Wie man Teenieschweiß in Tüten verkauft

Der häufigste Einwand, den ich höre, wenn die Rede darauf kommt, dass Prosieben/ Starwatch kein wirkliches Interesse an Monrose hat, lautet:

Aber Opa Brandrede, die haben doch erst in Monrose investiert! Warum wollen sie jetzt nicht die Früchte dieser Arbeit ernten?

Die Antwort:

Die Frage geht von einer fundamentalen betriebswirtschftlichen Überlegung aus, die für das Produkt Monrose (leider) nicht gilt. Jedes herkömmliche physische Produkt benötigt zuerst einmal – oft sehr hohe – Vorlaufkosten für Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Werbung.

Bei Popstars ist das völlig anders: Die Entwicklungskosten sind in meiner Buchhaltung nicht die Entwicklungskosten für eine Band, sondern die für eine Unterhaltungssendung. Es sind also Kosten, die ich ohnehin habe, wenn ich als Sender Sendplätze befüllen muss. Und da gibt es wesentlich teurere Formate als eine Doku-Soap, bei der ich einfach ein Dutzend Kinder in eine feudale Jugendherberge einquartiere und sie beim Hüpfen abfilme.

Gewiss, Herr D! und Konsorten möchten ein kleines Honorar, aber auch da kann ich vieles in Naturalien auszahlen – etwa in Form von Promotions für die Produkte dieser Damen und Herren. Bisschen Werbung für ne Dance-CD. Oder gleich noch mit Frau Hagen ne andere Lücke im Sendeschema kostengünstig füllen.

Das eigentliche Rohmaterial, die kleinen lieben Casting-Versuchstierchen kosten mich so gut wie nichts. Essen. Trinken. Saubere Betten. Balletsaal zum Üben. Und der filmische Produktionsaufwand dürfte kaum höher sein, als wenn ich in der Ahornallee das siebenundvierzigste klassische Soapdrehbuch mit Aushilfsschauspielern abdrehe.

So, nun zum größten Batzen der Herstellungskosten. Das ist der Einkauf von geeigneten Musiktiteln. Hier hat sich Starwatch für das erste Album nicht lumpen lassen. Es wurde nettes marktgängiges Material von gut beleumundeten europäischen Songschreibern eingekauft und – zwar hastig, aber durchaus solide – produziert. Ich gehe mal davon aus, dass die Plattenverkäufe bis heute diese Kosten wieder reingeholt und Gewinn gebracht haben. An den Konzerten muss ich also schon nichts mehr verdienen; es reicht, wenn der Konzertveranstalter nicht in die roten Zahlen rutscht und mich verflucht.

Und die Werbung, die andere teuer für ihre Produkte einkaufen müssen? Die ist für mich als Sender in meinem Programmen nicht nur kostenlos, nein, sie hilft mir im Gegegteil sogar, Programmformate wie taff und blitz ständig mit Pseudonews zu befüllen und damit wiederum Geld zu verdienen. Und was kann es für mich als Sender Schöneres geben, als zwischen Januar und März meine sämtlichen Showformate mit einem Music-Act zu befüllen, der keine Gage verlang, sondern sich über die Promotion freut?

Wir vergleichen: Wo der normale Markenartikler bis zum Launch seines Produkts Millionen Investitionskosten versenkt hat, wird bei einem TV-Casting eben gerade in dieser Launchphase das Geld verdient. Paradox, aber genau das ist der kleine Unterschied. Verdammt verführerisch, oder?

Und das Spiel spielen wir in Staffel 6 jetzt gleich noch mal – nur ne Nummer größer.

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14 Kommentare zu “Wie man Teenieschweiß in Tüten verkauft

  1. Haarscharfe Analyse. Hier die Überlegungen von Herrn Bohne von Polydor, geäußert 2001:
    „Casting heißt ja nur, dass man speziell bestimmte Talente zusammenführt, um ein bestmögliches Bandergebnis zu haben. Der Aufwand, mit dem diese Band gecastet wurde, ist sicher nicht alltäglich. Sie hat sich wahnsinnig gut verkauft, man müsste also eher über die Zukunft des Modells „Popstars“ reden. Die Fernsehserie wird fortgesetzt, aber die Leute wissen jetzt, wie so etwas funktioniert. Das Format Popstars ist mit seinen Erfolgen nicht unendlich wiederholbar.“
    (http://www.faz.net/s/RubCC21B04EE95145B3AC877C874FB1B611/Doc~EA5586D5D9
    0384DCE829BB6B3F037BFF3~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

    Ich würde sagen, heute heißt Casting etwas anderes, und ist wahrscheinlich ohne das Wort ‚Show‘ in den Köpfen vieler nicht mehr denkbar. Damit hat sich das Konzept an sich verschoben: Ziel ist nun — wie dDu es sagst — in erster Linie die billig produzierte Show (Marco S. und seine Co-Moderatorin würden NIRGENDS eine Samstagabendshow in 2. Staffel moderieren, aber zusammen mit den wannabe-Superstars reicht’s dann doch, um durch den Abend zu kommen) und in zweiter Linie das Erzeugen von Träumen. Ich denke, von denen, die jetzt in Deutschlands Hotels mit den Tanzhufen scharren, denken sich viele: ‚Diesmal klappt’s bestimmt. Diesmal kommt die Band groß raus. Diesmal ist alles echt.‘ Und schon sind sie wieder eine Runde weiter. Nicht die wannabe-Stars, sondern Roost-Macias, Soost, Falk & Co.

  2. Bandrede, ich möchte nicht der Nagel sein, den Du da getroffen hast.

  3. Grundsätzlich wäre da aber auch folgende Überlegung denkbar: Toll, ich habe ein Produkt aufgebaut, ohne investieren zu müssen, und habe schon an der Produktion verdient („der Weg ist das Ziel“). Umso toller, wenn ich danach ein Produkt habe, das ich praktisch „umsonst“ bekam und mit dem ich auch noch langfristig zusätzliches Geld verdienen kann.

    Der Haken ist aber wahrscheinlich der, dass es Merchandising Media und Tresor zu anstrengend ist, danach eine Band wie Monrose weiter zu fördern und damit nur einen geringen Gewinn zu machen (der für kleine Plattenfirmen unter umständen durchaus akzeptabel wären), wenn sei gleichzeitig ihre finanziellen und personellen Ressourcen dazu nutzen können, schon wieder mit der nächsten Produktionsphase wesentlich mehr zu verdienen.

    Trotzdem, irgendwie bin ich der Meinung, dass es schon alleine deshalb nicht weitsichtig ist, weil ein erfolgreiches Monrose auch die Quoten der nächsten Staffeln erhöhen könnten. Schließlich wurde in Popstars 5 immer von den erfolgreichen NA geschwärmt. Wollen sie diese historische Erfolgs-Story echt noch einmal für Staffel 6 auspacken, um die Kids an den potenziellen Erfolg der nächsten Band glauben zu lassen?

  4. Das ist die Frage, wie ich Kerngeschäft und Nebengeschäft in Balance bringe. Lass es mich so sagen:

    ProsiebenSat1 ist ein hochmoderner Walfänger mit teuerster Technik vom Superradar bis zur ganz dicken Harpune, mit dem ich jeden Abend zwischen 20 und 22 Uhr mindestens 3 bis 4 Wale erlegen muss, damit sich Diesel, Crew und sonstiger Unterhalt für diese Riesenmaschine amortisieren. Das ist allererste Priorität in dem Laden.

    Und dann gibt es Hansi Fink mit seinem kleinen Kutter Starwatch, der bezeichnenderweise organisatorisch unter MM Merchandising, also (um es despektierlich zu sagen) unter dem Fanartikelshop von Prosieben angesiedelt ist.

    Hansi hat also einen kleinen, wendigen Kutter mit ner kleinen, motivierten und fleißigen, aber meines Erachtens im Musikfischfang nicht besonders bewanderten Crew, mit dem er hinter dem dicken Walfänger hertuckert und den Beifang auffischt.

    Mehr ist das nicht. Jedenfalls nicht im Moment. Wenn Hansi mit seinem Beifang wirklich richtig dick Geld in den Fischdelikatessläden verdient, wird man ihm vielleicht den nächstgrößeren Kutter geben. Aber momentan hat er sich gefälligst in der Gischt des Mutterschiffs zu halten.

  5. Trotzdem verstehe ich nicht warum diese Leute nicht 1 und 1 zusammen zählen können.

    Natürlich können sie an einer Casting Show, mit relativ wenig risiko eine hübsche stange Geld verdienen.

    Aber ich in meiner naivität denke mit einem Künstler der langfristig und gut am Markt etabliert ist, kann man doch wesentlich mehr verdienen.

    Der vergleich hinkt zwar ein bischen, aber ich würde gerne mal wissen. Was die Leute verdienen die zum Beispiel hinter Justin Timberlake stehen, z.B. Manager und Plattenfirma. Ich meine der Junge ist in den USA schon eine eigenständige Marke, und wenn er ne CD veröffentlicht, ne Tour startet und da bei noch ne Pepsi trinkt. Möchte ich mal wetten der gewinn bewegt sich im dreistelligen Millionen bereich.

    Da würde ich doch mal überlegen, wenn ich schon ein Künstler habe der Potenzial hat, ob es nicht doch von vorteil wäre ihn richtig massiv aufzubauen. Das risiko ist zwar größer aber wenn es funktioniert, würde es sich doch auch langfristig lohnen.

    Da bleibt nur die frage nach dem berühmten Können oder Wollen sie nicht

  6. So weit ich das sehe, gibt es in Starwatch keine sonderlich große Musikexpertise. Hansi ist Marketingmensch, ich glaub sogar ein guter, aber kein Musikimpressario.

    Warner hat in dem Laden nichts zu sagen, Starwatch gehört zu 100% ProsiebenSat1. Ich hab noch nie ein Fitzelchen Text gefunden, wo sich irgendeinen führender Kopf von Warner strategisch zu Starwatch bekannt hätte. Die organisieren die Produktion und den Vertrieb in den Musikladen. Fertig.

    Eine Monrose-CD ist für MM Merchandising Media ein Fanartikel – genau wie ein Kaffeebeecher mit Stromberg drauf, sonst nix.

    Und bei Cheyenne? Holgi ist ein Filmmensch, offenbar mit starker Affinität zur Musik, sonst hätte er sich nicht an das Format gewagt. Aber wenn Prosieben der Walfänger und Starwatch der Kutter ist, dann ist für ihn Tresor TV das ertragreiche Familienunternehmen im Industriegebiet und Cheyenne die Kunstgalerie in der Innenstadt, in der man eben sein Hobby auslebt.

  7. Schade das dieses Hobby daraus besteht die Träumen von Kids stück für stück zu zerstören.

    Da würde mich mal Interessieren was die Mädels die Situation untereinannder zu bereden pflegen.

    Ich meine wenn mal nicht Joy die schrenke nach Schokoriegeln filst, oder eine Taff Kammera dabei ist.

    Also mich würde so ein scheiß echt frustrieren, und vor allem können sie im moment nichts weiter machen als „Gute Miene zum Bösen spiel“

    Und das ist vieleicht für die Mädels das Schlimste

  8. Schau bei den Interviews in Mandys Gesicht. Sie ist die, die sich am wenigsten verstellen kann.

  9. Genau, daran denke ich schon die ganzen letzten Tage.

    Ok. Sie müssen. Aber dass die das auch schaffen – und die Berichte der Konzertbesucher zeugen davon – das bewundere ich sehr. Mein Respekt gegenüber den Mädels, vor allem Mand, da sie nunmal die jüngste ist, ist in den letzten Tagen erheblich gestiegen.

    Aber vielleicht hat Joy ja mal was geleistet, und es geschafft, die entsprechenden Infos von den Mädchen fernzuhalten. Nu wie lange kann sowas gehen?

  10. Brandrede, Du hast da was gesehen?
    Hab‘ ich wohl nichr richtig hingeguckt…

  11. Was ich ja dabei immer makaber finde, ist die Vertrauensfrage.

    Ich denke das die Mädels einfach den ganzen läuten vertraut haben, wie z.B. Soost, Falk, Hagen.

    Die ihnen nach dem Finale als es ans unterschreiben ging, warscheinlich immer noch erzählt haben, das die Chance eures lebens, Unterschreibt einfach da wo das Kreuz ist, lesen braucht ihr es nicht unbedingt

    In wieweit die Jury einsicht in die Verträge hatten kann ich nicht beurteilen, aber zumindest D! macht das ganze ja nicht zum erstenmal.

    Und da die anderen beiden auch wieder brav ihren platz am Buzzer einnehmen, haben sie für mich aus Menschlicher sicht auf jeden fall versagt.

    Und das war auch meine Kritik die letzten Tage am Managemant, wer weis wie viel die Mädels von der ganzen Presse mitbekommen, ich selbst würde es ja nichtmal wissen hätte ich kein Internet.

    Aber ich gehe davon aus das sie Joy blind vertrauen, weil sie einfach zu wenig erfahrung im Musik business haben, und Joy sollte sie eigentlich in solchen Situationen schützen und mit Rat und Tat zur seite stehen, und nicht einfach die Nachrichten von ihnen fern halten, und das nenne ich im Interesse der Band handeln.

    Aber das wird halt nicht klappen, wenn sie anstat für Monrose für die Plattenfirma arbeitet.

  12. Webster59, den fleißigen Forenbesuchern unter euch sicherlich als unermüdlicher und gut informierter Aktivist bekannt, schreibt auf Monrose-Forum.net.


    Die Plattenfirma hat das Konzept für Monrose (gemeint ist das von mir oben beschriebene Ex-und-Hopp-Konzept, Anmerkung Brandy) vor ca. 2 Monaten über den Haufen geschmissen. Die Gründe lassen sich schnell aufführen:
    – Eine in der Nach-No-Angels-Zeit bisher nicht gekannte Fan-Gemeinde, die für die Engel scheinbar durch das Feuer geht
    – Hohe Chartpositionen in nahezu allen Hörercharts der Republik – ermöglicht durch eine noch nie dargewesene forenübergreifende Voting-Aktion.
    – enorme Verkaufszahlen (Temptation war über Monate nicht aus den Top40 zu bekommen)

    http://www.monrose-forum.net/thread.php?postid=37977#post37977

    Ich muss sagen, dass ich bis vor wenigen Tagen geneigt war, diese Auffassung von Webster zu teilen. Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass man bei Starwatch durchaus darüber nachdenkt, mit Monrose auf dem kleinen Fischkutter in Richtung zweites Album durchzustarten. Aber ob dieser positive „Plan B“ hausintern tatsächlich so durchsetzbar ist, bezweifle ich seit dem Roost-Macias-BILD-Gau sehr.


    PS. Ich mach jetzt Feierabend für heute.
    —offline—

  13. Geht mir genauso.

    Den Gedanken an ein zweites Album hab‘ ich schon lange verdrängt. Nicht zuletzt, weil trotz der Verschiebung und dem sich daraus ergebenden Zeitgewinn zu 99,9% ein Track vom Album (Do That Dance) genommen wird und nicht doch ein völlig neuer Titel, quasi als Vorgriff auf’s neue Album.

  14. Da tobt IMHO momentan ein Machtkampf – und der ist heftiger, als wir es bei Bernd Stromberg vs. Herrn Becker je erlebt haben.

    — jetzt wirklich off—

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