Stilrichtung: Club-Popjazz

Oder: „Von Jazz über Mainstream-Pop zum Monrose-Stil“

Wer Bahar, Senna und Mandy, bereits während der vorletzten Popstars Staffel kennen lernen durfte, erinnert sich an zwei schüchterne Mädchen und eine etwas weniger schüchterne Dame, die allesamt noch nicht so recht ahnen konnten, wohin sie der Weg wohl führen würde. Talentierte Sängerinnen waren sie aber auch damals schon, hatten sie schließlich auch schon vor Popstars in etlichen Bands gesungen und musikalische Erfahrungen in unterschiedlichen Stilrichtungen sammeln können.

An einen Popstars-Auftritt, bei dem zufällig die drei zukünftigen Monrose-Mitglieder zusammen auftraten, erinnere ich mich auch heute immer noch gerne:

Eine leicht jazzige Nummer mit viel Gefühl, starken Adlibs und ein wenig Sprechgesang (der Begriff „Rap“ will hier einfach nicht so recht passen).

Damals stellte ich mir dann die Frage: Wird die zukünftige Band diesen Stil konsequent weiterführen und sogar noch entwickeln können? Oder ist eher damit zu rechnen, dass nur auf die Charts geschielt und Mainstream-Ware produziert wird?

Heute, fast zwei Jahre später, würde ich diese Fragen vermutlich mit „zum Glück beides“ beantworten. Klar wurde auch auf die Charts geschielt, was besonders am Smash-Hit Hot Summer spürbar wurde.

Gleichzeitig befanden sich aber auch schon gleich auf dem ersten Album ein paar jazzig angehauchte Nummern, allem voran der Slow Rock Live Life get By. Auch an einen Live-Auftritt mit der Heavytone Bigband wurde sich herangewagt.

Das zweite Album, Strictly Physical, würde sich wohl am besten mit der Suche nach dem Monrose-Klang resümieren lassen. Hier wurde mit renommierten Produzenten zusammengearbeitet (Snowflakers, Remee & Thomas Troelsen), und die meisten Songs haben eines gemeinsam: einen modernen, sauberen Elektroklang in der Instrumentalisierung, der wohl auch in Zukunft einer der Eckpfeiler des Monrose Stils bleiben wird. Einige stimmgewaltige Balladen sind durchaus auf dem Album (allem voran die dritte Single-Auskopplung What You Don’t Know, die sich übrigens während Monaten in den Media Conrol Charts halten konnte), der etwas jazzigere Touch ist aber diesmal nicht mehr mit von der Partie.

Mit dem dritten Album in den Startlöchern (geplante Veröffentlichung voraussichtlich im Juli) zeichnet sich aber jetzt anhand der ersten Single-Auskopplung Strike the Match eine erneute Weiterentwicklung ab. (Die Single wurde von Ryan Tedder komponiert und co-produziert, die Produktionsleitung für das gesamte 3. Album übernahm anscheinend Pete Kirtley (Jiant), der auch schon mit den Sugababes zusammengearbeitet hat.)

Hier wird der Elektro-Klang des zweiten Albums konsequent weitergeführt, gleichzeitig scheint man aber auch wieder ein wenig zum jazzigen Einschlag zurückgefunden zu haben. Besonders der Zweit-Track, After Making Love (komponiert von TJ Cases), bietet eigentlich das, was der He Loves Me Auftritt damals während der Popstars Staffel versprochen hat:

Versucht man diesen Song stilistisch einzuordnen, so merkt man sehr schnell, dass dies alles andere als einfach fällt. Am offensichtlichsten ist wohl, dass der Song, genau wie der Haupt-Track, eine Clubnummer ist. Man kann darauf abtanzen, er klingt erwachsen und „cool“.

Gleichzeitig ist es natürlich auch eine Pop-Nummer. Auch wenn sie zum Glück nicht nicht auf Teufel komm raus für den Mainstream-Geschmack glatt gebügelt wurde, ist es immer noch eine Nummer, die ohne weiteres zu normalen Zeiten im Radio gespielt werden könnte.

Schließlich, ich habe es schon mehrfach angedeutet, hat der Song aber auch „den Jazz“. Bevor jetzt die Hardcore-Jazzer aufschreien: Nein, natürlich ist das jetzt keine „echte“ Jazz-Nummer. Und dennoch kann ich im Song einige Elemente entdecken, die typisch für diese Musik-Gattung sind:

  • Unkonventionelle Harmonie-Folgen.
  • Besonders in den kurz eingeworfenen Adlibs klingen die Stimmen voluminös, aber auch frei und verspielt.
  • Und vor allem die Rhythmik ist recht anspruchsvoll. Beispiel: Bei der Stelle „physically and mentally too“ (im oben verlinkten Song-Auschnitt bei 1:15) handelt es sich um punktierte Achtel-Noten, so dass über 6 Schläge hinweg 8 Noten platziert werden. Also eine klassische “Verschiebung”, die dadurch noch im ersten Moment verwirrender klingt, weil sie auf dem 4. Schlag eines Taktes beginnt und auf dem 2. Schlag des übernächsten Taktes endet.

Diese Entwicklung macht mich sehr neugierig auf das bevorstehende Album. Natürlich erwarte ich mir jetzt weder ein „Jazz-Album“, noch wünsche ich mir das überhaupt! Was ich mir erhoffe, ist einfach ein qualitativ hochwertiges Pop-Album, das sich musikalisch auch hin und wieder traut, die sichere Mainstream-Schiene mit einem Rad zu verlassen, und die Fühler ein wenig in Richtung Tellerrand auszustrecken.

Sollte mir dieser musikalische Wunsch erfüllt werden, bleibt für Monrose nur noch zu hoffen, dass die Musikliebhaber den Qualitätsschritt auch bereit sind bei einer ehemaligen Casting-Band wahrzunehmen, und die Fans der Popmusik bereit sind, ihn mitzugehen.
(M)

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19 Kommentare zu “Stilrichtung: Club-Popjazz

  1. Ich bin sehr gespannt, bei welchen Radiosendern Monrose mit dem von dir sehr treffend beschriebenen Sound punkten kann…

    Hab grade mal bei PlanetRadio in die Playlist von heute geschaut:
    11.06 12:25 what you dont know monrose
    11.06 10:43 strike the match monrose
    11.06 05:06 strike the match monrose

  2. MyMuse wir sind bereit, diesen Schritt der „Monrose-Evolution“ mit zugehen!
    Sehr schöner Thread mit viel Info und interessanten Ansichten! 🙂

  3. Wie wahr, wie wahr. Hut ab vor diesem gelungenen Essay!

    „After Making Love“ ist auch für mich eine tolle Club-Nummer. Hier werden die der „House-Music“ anhaftenden hypnotisierenden Beatloops hervorragend überlagert und verstärkt durch die grandiose Art des Gesangs. Trance-ähnlich sozusagen 😀

    Es bleibt wirklich zu hoffen, dass der ein oder andere Musikredakteur oder Kritiker mal über seinen Schatten springt, sich mit der Musik unvoreingenommen und intensiver beschäftigt, um der Weiterentwicklung eine Chance zugeben.

    Wäre doch schön, wenn das erste Mal eine Band, die durch ein Casting zusammenfand, zwei Sachen unter einen Hut bringt und das auch erkannt wird: Erfolg in den Charts und anspruchsvolle populäre Musik „Made in Germany“.

    Und unter populärer Musik verstehe ich hier durchaus housigenelektropopRnBBalladenMidbisUptempoMix.

    Je nach Jahreszeit und Laune! 😀

  4. Gut geschrieben, ohne Frage. Das sich selbst Casting-Bands inwzischen im Elektro-Pop verirren zeigt nur, dass deren Produzenten den Wink der Zeit erkannt haben, das Produkt neu ausrichten und das Marketing optimieren. Das Video zu „After making Love“ erinnert allerdings stark an Justin Timberlakes „Lovestoned“ und diverse Timbaland-Produktionen. Schade ist auch, dass das deutlich bessere Cover der Promo-CD dem letztlichen Albumcover weichen muss. Naja, wird irgend ein studierter Marketing-Depp bei Starwatch entschieden haben – fern der Realitäten.

    Leider ist Musikjournalisten genau so wie gewöhnlichen Menschen nicht wirklich möglich, unvoreingenommen Musik zu bewerten. Dafür ist das Thema einfach zu subjektiv. Und wer etwas Einblick in die Branche hat und weiß, wie Künstler aufgebaut und betreut werden, der weiß, dass eine solche Weiterentwicklung nicht vom Künstler kommt, sondern eine (hoffentlich) weise Entscheidung der Marketing-Abteilung ist, um sich dem Trend anzuschließen. Und sorry, so leid es mir tut, gerade Casting-Bands haben da leider wenig Einfluss auf die musikalische Entwicklung – egal, was sie erzählen.

    Whatever, ich schließe mich im Fazit den Vorschreibern hier an und freue mich, dass die Mädels auch mal anderen Sound auf die Scheibe kriegen als den bisherigen Casting-Pop-Müll. Sounds nice, rock on.

  5. Hallo henrywulff,

    schön mal jemanden zu lesen, der beim Thema „Castingband“ nicht gleich reflexartig Schaum vor dem Mund bekommt.

    Ich möchte nur auf einen Punkt eingehen: die Selbstbestimmung. Natürlich ist es sehr schwer, hier zwischen frommen PR-Legenden und der nackten Wahrheit zu unterscheiden. Aber es sieht momentan tatsächlich so aus, als hätten sich die Monrose-Mädels, allen voran Senna, durchaus weit aus dem Fenster gelehnt, um ausgerechnet Strike The Match zur ersten Singleauskopplung des kommenden Albums zu machen und als gäbe es deswegen (der Titel ist ja nicht so furchtbar mainstreamig und wird wohl kaum der absolute Chartkracher) möglicherweise Stress mit Starwatch/ Warner… Die meisten Stammgäste hier im Blog sind *räusper* ältere Semester, die sich auf einen „erwachseneren“ Monrose-Sound gefreut haben. Entsprechend halten sich derzeit bei uns die Freude über die beiden neuen Songs und ein wenig Besorgnis darüber, ob man tatsächlich die Voreingenommensheitsbarriere der „Musikjournalisten“ und „Musikredakteure“ der Radiosender damit durchbrechen kann, die Waage…

  6. Henrywulff,

    Danke für deinen Kommentar. Es freut mich, dass du die Musik von Monrose eben nicht nicht als „Casting-Pop-Müll“ empfindest, und bereit bist da zwischen den unterschiedlichen Künstlern zu differenzieren!

    Dass diese Entwicklung zu einem großen Teil auch von außen bewusst gesteuert wurde, damit hast du ganz bestimmt recht. Umso mehr freue ich mich, dass man ihnen eine musikalische Entwicklung ermöglicht hat, und sie diese bis hierhin gehen konnten. Dass da aber auch Talent dazu gehört, und zumindest auch den Willen sich auf diesen Weg einzulassen, denke ich schon.

    Ein offizielles Video zu After Making Love gibt es übrigens nicht, der von mir eingebundene Clip ist eine (wie ich finde sehr gut gelungene) Fan-Kreation. Weiterhin wird hier ja auch nur ein Teil des Songs angespielt. Oder meintest du das offizielle Video von Strike the Match?

  7. OMG! Der Herr Wulff hat wohl die Soundpegel im AML- Promo Video aus Justin’s Lovestoned wieder erkannt. Die hab ich tatsächlich aus dem Video!?!

    @ MyMuse: WOW! Meinen ganzen Respekt! Du schmeidest tolle Video, hast verdammt gute Musikkenntnisse und kannst zu dem auch noch super schreiben! Gibt es was, was Du nicht kannst 😉 ? Wirklich beeindruckend!

  8. @henrywulff: Sie haben nicht wirklich geglaubt, dass das o.g. Video die offizielle Version ist, oder? Schnitte aus „Lovestoned“ waren tatsächlich grosser Bestandteil des Promoclips, an einer längeren Version arbeite ich noch, aber Justin bleibt wohl enthalten.

    @ Recall: MySpace Messages an Senna & Mandy bezgl. Recall noch immer ungelesen ;-(

  9. Es zeigt mir zumindest, dass wir uns mit unserer Einschätzung hier nicht völlig vergaloppieren. Die Frage bleibt: Wann wird es der erste professionelle Musikjournalist merken? Wird es überhaupt einer merken? 😦

  10. “WHY did no-one tell me about Monrose before? I’ve just checked out “Hot Summer” and my jaw hit the floor!”

    “Well, I think if you come to this site regularly you have to know – we all seem to be going crazy for them at the moment!”

    “Senna to me is like the Amelle of the band, I’m not comparing the 2, but she is definitely the feisty one. I wasn’t sure of her at the beginning but now I think she is one of the fiercest popstars on the planet at the moment.

    As for Strike The Match – simply amazing. I really think the girls could have success with this (and Hot Summer) in the UK, it’s just the right mix of Pop/R’n’B which sells well here…”

    Hier die letzten drei Eintragungen von der Insel. Wenn das nicht vielversprechend ist..

    Ich denke, falls sie ernsthaft in UK veröffentlichen und dort den verdienten Erfolg haben würden, wird es auch hier “rückerkannt”!
    Könnte ein guter Weg sein, weil ich denke, das der “neue” Sound wirklich innovativ international ist.

    Quelle:

    http://www.popjustice.com/index.php?option=com_smf&Itemid=237&topic=9831.150

  11. Klingt ein wenig nach Re-Import! 😉

    Nur klingt Monrose nicht im geringsten billig, sie würden sozusagen aufgewertet ! 😀

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