Herr, schmeiss Logos…

Es kommt ja nicht oft vor 😉 das ich mich über die schreibende Zunft aufrege, aber nun frage ich mich ernsthaft: Lernt niemand mehr anständige Artikel zu schreiben und wenigstens ein wenig Fachwissen einzubringen. Das ist nicht schwer, kann man mittels Internet innerhalb von 5 Minuten, es braucht dann noch 5 Minuten sich das Wissen anzueignen und schwupps schreibt man einen Artikel, der fachlich korrekt ist.

Hintergrund meiner „Empörung“ sind die Artikel zum neuen Chartsystem von Media-Control.

Da echauffiert sich der Spiegel:

Nur was teuer ist, kommt nach oben

Zwar betont das Unternehmen, legale Downloads seien „ein zunehmend wichtiger Faktor für die Industrie“, doch mit Einführung der neuen Zählweise hat es in der aktuellen Hitliste, die am Freitag offiziell veröffentlicht wird, dennoch kein einziger Download-only-Titel in die Top-100 geschafft. Kunststück: Downloads sind meistens um einiges günstiger als Singles oder reguläre CDs, so dass sie sich in der Bewertung nicht so stark niederschlagen. Künstler, die ihre Songs oder Alben kostenlos zum Download anbieten, haben nach der neuen, umsatzorientierten Berechnung, überhaupt keine Chance mehr, in den Charts vorzukommen.

Spiegel

Lieber Spiegel bzw. mak/bor Künstler die ihre Song oder Alben kostenlos zum Download anbieten, hatten noch nie eine Chance in die Verkaufscharts einzusteigen. Dazu gab es nämlich die Preisgrenze, die auf Druck kleiner Labels und des Kartellamt weggefallen ist. Es reicht also, 1 Cent für sein Angebot zu verlangen und dann hat man auch die theoretische Chance, in die Verkaufscharts zu gelangen.

Gut, können die Spiegelredakteure nicht wissen, aber andere wissen das bestimmt, oder? Pustekuchen.

Die taz

Nur kurz, fürs Protokoll: Das erste Ergebnis der Änderungen ist, dass in den neuen deutschen Top-100-Single-Charts RTL-„Superstar“ Mark Medlock („You Can Get it“, mit Dieter Bohlen) vor den ProSieben-„Popstars“ Monrose („Hot Summer“) steht.

Echt irre also, der Umbruch: Die Revolution wird repräsentiert durch Castingshowsieger.

Liebe taz, die Castingshowsieger haben auch vor dem neuen System die Charts angeführt. Das ist so, weil sie am meisten verkauft haben. Das kann man bedauern, über den Untergang des Abendlandes, die Unfähigkeit des Massenpublikumsgeschmacks lamentieren, oder sonst was. Nur mit dem neuen Chartsystem hat das alles nichts zu tun. In der ersten Verkaufswoche lagen haben diese beiden „Sieger“ 26% der gesamten Singleverkaufe auf sich vereint. Sie waren beim alten System vorne und sind beim neuen System vorne. Einzig und alleine aus dem Grunde, weil sie am meisten verkauften. Immerhin hat die taz begriffen, dass es kostenlose Downloads weder damals noch heute in die Charts schaffen können.

Kommen wir zu laut.de deren redaktion ich eigentlich sehr schätze. Aber auch hier bekomme ich eine leichte Krise.

Das dürfte eigentlich kleine Bands freuen, denn damit haben sie theoretisch eine bessere Chance auf eine Chartplatzierung; auch ohne große Labels oder Musiksender im Hintergund. Deshalb wagten die Schwäbisch Haller Stone The Crow einen Angriff, indem sie eine große Download-Aktion starteten. Für nur 99 Cent boten sie ihre Single „Edge“ bei allen führenden Download-Plattformen an.

Gegenüber der Plattform mp3.de erklärte Florian Pätzold von FreshStyleMusic: „Wir versprechen uns von der Aktion, dass die Konsumenten endlich mal das Zepter in die Hand bekommen. Durch Downloads können sie bestimmen, was sie hören wollen. Jetzt haben auch kleinere Labels endlich die Chance, in die Charts zu kommen, ohne sich für ihre Künstler teuer bei den Medienanstalten einkaufen zu müssen.“

Doch das ist leider nur graue Theorie. Übersehen wurde nämlich eine weitere Regelung. Das System wurde so umgestellt, dass nun nicht länger die verkauften Stückzahlen für die jeweilige Position in den Bestsellerlisten verantwortlich ist, sondern der erzielte Umsatz. Das bedeutet, dass teure CDs weiter oben platziert sind als billige. Logisch, oder.. ähm?!?

Und die armen haben es nicht in die Charts geschafft. Liegt natürlich am System, oder? Nein, bei itunes kostet jede Single 99 Cent, ganz demokratisch. Da wird kein Unterschied gemacht ob bekannt, Castingstar, Mainstreamtusse oder Alternativer Rock, ob Punk oder Oldie. Und ein kurzer Blick bei itunes zeigt, dass Edge im Gegensatz zu Ealing, Skin, Drive und Lunar wenig Abnehmer fand. So einfach ist das und hat nichts mit dem neuen Chartsystem zu tun.

Ach ja, Nelly Furtado wird als warnendes Beispiel genommen. Von 12 wieder auf 3 gestiegen, weil die neue Edition 4 Euro teurer ist. Nelly wäre auch ohne neues Chartsystem gestiegen. Mit jeder Singleveröffentlichung stieg das Album wieder. Ob es nun real auf 4 oder umsatzgestützt auf #3 steigt, macht den Kohl nicht fett.

Dann gibt es noch die Vielzahl der „Nichtblicker“ die sich darüber aufregen, dass ein Download ja billiger und eine CD teurer ist und nun in den Singlecharts nur noch CD-Käufe zählen und Downloads gar nichts mehr. Ein Blick in die Regularien würde da einfach weiterhelfen. Dem ist definitiv nicht so.

Um nun nochmal die Spiegelhead aufzugreifen:
Nur was teuer ist, kommt nach oben
Dem ist nicht so. Umsatz hat mit teuer nichts zu tun. Umsatz ist einfach Menge mal Preis. Darum macht Aldi auch mehr Umsatz als Versace.

Jodler hat fertig 😀

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3 Kommentare zu “Herr, schmeiss Logos…

  1. Das kommt davon, wenn jeder mit Halbwissen sich vor allem erstmal über das momentane (End-) Ergebnis ärgert.

    So, wie der Blick in die Charts noch kein Qualitätsurteil zu den Platzierten zuläßt, so läßt sich die Auswirkungen von Regularien auch nicht durch Querlesen und Hörensagen beurteilen.

    Journalisten müssen ja nicht vom Fach sein. Sie müssen nur die Aufmerksamkeit der Leser erregen – eigentlich reicht erregen, denn Aufmerksamkeit beim Leser wird kaum noch erwartet und stört sowieso nur.

  2. Jubel!
    Jodler ich habe den Beitrag gefunden! 🙂
    Boah! richtig lang!

    Also als du uns vor Tagen das neue System erklärt hast, kam es bei mir als Laien, logisch und fair vor!
    Dass Journalisten der heutigen Zeit, weder recherchieren noch objektiv sind, haben wir in anderer Sachen schon des öfteren bemerkt! Ich denke in ein paar Wochen hat es auch die Fachpresse kapiert und es wird sich keiner mehr aufregen!

  3. Ja, ja, die Zunft der Schreiberlinge… Was würden wir nur ohne sie tun!

    Bedenklich finde ich eigentlich nicht, dass es Zeitungen wie Bild gibt, und was die so schreiben. Viel Besorgnis erregender ist doch, dass gerade auch die „seriöseren“ Zeitungen und Fernsehsendungen oftmals immer mehr an Qualität verlieren.

    Erst neulich dachte ich auch bei einem Tagesschau-Beitrag: „Wie? Sind wir jetzt bei den RTL2 Action News?“ Ich habe leider inzwischen völlig vergessen, um was es in dem Beitrag ging. Naja, Alzheimer lässt grüßen 😉

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