Schneller vergessen als die Süddeutsche von heute?

Unter Fußballfans gibt es den Begriff Alibi-Fußballer. Alibi-Fußballer ist ganz und gar kein Kompliment. Denn ein Alibi-Fußballer ist einer, der die Kugel nur möglichst unfallfrei durch die Gegend zu schubsen vermag und den Spann einzieht, wenn der Gegner richtig Druck macht. Ein Alibi-Fußballer war Mehmet Scholl gewiss nie.

Seit heute weiß Opa Brandrede aber auch ganz genau, was ein Alibi-Journalist ist. Ein Alibi-Journalist ist einer, der unbelastet von irgendeiner fachlichen Expertise Sätze in den Raum flankt wie diese:

Monrose werden also bald wieder verschwinden.
Nicht weil sie schlecht singen, aber niemand hat gute Songs für sie geschrieben. Keine Melodie bahnt sich ihren Weg in den Kopf, so wie beispielsweise gestern der geniale Schuss von Thomas Hitzlsperger ins Cottbusser Tor.

Nennen wir ihn doch einfach gequirrlte Scheiße, diesen missglückten Doppelpass von Fußball und Popmusik in der Süddeutschen, dem es auf traurige Weise überall fehlt: hinten an Substanz, in der Mitte an Ideen und vorne am vernünftigen Abschluss.

Das immerhin könnten Monrose ja noch verbessern. Würde aber nichts nützen, denn es krankt am System. Abgesehen von den No Angels hatte keine Castingband Erfolg. Bro’Sis, Overground, Nu Pagadi? Konnten nicht mal absteigen, weil sie nie aufgestiegen sind.

Wenn das eine Glosse sein soll, dann ist Opa Brandrede mit seinem Holzbein der neue Beckenbauer. Man möchte Sebastian Gierke unbedingt die Lektüre der Jodelkönig-Statistik empfehlen. Aber das Kopfballspiel scheint sein Anliegen ohnehin nicht zu sein. Lieber gedanklich den Bach flachhalten. Am besten unter der Grasnarbe. Alibi-Journalismus eben.

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15 Kommentare zu “Schneller vergessen als die Süddeutsche von heute?

  1. Mir fehlen die Worte. In meinem Gehirn ist Gewitter – kein klarer Gedanke mehr möglich!
    Ich höre besser auf, zu denken, sonst gibt’s noch ’nen Kurzschluss…..Krutzikürken noch einmal…..

  2. Das war auch mein erster Gedanke: Da wäre jemand gerne auf die Scholl-Sause geschickt worden, musste aber „zu dieser komischen Mädchenband“. Wahrscheinlich hat er sich aus Protest daheim aufm Klo eingeschlossen. Dafür dass der Rezensent tatsächlich das Konzert besucht hätte, bietet der Süddeutsche-Text jedenfalls keine Anhaltspunkte.

    Die AZ zeigt, wie man’s richtig macht: Jemanden aufs Konzert schicken, der noch was anderes als aufgpumpte Bälle im Kopf hat.

  3. Habt ihr sicherlich auch schon gelesen, finde ihn aber doch bei weitem angenehmer zu lesen!

    Leihgabe M4E, danke fürs einstellen!

    Hier ein Bericht über das Konzert in München aus der Abendzeitung.Er ist im Gegensatz zu einem anderen Artikel der aber weniger ernst zunehmen ist,da der Autor offensichtlich lieber im Fußballstadion gewesen wäre,also dort gegen seinen willen zum Konzert geschickt wurde;diese Artikel hier ist aber Wunderbahar und glaubwürdig!!!Viel Spaß!!!

    ——————– Respekt vor der Retorte———————————
    Und singen können sie auch:Die MONROSE gastieren im Zenith

    „Neue Engel braucht das Land!“Mit diesem Slogan wurde bei der letzten Popstarsstaffel die Nachfolgeband der No Angels gesucht.Mit MONROSE,bestehend aus Senna,Mandy und Bahar,fanden die Macher adäquaten Nachwuchs.Das zeigte sich beim Konzert im gut besuchten Zenith,wo die drei jungen Frauen mit einer abwechslungsreichen Bühnenshow ,guten Gesangsleistungen und sympatischer Natürlichkeit überzeugten.
    Obwohl sie in Sachen Erfolg an die gerade wiedergekehrten No Angels anknüpfen wollen ,orientieren sie sich ansonsten offensichtlich anderweitig.Die Showtreppen und Bühnenoutfits erinnern an Stilikone Kylie Minogue ,manche Lieder an En Vogue,andere an Destiny´s Child oder Sal´n´Pepa.
    Immerwieder stellt sich die Frage ,warum MONROSE ausgerechnet mit der faden Single „Even Haeven Cries“ beim Vorentscheid zum Grand Prix angetreten sind ,obwohl sie eingängige Uptempo-Nummern wie „Do that Dance“ im Programm haben.
    Das wiederum ist mit fast zwei Stunden ungewöhnlich lang für eine Band ,die erst seid einem halben Jahr existiert-Einzelne Coverversionen ,unter anderem von „Fighter“,strecken die Setlist.Eine Sechzehnjährige ,die Christina Aguilera singt:Das ist der Horrormoment in jeder Karaoke-Bar.Mandy Capristo aber ist diesem Song mehr als gewachsen und beeindruckt mit Stimmgewalt und hoher Profesionalität nicht nur die Zahlreichen Kinder im Publikum,sondern auch die anfangs skeptisch wirkenden Eltern .Dies in Verbindung mit einem Hauch Street Credibility durch die Frankfurterin Senna und dem Charme von Bahar ist eine absolut bestechende Mischung – Retorten-Pop hin oder her.VON JULIA BÄHR.
    (unter einem kleinen Bild von MONROSE:Begeistern ein ganz junges Publikum:Die Casting-Band MONROSE)

    😉

  4. Na, das ist doch mal ein Artikel ohne die berüchtigten ‚Spitzen‘ – und hört sich trotzdem nicht schleimig oder wie von der Pressestelle „diktiert“ an.

    Danke, Brandy. Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, dass es sowas noch gibt.

  5. man sollte das unterschiedliche intellektuelle niveau von sz und abendzeitung beachten. die einen schreiben für das gebildete volk und die anderen für den hartz 4 empfänger.

  6. @paschendale:
    Deine platten Pauschalisierungen lassen Zweifel darüber aufkommen, ob Du wirklich zur erste Kathegorie gehörst, wie Du zu glauben scheinst.

  7. naja, ich hab noch bei keinem akademiker die AZ rumliegen sehen, hingegen beim „niederen volk“ auch keine sz oder faz. mal abgesehen davon, dass das feuilleton arrogant ist oder nicht.

  8. Es soll Akademiker geben, die (zumindest zeitweilig) Hartz4-„Kunden“ sind.

  9. Es reicht mir völlig, dass Du bereit bist, zuzugestehen, dass Hatz4-Empfänger zu sein, kein interlektuelles Merkmal ist.

    Und: Es gibt auch dämliche Akademiker. Das kannst Du mir glauben!

  10. So schnell vergessen ist der Artikel nicht.

    Finde ich doch gerade bei HNA
    http://hna.de/diltipps/00_20070528194821_Ein_kleine_Popgeschichte.html

    den Veranstaltungshinweisartikel. Und was lese ich da für einen Satz? Hm, den kennste doch, Jodler….

    „Keine Frage, die Mädchen können singen, zu hoffen bleibt nur, dass ihnen in Zukunft jemand gute Lieder schreibt. Abgesehen von den No Angels hatte keine Castingband Erfolg. Bro’Sis, Overground und Nu Pagadi konnten noch nicht mal absteigen, da sie es nie nach oben geschafft hatten.“

    Ansonsten anderer Tenor…. aber Satzrecycling ist anscheinend auch eine Form des Klimaschutzes.

  11. Nicht nur dieser Satz. Auch einige andere Textfragmente entsammen dem offiziellen Pressetext 2.Auflage (etwa seit März) wie z.B.:

    „….haben die aus Freiburg stammende, für Mary J. Blige schwärmende Bahar, die in einer marokkanischen Familie in Frankfurt aufgewachsene Senna und die in Mannheim lebende Halbitalienerin Mandy die Bodenhaftung nicht verloren.“

    Na ja, besser als erneute Zitate von H.R-M. aus dem Bild-Interview. 😉

  12. es tropst und tropst und die flasche wird immer leerer…. so empfinde ich das alles im moment leider!!!… (mr. management zieht die letzten register)

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