Nützliche Handreichungen für Casting-Novizen, II

Wie sieht’s aus, Leute? Bei H&M neu eingekleidet im Mumi-Look? Ein paar lässige Moves auf der heißen Herdplatte einstudiert? Und jetzt seid ihr reif für die Monumentalszene? Der glatzköpfige Kommunikator mit dem großen Megaphon betritt die Bühne und spricht zu den Massen? Die Menge teilt sich, und die Jury schreitet hindurch wie Moses durch das Rote Meer? Und auf dem Regiestuhl lächelt Ridley Scott seelig im 16:9-Format?

Wenn ihr euch da mal nur nicht täuscht!

Beim Popstars-Casting 2006 in Frankfurt war eine junge Dame namens Chanel M. unter den Bewerberinnen. Und im Unterschied zu einigen anderen ist sie offenbar nicht nur des Schreibens mächtig, sondern sie hat ihre Erlebnisse beim Casting auch öffentlich gemacht – auf der Website von Casting Agentur.

Denn Casting-Agentur hatte zuvor (als eine von vielen Websites und Zeitungen) die Hurra-Pressemeldung von Prosieben unter die Menschheit geblasen, wonach 1031 Mädchen allein bei diesem Casting in Frankfurt waren.

Keine Frage, beim ersten POPSTARS-Casting am vergangenen Samstag in Frankfurt war der Andrang groß. Insgesamt 1031 Nachwuchssängerinnen kamen ins Dr. Hoch’s Konservatorium und wollten nur eines: Musikproduzenten Dieter Falk, Nina Hagen und Choreographen Detlef D! Soost von ihrer Stimme überzeugen!

Chanel hatte vor Ort allerdings völlig anders gezählt:

Zu den Nummern muss man dazu sagen, dass diese erst ab 1000 anfingen und keineswegs ab 0, wie viele wohl bisher dachten. Im Internet veröffentlichte Pro Sieben zudem, dass 1031 Nachwuchssängerinnen anwesend waren. Selbst wenn man die ganzen Begleitpersonen dazu gerechnet hätte, wäre es unmöglich gewesen auf 1031 Bewerber zu kommen. Es waren nur 200 bis 300 Sängerinnen anwesend, welche verzweifelt, mit einem Kribbeln im Bauch auf ihren ersehnten Auftritt warteten.

Und (natürlich) weiß Chanel zu berichten, was auch die Kandidaten von DSDS regelmäßig berichten: Es gibt eine Vorjury im Hinterzimmerchen – ohne die prominenten Nasen. Bei ihrer Vorauswahl werden drei Gruppen gebildet: Die Guten, sie kommen vor die eigentliche Jury. Die Mittelmäßigen, sie dürfen nach Hause fahren. Und die Grottenschlechten, die dürfen sich zur Belustigung des hochverehrten Publikums ihre Klatsche von Herrn Soost persönlich abholen.

Um 12.30 Uhr wurde bekannt gegeben, dass alle mit einem schwarzen und roten Stempel weiter sind und alle grünen draußen. Die Methode, welche Bewerberinnen sie weiternehmen, war vielen glasklar: Alle Girls, wo auffielen oder toll sangen kamen weiter. Alle Girls die richtig schlimm sangen kamen auch vor die Jury. Denn im Fernsehen muss man schließlich beide Seiten sehen, die Guten und die Schlechten. Durchschnittstypen waren unbrauchbar und zu langweilig (Farbe grün). Alle Mädchen mit einem roten und schwarzen Stempel mussten vor der „richtigen“ Jury singen. (Musikproduzenten Dieter Falk, Detlef Dee! Soost und Nina Hagen.)

Also, ihr lieben Mover und Shaker, merkt euch gut, was Brandy euch sagt – ihr dürft alles sein, nur eins nicht: mittelmäßig! Und eins noch: Sie sind seeeehr kreativ bei Tresor TV! Also könnte es durchaus sein, dass bei Popstars 6 die mit dem roten Stempel verkackt haben. Oder die mit dem schwarzen. Oder vielleicht kommt eine findige Assistentin sogar auf die Idee, diesmal einen blauen Stempel mitzunehmen. Regel 1: Im Showbizz weiß man nie!

Versteht mich jetzt nicht falsch: Opa Brandrede ist kein Spielverderber. Ich halte es im Sinne einer Unterhaltungssendung für absolut legitim, nach Leuten mit hohem Unterhaltungswert auch in die Daumen-runter-Richtung zu suchen. Und bislang hat sich man bei Popstars in dieser Hinsicht weitaus ziviler verhalten als bei DSDS, wo wir in dieser Staffel einige Fälle erleben durften, die man besser auf die Therapeutencouch gebracht hätte, als sie uns in unsere Wohnzimmer zu beamen.

Nur für eines möchte ich euch unbedingt sensibiliseren: Falls Herr Soost mal wieder seine genervte Nummer mit den rollenden Augen bringen sollte und Sätze stöhnt wie „Wie kommt jemand wie du auf die Idee, sich hier zu bewerben“ oder „Ich werd jetzt echt ärgerlich, du verschwendest meine Zeit“, dann…

… ja dann sagt ihm einen schönen Gruß von Opa Brandrede und er soll sich gefälligst nicht bei euch beschweren, sondern bei der Vorjury von Tresor TV, die euch als Deppen-Acts der Nation auf die Bühne geschickt hat!

Aber ihr macht das schon: Kappe schief aufsetzen, crazy Steps raushauen und Text nicht vergessen. Ach so, Text lautet: Dumm ist der, der Dummes tut.

Teil 1 von Nützliche Handreichungen für Casting-Novizen, der schonungslosen Serie von Opa Brandrede, könnt ihr übrigens hier nachlesen.

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Ein Kommentar zu “Nützliche Handreichungen für Casting-Novizen, II

  1. Pingback: Die nächste Generation singt schon « Carla’s & Brandy’s Recall

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