Was habt ihr eigentlich erwartet?

Offene, nicht bös gemeinte Frage in die Runde hier:
Was habt ihr gedacht, würde die Presse über die Konzerte schreiben?

Bedenkt, dass Journalisten in der Regel Menschen sind, die kein Fanleibchen anhaben, sondern sich das Geschehen von außen betrachten. Ihr wollt einen offenen Brief an die Presse schreiben? Was wollt ihr beilegen? Ein Phantombild der erdigen RnB-Band, die nur in unseren Köpfen existiert? Es dürfte leichter sein, eine Haarlocke von D! zu beschaffen.

Seht doch mal die Realität, auch wenn es weh tut.

Die positive Nachricht: Die Mädels haben – wie Heinz Henn sagen würde – voll abgeliefert. Aber was hat man sie abliefern lassen? Man hatte ursprünglich mal eine Live-Band avisiert, jetzt liegt eine Playbackmaschine im Orchestergraben. Da sind drei Mädels und ne Hüpfegruppe im Hintergrund, die gegen ein ohrenbetäubendes Kreischen ansingen; wie einige in den Foren munkeln, werden die Stimmen in einigen Passagen halbplayback unterstützt (was bei diesem Lärm wahrscheinlich durchaus angesagt und legitim ist). Sie haben das Repertoire drauf, das man eben hat, wenn man erst ein Album draußen hat und covern ein paar andere Lieder. Was erwartet ihr, welche feinsinnigen Entdeckungen der Rezensent auf dem Konzert macht?

Nochmals: Sie liefern voll ab. Aber was sie da in nicht ganz ausverkauften Hallen abliefern, das ist nun mal das, was der Volksmund als Teenie-Plastikpop bezeichnen würde. Wer das gut findet – schön für ihn, ich gönne ihm das Konzerterlebnis. Aber man muss damit leben, dass Teenie-Plastikpop auch Teenie-Plastikpop genannt wird. Es gibt keine Pflicht zur positiven Berichterstattung. Es gibt keine Pflicht, die große Soulstimme in Mandy zu erkennen, wenn fünf männliche Hupfdohlen um sie herumspringen. Es gibt keine Pflicht, sich auszumalen, was man aus diesen drei Talenten hätte machen können, wenn man sie nicht phantasielos auf die Zielgruppe 12 bis 16 Jahre festzementiert hätte. Das ist unsere Kür hier. Verlangt das bitte nicht von einem Lokaljournalisten.

Was es gibt, ist die Pflicht zur Recherche. Und da wird zu vieles unbesehen aus irgendwelchen Quellen abgeschrieben. Entweder PR-Meldungen der Plattenfirmen oder Negativmeldungen wie die von BILD. Das ist tatsächlich Shame.

Aber den offenen Brief – sagt mir, was wollt ihr in den reinschreiben und reinlegen?

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16 Kommentare zu “Was habt ihr eigentlich erwartet?

  1. Du hast doch nicht etwa geglaubt, dass ich das ernst gemeint habe???
    Natürlich nicht!

    Aber es bleibt ein Ärgrnis, dass alle bisherigen Reszensenten den Eindruck erwecken, sich keinen eigenes Bild gemacht zu haben. Und wenn doch, stellt sich die Frage, ob sie die zielgruppengerechte Kompetenz mitbringen. Obwohl es an der Gestaltung der Konzerte aus unserer Sicht einiges zu bemängeln gibt – die meisten (zumeist jungen) Besucher haben offensichtlich ihren Spass.

    Man schickt doch auch keinen (Nur-) Billardexperten zu ’nem Fussballspiel……

  2. Purple,
    ich wollt noch im besagten Thread dazuschreiben, dass du mich zu einem neuen Beitrag inspiriert hast, ich aber schon verstanden habe, wie du das gemeint hast. 😉

    Was ich jetzt hiermit nachhole.

    Das mit dem Spaß sehe ich genauso. Das soll jeder genießen und auskosten. Aber man darf sich bitte nicht wundern, wenn das andere Leute eben anders sehen. Vor allem: Wenn ich durch die Foren schleiche, habe ich den Eindruck, viele Fans halten Monrose so wie sie sind für das Beste seit Erfindung von geschnitten Brot. Sind sie es denn?

    Es gab nach dem ESC-Aus diese Haltung: Alle anderen sind Deppen. Und die gibt es jetzt auch wieder. Beruhigend fürs eigenene Fan-Ego mag das sein. Hilfreicht fürs Weiterkommen eher nicht.

  3. Ich vergaß zu erwähnen, dass sich die Presse genauso verhält, wie ich es erwartet habe.

    Mit der „Vorlage“ von HRM hatte ich natürlich nicht gerechnet…..

  4. Wir kommen immer wieder an den gleichen Punkt: Die Steilvorlage von Holgi ist das Problem. Und er ist Medienprofi genug, um zu wissen, dass es eine Steilvorlage war.

  5. Moin, Opa Brandrede.

    Ich erwarte eigentlich von Konzertberichten nur, dass sie stimmen und nicht die persönliche Abneigung des Autors widerspiegeln.

    Ich gehe doch auch nicht als Reporter zu den Zillertaler Jodelkönigen und schreibe, die können ja noch nicht mal richtig deutsch und deren Musik ist sowieso scheisse, deswegen werden sie sowieso keine Platte mehr machen. Jodeln können andere besser

    Wenn ich zu den Zillertaler Jodelkönigen gehen würde, sähe mein Konzertbericht in etwa so aus:

    1500 begeistere Fans liesen sich von den Zillertaler Jodelkönigen 2 Stunden lang bei ohrenbetäubenden Mitgejodel unterhalten.

    Dann kann man noch schreiben, dass es keine Band gab und die Schrammelmusik vom Band kam, dass im Hintergrund 6 Mädels im Dirndl rumgehüpft sind.

    Und gut ist.

  6. Scho recht, aber viele fühlen sich scheinbar dazu berufen, da noch so ne konsumkritische Metaebene einzuziehen. Übrigens AUCH bei Volksmusikveranstaltungen. Also wenn ich über die Zillertalter Jodelkönige schreiben würde – au weia, das gäb ein paar Watschn! 😉

  7. Da kann ich mich nur Anschließen, wenn sie schon keine Meinung zum Thema haben sollten sie sich doch die Kommentare sparen, vor allem wenn es für den Leser so erscheint als hätten sie selbst nie eines der Konzerte besucht.

    Ich lasse jeden seine Meinung Äußeren, aber der Rahmen sollte stimmen, das heißt für mich in diesem fall. Das ich von Journalisten, auch von der Regionalpresse, oder den Onlinediensten erwarte in der Regel Vorbehalt los an ein Thema ran zu gehen, zu reschachieren, und dann die Meinung so neutral wie möglich zu Papier bringe, und nicht nach zu schreiben, oder einfach alles schlecht zu reden.

    Was die Presse betreibt ist für mich der gleich quatsch den die ganzen Hater (was für ein Wort) betreiben. Es ist eine wie ich finde Provokation, die unangebracht ist, und somit reine Meinungsmacherei. Ich gehe ja auch nicht vor Holgis Haustür und lasse meinen Frust dort raus, obwohl verdient hätte er es schon.

    Wie schon gesagt denn Fans hats gefallen, und ich nehme mal an es wird auch mir gefallen wenn ich hier in Berlin zum Konzert gehe. Und das ist das wichtigste.

    Ist warscheinlich zu viel verlangt.

  8. Das Problem ist, einen kritischen Anspruch vor sich herzutragen, der sich dann aber in Stereotypen und Klischees erschöpft, ohne sorgfältig hinzuschauen und der Sache gerecht zu werden.

    Keine Ahnung, wie man Journalisten dazu bringen kann, sorgfältiger hinzuschauen. Ich glaube: gar nicht.

  9. Aus diesem Grunde hatte ich neulich, nach dem ich einigenegative Berichte über die TH-Tour gelesen hatte, im pro7-Forum die Hoffnung geäußert, dass die Presse – zumindest anfänglich – uninteressiert schweigt.

    Mit der Volage von Holger hat sich diese Hoffnung aber leider zerschlagen.

  10. „Keine Ahnung, wie man Journalisten dazu bringen kann, sorgfältiger hinzuschauen. Ich glaube: gar nicht.“

    —————————————————————-

    Du sagst es, gar nicht. Solange Journalisten unter Recherche verstehen -> schauen wir mal, was Kollege Brandrede vom Delmenhorster Tagblatt geschrieben hat, solange werden wir uns mit immer schlechter werdenden Artikeln herumärgern müssen.

    Das meine ich nun nicht in Bezug auf Monrose, ich meine das allgemein. Enten ziehen sich heute nicht nur durch die Republik, nein, sie ziehen sich durch die ganze Welt. Da werden keine eigenen Artikel mehr geschrieben, da werden drei Sätze in der DPA, APA oder Reuters-Meldung umgeschrieben und als eigene Artikel verkauft.

    Liegt am System. Journalisten haben heute gerade mal 1,5 Stunden am Tag Zeit für Recherche, der Rest der Arbeitszeit geht für anderes drauf. Ob der Artikel gut recheriert ist oder nicht, spiegelt sich nicht in den Verkaufszahlen und noch wichtiger Anzeigenkunden wieder, der dumme Konsument glaubt einfach, was in seiner Zeitung steht, dafür kauft er sie doch, damit er nicht selbst denken muss.

    Man muss am anderen Ende ansetzen, obwohl ich da auch sehr pessimistisch bin: In einer schon im Kindergarten beginnenden Medienerziehung.

  11. Vielleicht sollte man auf der positiven Seite anfangen und Thorsten Schaubrenner vom ZDF die „Goldene Monrose“ dafür verleihen, dass er das Konzert mit beiden Augen sah.

    Lieblingssatz: „Fazit: Monrose können singen.“

  12. Die Frage die man sich letztendlich stellen MUSS ist doch klar.
    Ist es eine rein Objektive oder Subjektive Sicht; bzw. zu welcher tendiert der Text mehr.

    Und wer will mir sagen, dass es Journalismus ist, einen Text zu verfassen in dem der Leser nicht die geringste Ahnung haben kann, warum der Autor jeden Satz agressiv ansetzt..
    Wo ist da die „Rechtfertigung“? Welcher Journalist nimmt sich diese Freiheit ?.. so unbegründet… so übermäßig zu reagieren!!
    Es geht hier nicht um eine oder gar mehrere persönliche Meinungen bezüglich Monrose, nein es geht grundsätzlich um das ethische… um das menschliche.
    Wie Brandrede schon sagte… bestimmte reporter fühlen sich dazu berufen „noch so ne konsumkritische Metaebene einzuziehen.“

    Das trifft vor allem die Billd, dessen Absciht es ist, den Drang nach neuem; nach News und Action, der den Bürgern in ihrem langweiligem Alltagsleben fehlt, zu decken…

    Billd ist wie ein guter Spielfilm… nur dass es kein Drehbuch gibt…

    unglaublich wie viele leute sich trotzdem von ihr angezogen fühlen…

    Fazit: Monrose singen gut. Das wird auch immer so bleiben. Reporter hin oder her.

  13. Jetzt mal abgesehen von unserer (sicherlich wohlverdienten) Journalistenschelte.

    Nehmen wir mal an, der Berichterstatter war tatsächlich in der Halle. Ich könnte mir vorstellen, wenn er überhaupt auf eine milde Betrachtungweise umzustimmen gewesen wäre, dann vermutlich durch „liebevolle Details“ wie eine gute Live-Band statt Musike vom Band, oder?

  14. Richtig. Eine Veranstaltung ohne Live-Band verdient die Bezeichnung ‚Konzert‘ nicht. Zum Glück ist das (wenigstens) den Kiddies egal.

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