlimme Dinge geworfen und Schimpf und Schande brach über den Aufsinger herein. Wer die Zuhörer aber überzeugen konnte, dem wurde angeboten, als Singling in einem Gutpreis-Singverein mitzuwirken. Und da sie wusste, dass die „Beherzte“ in so einem Singverein einige Jahre sehr erfolgreich aufgesungen hatte, war es doch ganz schlüssig, dass sie keine „Strafe“ ereilt hatte, sondern schon damals die Fähigkeit gehabt haben musste, ihre Zuhörer zu berühren und wahrlich zu beherzen.
Zufrieden mit ihrer Schlussfolgerung begann die Hofdame weiterzuarbeiten, aber nicht ohne vergnügt ein Singelchen vor sich hinzusummen. Ein Spott-Singelchen, auch ihr wohlbekannt:
In unserem Städtchen
da gibt es welche
die sind nicht so fein
bewahrt alle Mädchen
vor diesen Ritterlein
Schließt alle Schenken
lasst sie nicht rein
diese ach so durstigen Ritterlein
Den Tag verschlafen, niemals munter
macht keine Pein
diesen ewig müden Ritterlein
Vergeuden Kraft und Müh
beim Bechern bis zur Früh
fehlt Pflicht und Ehr, alles Schein
bei diesen armen Ritterlein
Bedrängt vom Leben süß
schwer zu widerstehen dies
schrecklich’ Versuchung sucht sie heim
diese ach so hilflos’ Ritterlein
Keine Taten mutig, reden tapfer nur
niemals möcht ich sein
so ein elend Ritterlein
Weitere “Märchen-Begriffe”:
Schlimm-Schreib-Themen -Boulevard-Artikel
Bemühgrüppchen – Arbeitsgruppe
„die Beauftragten“ – Auswahl-Kommission
„Klangvertreter“ – Ausgewählte Sänger(innen) verschiedener Musikstile
Sing-Sendling – Teilnehmer des großen Sing-Wettbewerbs
Klangbegleitern – Musiker
Kling- und Singerlebnis – Liedvortrag (Auftritt) mit Orchester
Rundschildmützchen – Hut
Keinzeit-Gründen – Termin-Gründen
„Holdklangblumen“ – die neuen Singmädchen
Gutpreis-Singelchen – Heldenlieder und Kirchenlieder
Singkling-Laufbahn – Gesangskarriere
Beherzen – überzeugen und Fans machen
Der Märchenkurier // 20. 2. 2008 um 23:21
•Monroe’s Declaration
19. 2. 2008 at 21:55
Ich habe etwas für euch, eine „Gute-Nacht-Geschichte“. Diesmal märchenhaft entführend zu den Vorbereitungen für das erste Konzert der Singmädchen in dem Klanghäuschen der Bergstadt. Es werden die Mühen gewahr, bis ein Singerlebnis dargeboten werden kann. Und es wird bekundet, wie die Singmädchen – mit Hilfe ihrer „Unterstützern“ – dies alles meistern. So wie ihr diesen Tag erfolgreich gemeistert habt. Und es nun verdient, die Seele baumeln zu lassen. Bei einer guten Tasse Tee und bei einer wundersamen „Guten-Nacht…..“ …Oh, das sagte ich schon.
Singmädchen-Märchen Teil 5:
Weiches, von dicken Schneeflocken gewandeltes Morgenlicht gab dem weiten Raum eine weihevolle, mythische Stimmung. Ein Klanghäuschen in Erwartung neuer Klangweihen. Fast feenhaft, die vier weiblichen Gestalten, die bedachtsam, still den muschelförmigen Raum durchquerten und sich zu der erhöhten Bühne an dem schmaleren Raumende begaben. Geduldig wartete die Hausdame, die „Witwe Klanghäuschen“, bis die Singmädchen ihre ersten Eindrücke von dem Klanghäuschen verarbeitet hatten. Diese Bühne würde nun für einige Zeit ihre künstlerische Heimat sein. Hier würden sie Aufsingen und sich bemühen den Klanggästen ein berührendes Singerlebnis zu vermitteln.
Dann wurden die Singmädchen von der Hausdame in die Besonderheiten des Klangsaales eingeweiht. Den Erklärungen lauschend, schauten sie beeindruckt über die nach hinten stetig ansteigenden und breiter werdenden Sitzreihen. Ihre Blicke schweiften, von den mit Holzbänken ausgestatteten und mit dünnen Kissen gepolsterten Rängen, bis zu dem Galerien-Stockwerk am breiten Ende des Raumes. Dabei entdeckten sie, dass die Galerien neben weiteren Sitzplätzen auch die Logen für die prominenten Besucher enthielten.
Die gute Sicht von allen Plätzen auf die Bühne betonend, wendete sich die die Hausdame den Singmädchen zu und vermerkte, ihre Anmut bewundernd, dass damit allen Klang-Freunden, neben den Klangwonnen, auch noch blicklich ein göttliches Sinnefreuden-Erlebnis vermittelt würde. Die Singmädchen wurden etwas verlegen und flüchteten sich errötend zu der Frage, welche Aufgaben die über ihnen hängenden, mehrteiligen Holzpaneele hätten. Fachkundig bekamen sie zur Antwort, dass diese Holzblenden, auch Klangblenden genannt, zur besonderen Klangstromführung aufgebaut wären. Durch diese Holzblenden würde der Klangstrom von der Bühne ausgehend so geführt, dass an allen Plätzen die bestmöglichsten Klangwonnen erreicht würden. Auch zeigte ihnen die Hausdame noch ähnliche, gelochte und geschlitzte Klangblenden an den Seiten und im Dachbereich des Klanghäuschens. Damit würde sich die Klangstromzeit verlängern und so den Klang auch im hinteren Teil des Raumes gut vernehmbar machen. Dann meinte die „Witwe Klanghäuschen“ ergänzend, dass sie bei der Nachmittagsprobe noch weitere Feinheiten der Klanggestaltung kennen lernen würden, aber noch sei der Raum nicht ausreichend temperiert für ein abgerundetes Klangerlebnis.
Da wurden die Singmädchen richtig neugierig. Sie hatten schon bemerkt, dass sie den weiten Raum höchstens etwas kühl empfanden, aber wie das möglich war, so mitten im Winter, ohne Kaminfeuer, dafür hatten sie keine Erklärung. Die Hausdame lächelte und bemerkte, dass der Fußboden beheizt würde. Mit einem erhitzten Luftstrom, in Schächten unter dem Steinboden geführt. Eine alte Heiztechnik, die hier in den Bergen nicht verloren gegangen war. Dies fanden die Singmädchen so erstaunlich, dass sie noch am Diskutieren waren, als sie den Mittelgang zurückgingen, um zu dem im Werkshaus gelegenen Probenraum zu gelangen. Auch waren sie begierig herauszufinden, welche Überraschung da nun auf sie warten würde.
Erwartungsvoll in den Probenraum eintretend wurden die Singmädchen sogleich mit freundlichen, vielstimmigen Willkommensrufen empfangen und fanden sich sofort von einer großen Gruppe von freudig bewegten Klangbegleitern umringt. Da waren viele Hände zu schütteln und viele Wangenküsschen auszutauschen. Nie und nimmer hätten die Singmädchen eine so vollständige Klanggruppe zur Aufsingbegleitung erwartet. Charmant übernahm die Hausdame die weitere Einführung der Singmädchen in diese Gemeinschaft von erfahrenen Klangformern und gab noch einige Hinweise zum Zusammenfinden der Klanggruppe. So erwähnte sie, dass in der kalten Jahreszeit viele Klangformer gerne einem festen Winterquartier zugeneigt wären. Und da durch das beheizbare Klanghäuschen auch im Winter die Fortführung des Kling- und Singbetriebes möglich war, hätte sie keine Schwierigkeit gehabt, eine sehr gute Auswahl von Klangformern für die Aufführung von Klangwerken verpflichten zu können. Erstaunt sahen die Singmädchen nach der Begrüßung, dass jeder Klangbegleiter eine vollständige Notenheftausgabe von all ihren Singelchen besaß. Und so vermuteten sie ein schon länger andauerndes, eifriges Üben und Arrangieren, denn die Notenhefte sahen intensiv gebraucht aus und waren mit vielen, ergänzenden Kommentaren beschriftet. Die Hausdame bestätigte ihnen, dass die Klanggruppe schon seit längerem an der Aufsingbegleitung arbeiten würde. Und erwähnte lächelnd auch ihr eigenes Bemühen in der Hauptstadt, die Noten und die allerersten Singscheibchen so früh wie möglich zu erstehen.
Aber dann gab es kein Halten mehr. Heute würden sie nun zum ersten Mal zusammenklingen. Etwas Besonderes war entflammt. Eine fiebernde, erwartungsfrohe Begeisterung. Bei den Klangbegleitern das Begehren, die Stimmen der Singmädchen nun direkt zu hören und bei den Singmädchen der Wille mit dieser wunderbaren Klanggruppe ihr Aufsingen zu neuen Singklinghöhen zu bringen. Kaum erklangen die Cistern, Theorben und eine doppelreihige Harfe, da schwebte schon weich und einfühlsam die Stimme der „Berührenden“ durch den Raum und nach dem Vereinen mit dem warmen Singklang der „Beherzten„ und der hellen, kraftvollen Freudenstimme der „Herzlichen“ entstand ein wundersames Zusammenklingen zu einem sanften Erzähl-Singelchen wie keiner es erwartet hatte. So ein feinklingendes Harmonisieren der Naturtonbegleiter mit den reinen, klangvollen Stimmen ließ die Gesichter der Beteiligten strahlen, steigerte das gemeinsame Empfinden und gebar ein Verlangen nach mehr. Nach immer mehr Klanggemeinsamkeit, all die vielen schönen Singelchen der Singmädchen umfassend. Die Aufsingklänge und die Naturtöner mischten sich zu einem Klangbild, dass nicht nur den Übungsraum einbezog, sondern auch durch Fenster, Türen und Wände drang und in dem Wohn- und Werkshaus eine Stimmung erzeugte, die alle Hausbewohner erfasste und eine besondere Wohlklangfreude erzeugte, wundersam berührend. Da wurde oft mit der Arbeit innegehalten, um lauschend einen besonders schönen Klangstrom zu erhaschen. Und so verging das erste gemeinsame Singerlebnis der Singmädchen mit den Naturtonbegleitern wie im Fluge und wurde erst unterbrochen, als die Köchin zum Mittagstisch mahnte. Noch ganz benommen von den Klangwonnen strömten die Singmädchen und die Klangbegleiter in die Wohnküche und beim Genießen einer einfachen, aber gesunden Winterküche wurde begeistert, mit glühenden Wangen diskutiert und nach weiterer Perfektion gesucht. Und schon jetzt, nach diesem ersten Morgen, zeigte sich ein verschworenes Miteinander der Klangempfindung, ein gemeinsames Band von Sing und Klang, welches sich durch die Singerlebnisse der nächsten Zeit noch weiter festigten sollte.
Nach dem Mittagsmahl nutzte jeder auf seine Weise die Ruhe bis zum nächsten Aufsing-Üben. Die „Berührende“, ihre einzigartige Begabung einsetzend, sich auch mal der allgemeinen Aufmerksamkeit entziehen zu können, erkor sich den verstecktesten Teil der gemütliche Sitzecke in der Wohnküche zu ihrem Rückzugsraum. Die Beine hochgelegt, mit einem langen, feingestickten Versteckschal umhüllt, genoss sie träumend die Wärme des großen, offenen Kamins der Wohnküche. Und da geschah es. Ein schwarzer, weißbepfoteter Kater, auf Martis hörend, hatte diese besinnlich bestückte Ecke entdeckt. Der Liebling der respektierlichen Köchin und der wahre Herrscher der mäusebewohnten Kellerwelt schlich sich leise näher, und mit einem Satz wurde er zur Quelle von lauten Schnurrlauten auf dem Schoß des Singmädchens. Ein Bild vollkommener Harmonie und Geborgenheit. Die Köchin, immer noch fleißig in ihrer Küche räumend, war da überaus verwundert. Dieser Kater, scheu und seine Zuneigung äußerst wählerisch vergebend, schien von der „Berührenden“ genauso verzaubert zu sein wie sie selber. Immer wieder streifte ihr Blick das friedliche und berührende Bild in der Sitzecke und verstohlen ihre Augen mit der Schürze abtupfend rezitierte sie leise vor sich hin:
Still, verborgen, ein anmutig’ Mädchen
in meiner Küch, herzend ein Kätzchen
verzaubert uns all, das Herz tut uns weh
wird wohl sein eine liebreizend’ Fee
möchte erhaschen
mit etwas zum Naschen
ihr berührend, verletzlich Lächeln
Das kleine Völkchen, immer verliebt in Singklingen und Sprachformen. Und um ein Lächeln zu bekommen, kann es auch zaubern. Denn wie durch Zauberhand erschien auf dem Tisch, neben dem beglückten Singmädchen, ein kleiner Teller von duftendem Mandelgebäck und ein Krug mit heißem, wohlschmeckendem Kräutertee.
Aber dann war die Zeit für das nächste Aufsing-Üben gekommen. Und so begaben sie sich nun alle zu der Bühne, in dem nun weiter erwärmten Klangsaal. Die Klangbegleiter formierten sich sitzend unter den für sie bestimmten Klangblenden und begannen ihre Naturtöner zu stimmen. Jetzt erklärte die Hausdame den Singmädchen auch die weiteren Feinheiten der Klanggestaltung mit den Klangblenden. Sie wies darauf hin, dass die über ihnen hängenden, mehrteiligen Holzpaneele veschiedenartige Oberflächen und Anstellwinkel aufweisen würden. Damit hätten sie die Möglichkeit, durch die Wahl ihrer Aufsingposition den Eindruck der Lautstärke für die Klang-Freunde zu beeinflussen. So könnte die, mit der Stimmlage sich verändernde Lautstärke ausgeglichen werden. Das interessierte die Singmädchen außerordentlich. So wurde diskutiert, dass die „Herzliche“ ihre Position wenig verändern sollte, da die eindrucksvolle Intensivität ihres Singklingens mehr mit dem Klang ihrer Stimme zu tun hätte, als mit ihrer Lautstärke, und somit mit einer weniger optimierend wirkenden Klangstromführung harmonieren würde. Besonders die „Berührende“ war davon angetan, ihre, bei tiefer Stimmlage leiser werdende Stimme für den Klang-Freund anzuheben und auch die „Beherzte“ meinte bekundend, ein verstärkend wirkender Eindruck könnte ihre, sehr hohe Stimmlagen erreichende, Sing-Jauchzer weiter vervollkommen. Dies erprobte sie dann auch bei dem anschließenden Aufsingen eines besonders anspruchsvollen Erzähl-Singelchen. Einem Singelchen, der immerwährenden Suche nach der Herzschmerzchen bedingenden Liebe gewidmet. Sie fügte harmonisch einen solch intensiven Sing-Jauchzer in ihren Sing-Vortrag ein, dass die Klangbegleiter große, staunende Augen bekamen und einige von ihnen vor Verwunderung fast das, zum Anschlagen der Zupf-Naturtöner gebräuchliche, Spielplättchen verloren hätten. So etwas, so eine ekstatische Steigerung hatten sie ja noch nie vernommen. Und fragten sich, welchen Überraschungen diese Klangwundermädchen ihnen noch bereiten würden. Da brauchten sie nicht lange zu warten. Sie hatten gerade alle ein weiteres Singelchen über Gefühle, Enttäuschungen und Hoffnungen klanglich zur Vollkommenheit gebracht, da genügte ein Blick, ein gegenseitiges Verstehen, und die Singmädchen wiederholten den tongeformten Wiederkehrvers des Singelchen nach dem Abklingen der Naturtöner mit tonsicheren, glasklaren Stimmen. Da schwebte ein solch alleiniger, reiner Stimmzauber durch den Klangsaal, dass alle, die Klangbegleiter und einige, sich leise eingefundene Bedienstete des Klanghäuschens, nach dem Verwehen des mehrstimmigen Singklingens noch ergriffen, wie erstarrt, dasaßen und sich sicher waren, himmlische Klangwonnen vernommen zu haben.
Während die Gemeinschaft von Sing und Klang ihr Üben in dem Klangsaal mit einem schwungvollen Tanz-Singelchen weiterführte, begab sich eine zierliche, in einen grauen Mantel gehüllte Gestalt, etwas zögernd in den großen Innenhof des Wohn- und Werkshauses und fragte leise, irgendwie verzweifelt nach den Singmädchen. Berührt durch das mütterliche, sorgende Gesicht der schlanken Gestalt, verständigte ein Bediensteter des Klanghäuschens die Hausdame. Und so geschah es, dass etwas später, in dem Schreibzimmer bei einem heißen, honiggesüßten Tee zusammensitzend, die „Witwe Klanghäuschen“ und die Hofdame den verzweifelten Wunsch einer Mutter kennenlernten. Die Frau war eine Stadtmutter. Eine Mutter, die Waisenkinder, auch Sorgenherzkinder genannt, in ihre Familie aufnahm und wie ihre eigenen Kinder großzog. Das System in der Bergstadt war einfach. Man unterhielt kein Waisenhaus, sondern brachte verwaiste Kinder mit finanzieller Unterstützung der Stadt bei Pflegefamilien, bei den Stadtmüttern unter. Da die Arbeit in den Schürfschächten und Eisenschmelzen gefährlich war, unterstützten die Einwohner dieses System und nahmen die Sorgenherzkinder liebvoll in ihren Familien auf, da sie wussten, dass es morgen auch ihre Kinder treffen konnte.
Die Stadtmutter hatte nun ein Sorgenherzkind, ein kleines Mädchen in ihre Familie aufgenommen, dass vor einigen Monaten, nach der Mutter, nun auch den Vater bei einem Unfall in einem Schürfschacht verloren hatte. Und da es keine Verwandte hatte, die sich um das kleine Mädchen kümmern konnten, war es zu ihr gekommen. Es war immer sehr traurig gewesen und nur abends, wenn die Stadtmutter den Kindern ein Schöntraum-Singelchen aufsang, kam ein sanftes Leuchten in ihre Augen, wandelte sich der traurige Ausdruck in ihrem Gesicht. Es liebte das Aufsingen über alles. Aber nun sei das Sorgenherzkind krank geworden und der Oberheiler der Stadt war sehr besorgt. Er sprach von fehlendem Lebensmut, von einer zu großen Traurigkeit, mit der das kleine Mädchen erfüllt sei. Und die Stadtmutter erläuterte bedrückt, dass all ihr Bemühen nicht ausgereicht hätte dem Mädchen zu helfen. Aber vielleicht könnten die Singmädchen etwas erreichen? Mit einem Besuch am Krankenlager des Mädchens, ein Erzähl-Singelchen aufsingend. Vielleicht würde der Klang ihrer Stimmen die Mauern aus Traurigkeit durchbrechen und dem Sorgenherzkind wieder frischen Lebensmut zuführen. So viel Wundersames über das Singklingen der neuen Singmädchen hätte sie schon gehört. Händeringend, verzagt saß die Stadtmutter da und schaute die Hofdame bittend an. Man hätte ein Herz aus Stein haben müssen, um dieses Hilfebegehren abzulehnen. Das aber hatte hier niemand. Und so versprach die Hofdame, dass die Singmädchen nach dem Abendbrot zu dem Sorgenherzkind kommen würden. Die „Witwe Klanghäuschen“ kannte das Familienhäuschen der Stadtmutter und meinte, dass der Weg nicht weit wäre. Erleichtert und beglückt bedankte sich die Stadtmutter und nach einem umarmenden und „Gute Besserung“ wünschendem Verabschieden ging die Stadtmutter zu ihren sorgenden Tagesaufgaben zurück.
Die Hofdame und die „Witwe Klanghäuschen“ saßen noch eine Weile nachdenklich, Tee genießend zusammen und besprachen den weiteren Tagesablauf. So beabsichtigte die Hofdame die Singmädchen-Schützer umgehend zu informieren, dass am Abend ihr schützendes Geleit gebraucht würde und die Hausdame wollte das Sing-Üben nicht zu lange dauern lassen. Und damit die Singmädchen auch informieren, dass ein kleines, krankes Mädchen ihre besondere Hilfe, ihren Hoffnung bringenden Singzauber benötigen würde.
Träumt ihr schon? Ist doch sehr märchenhaft, so ein Tag bei den Singmädchen. Und mit der Gewissheit, dass noch viele schöne Märchentage kommen werden, lässt es sich bestimmt gut einschlafen. Und träumend, erquickend durchschlafen. Für einen neuen Morgen, für einen neuen Tag.
Weitere “Märchen-Begriffe”:
Klanggäste – Zuhörer
Klang-Freund – Zuhörer
Klangwonnen – Hörerlebnis, Akustik
Klangstrom – Schall, Schallleitung
Klangstromführung – Akustikbeeinflussung, Schallwellenführung
Klangstrom – Schall, Schallleitung, Musikteil
Klangstromzeit – Nachhallzeit
Probenraum – Musikzimmer
Klanggruppe – Orchester
Klangformer – Musiker
Klangwerke aufführen – Konzert mit Orchester
Sing und Klang – Liedvortrag mit Orchester
Martis – Dienstag (von martis dies)
Sprachformen – Poesie
Spielplättchen – Plektrum
Zupf-Naturtöner – Cister, Theorbe, Laute, Harfe, etc.
Tongeformter Wiederkehrvers – Refrain eines Liedes
Sorgenherzkind – Waisenkind
Schöntraum-Singelchen – Gute-Nacht-Lied
Oberheiler – Hausarzt
Ach, noch etwas „Kleines“. Ohne die tollen, fachkundigen Informationen von „Purples“ wäre mir „Vieles“ nicht möglich gewesen. Seine „Sing- und Klanggedanken“ sind eingewebt in die Geschichte….Danke.
Referenz:
http:/ /ichsagpop.wordpress.com/2007/11/10/monrose-und-das-leidige-thema-%e2%80%9aplayback%e2%80%99/