German Angst

Da wir ja einen neuen Artikel brauchen – der alte ist übrvoll, widme ich diesen neuen Thread dem Schlagwort von der „German Angst“ der von einigen deutschen Medien als „man lacht über uns im Ausland“ mißbraucht wird.

Brandy hat das im alten Thread ja schon mal so treffend formuliert: German Angst ist nichts anderes als German Gründlichkeit, die uns kleines Volk zu einem der Big Player in der Weltwirtschaft machte.

Aber die Frage, warum wir so sensibel gegenüber der Kernkraft sind, wurde bisher noch nicht gestellt und ich behaupte, wir sind das nicht, weil wir eine Horde von Angsthasen sind sondern weil wir durch unsere Geschichte sensibilierst sind, etwas, was den Amerikanern oder den Russen oder den Indern oder den Chinesen abgeht und wir unterscheiden uns auch von den Japanern, obwohl sie die Nation sind, die zwei Atombomben überleben mussten. Die Frage ist, warum unterscheiden wir uns in unseren Einstellungen. Der oberflächliche Beobachter müsste doch sagen – was haben die Deutschen mit Hiroshima zu tun, da müssten doch die Japaner mehr Angst haben vor Kernkraft.

Nun, so einfach ist das nicht. Und ich versuche mal meine Sichtweise zu sortieren und gebe sie der Obhut der Diskussion frei.

Wir Deutsche sind an der Entwicklung der schrecklichsten aller Massenvernichtungswaffen ja nicht ganz unschuldig. Deutsche Wissenschaftler – von Hahn bis Oppenheim hatten einen grossen Anteil an Big Boy. Und im Gegensatz zu allen anderen Nationen war Japan nicht der Feind, der vernichtet wurde sondern ein Allierter, der vernichtet wurde. Das hat in der deutschen Nachkriegsseele eine andere Bewertung von Atomkraft als Samen gesät. Während alle anderen Nationen nur die Vernichtung eines Feindes zur Kenntnis nahmen, waren wir Deutschen näher dran. Es traf einen Verbündeten – und nachdem Krieg und nachdem einige Details herauskamen, wurde uns klar, die Amerikaner sind uns nur durch „unsere“ Wissenschaftler zuvor gekommen. Auch die Nazis waren kurz davor . . . und die Japaner auch. Es gab sogar eine Uranlieferung von Nazideutschland an die Japaner.

Aber das hat unser kollektives Bewusstsein nur marginal tangiert. Viel wichtiger war die Zeit bis zum Mauerfall. Wir Westdeutschen waren Frontstaat – immer bedroht von russischen oder allierten Atombomben. Im kalten Krieg waren wir immer das erste Ziel. Die Briten hatten einen Plan, ganz Westdeutschland atomar zu verseuchen, sollten die Russen mit Panzern die Grenze überschreiten. Auch das hat uns über die Jahre sensibel gemacht. Ganz unbewusst und nur kollektiv. Und darum verfing die PR-Initiative von friedlich grasenden Kühen vor einem AKW bei uns nicht so gut wie in Japan, in Amerika, in Chile oder Indien.

Die „German Angst“ ist durchaus real aber sie ist nicht die Folge von „man will kein Risiko eingehen“ oder von “ die sind so hasenfüssig“ oder von „die sind eh krank“ sondern eher eine Folge von Erfahrung gepaart mit der Erkenntnis, dass es durchaus ernsthafte Folgen haben kann.

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1.376 Kommentare zu “German Angst

  1. Das ist natürlich rein zufällig, dass exakt am Sonntagabend vor dem Treffen die Pressewelle durch Europa geht (einfach mal Google News bemühen…)

    Und unsereins steht dabei und starrt gebannt auf die Eisberge…

  2. Yep, das zweite Griechenlandpaket kommt wegen der strittigen Beteiligung des privaten Sektors nicht von der Stelle und plötzlich interessiert man sich in Finanzkreisen für Italien und amerikanische Hedgefonds fangen an zu wetten und, und, und…Gott, wie bekloppt das alles… 😕

  3. LOL, gerade in einem (Musiker-) Forum als Signatur entdeckt und habe mich fast weggeschmissen. 😆

    ERSCHRECKEND: Immer mehr Senioren verschwinden spurlos im Internet, weil
    sie die Tasten ALT und ENTFERNEN gedrückt haben!

  4. LoL, Purple, keine Sorge, unser famoser Innenminister wird auch für dieses Problem des dämonischen Internets sicher bald eine Task-Force einrichten! 😀

  5. Es liegt nur an den faulen Griechen, dass die Amis vor dem Abgrund stehen…

    US-Präsident Barack Obama erklärte, die Zahlen belegten, dass die USA noch einen weiten Weg zur Überwindung der wirtschaftlichen Schwäche vor sich hätten. Die von dem Streit über die US-Schuldengrenze sowie die Krise in Griechenland verunsicherten die Firmen und hielten sie davon ab, Leute einzustellen, fügte er hinzu.
    http://investmentmagazin.com/?p=4766

  6. Die Manager großer US-Hedgefonds spekulieren offenbar auf eine Ausweitung der Schuldenkrise auf Italien: Sie wetten mit großen Summen auf einen Wertverfall italienischer Staatsanleihen. Im vergangenen Monat haben sie die Leerverkäufe auf die Papiere erheblich ausgeweitet. Das berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf Investoren, die über die Strategie der Fonds informiert wurden.
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,773535,00.html

  7. Toll die Leistungen der U17 – was man so liest. Hoffentlich bleiben die Spieler Deutschland erhalten und tauchen später nicht in der türkischen, tunesischen oder sonst eine fremde Nationalmannschaft auf. Der Yesil soll sich ja für eine Karriere innerhalb des DFB entschieden haben. Wäre schön, wenn es dabei bliebe.

    Von der Frauen-WM habe ich nicht allzu viel gesehen. Das Spiel gegen Japan erst ca. ab 75. Minute und da waren unsere Damen bis zum Ende der Verlängerung eigentlich ständig im Vorwärtsgang. Und die Japanerinnen wurden mit nur einer Chance, die verwertet wurde – irgendwie sah die Angerer da nicht gut aus – zum Sieger. Schade. Warum wurde Bajramaj zumindest nicht eingewechselt? Das Spiel erinnerte mich an das EM-Endspiel (Männer) vor vielen Jahren gegen Dänemark. Die Jungs damals hätten noch 5 Stunden spielen können und wären ohne Torerfolg geblieben, während die Dänen durch einen Treffer direkt nach einem nicht geahndeten dänischen Foulspiel und durch ein Abseitstor gewannen.

    Bahars Song „Daheim“ im Zuge der „Heimat Almanya-Kampagne“ gefällt mir sehr gut. Das Lied passt und sie ist am Strahlen. Ob sie den Text geschrieben hat? Bedeutet „to be continued“ vielleicht eine „Verlängerung“ des Songs auf eine „normale“ Länge?

  8. Also die U17 hat gezaubert, das Spiel war genial, schnell – technisch auf einem so hohen Niveau (von beiden Mannschaften, nur Brasilien etwas zu arrogant (wie so oft 😉 ) ). Ein wirklich tolles Spiel, spannend und packend bis zum Schluss. 😀

  9. Aufgrund der sich zuspitzenden Krise dürfte die einzige „Alternative“ also darin bestehen, nationale Finanzminister zu entmachten und über Nacht ein EU-Finanzministerium einzuführen, welches zentral die Wirtschaftsplanung übernimmt. Die Gründe für diesen Putsch wären: „Es war alternativlos“ – Gefahr im Verszug nicht nur für den Euro sondern für das globale Weltfinanzsystem.
    http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/8175-euro-in-der-todeszone

  10. Warum regelt man das nicht gleich von Washington oder meinetwegen Peking aus, was wohl zielführender wäre. Die haben doch alle ’nen Oberknall!

    Ausgerechnet die, die nie begriffen haben, dass man Ungleiche nicht gleichschalten kann, sollen also weiter bestimmen, was nun zu passieren hat und sich dabei doch nur wie ehedem von den globalen Finanzhaien instrumentaliesieren lassen.

    Gibt es da nicht den Begriff „Wirtschaftswissenschaft“? Das alles hat mit Wissenschaft so viel zu tun wie ein Plastikmodel aus dem Revalkasten mit dem Bau eines Ozeanriesens. In der Wissenschaft wirft man ein Konzept über Board, wenn die erste, spätestens aber die zweite Korrektur erkennbar nicht zum Ergebnis führen kann. Das alles ist reine Willkür und Anarchie! Dem sollte wirklich bald entsprechendes entgegengesetzt werden. „Politische“ Mittel taugen längst nicht mehr.

  11. @ Brandy: „Hier ein Artikel über die Schrottimmobilien in Bremerhaven und darüber, wie sie von Maklern und Banken an Ahnungslose verkloppt wurden. ich denke, das war genau das Viertel, um das es auch bei RTL ging…“

    Endlich mal ein vernünftiger Bericht über Bremerhaven. Die Leerstände sind durch die Werftenkrise, den Abzug der Amerikaner (Nachschubhafen für die Amis mit Standort von AFN, den US-Army-Radiosender) und „Auszug“ in die Peripherie, die zu Niedersachsen gehört – Bremerhaven hat keine „Ausdehnungsmöglichkeiten“) entstanden. Aber sonst hat sich Bremerhaven in den letzten Jahren zum Schönen „gewandelt“. Die Havenwelten, das Schaufenster Fischereihafen und die frei zugänglichen Deiche mit viel frischer Luft und weitem Blick für die Touristen. Der Überseehafen brummt. Lebensmitteltechnologie und die „neue“ Windenergieindustrie neben Fisch im Fischereihafen. Maritimes Ambiente. Ich liebe Bremerhaven.
    Und die Leerstände sind für Wohnungssuchende natürlich von Vorteil. Die Wohnungsbaugesellschaften investieren/renovieren und trotzdem sind die Mieten billig. Meine Schwägerin („befreit von ihrem Mann“) hat sich eine 1-Zimmer-Wohnung (22 qm) inkl. Kochnische mit Herd/Backofen, Einbauschrank, Unterschrank, Dusche/WC gemietet – absolut zentral in der Innenstadt – für 180 Euro. Mit sämtlichen Nebenkosten kommt sie auf maximal 270 Euro im Monat. Da kann man glaube ich nicht meckern.

  12. Eine Frage an die Profis: Wenn ich jetzt einen Song für Bahar „einreichen“ möchte – rein theoretisch/hypothetisch – wohin müsste er? Management? Bahar direkt? Gibt es da einen direkten Draht? Oder wie? Keine Angst! Nur eine Frage aus Interesse an der Sache. Ich fange jetzt nicht an und vertone meinen Bestseller „Der Blasenschwächling und Tonsurträger“. Und wenn, würde er eher zu Roger Whittaker passen.

    Rein „zufällig“ habe ich die diesjährige Rangliste der FHM-Sexiest Women gesehen. Mandy vor 2 Jahren noch Siegerin und nun – wie auch Bahar & Senna – nicht einmal unter den 100 „Besten“? Wird man so schnell vergessen, wenn denn die Wahl überhaupt „normal“ abgelaufen ist? Oder ist die Schönheit schneller vergänglich als/wie man denkt?

  13. @OldMan:
    Sende Deinen Welthit an:
    Dino Management
    E-mail: dino@baharonline.de
    Tel: 0163 520 31 21

    Da die FHM-Wahl v.a. ein (Power-) Fan-Voting ist, läßt sich am diesjährigen Ergebnis durchaus das (noch) vorhandene Interesse ablesen. Die Helden von gestern müssen eben weichen und repräsentativ ist eine solche Wahl ja auch nie, woran die aktuelle Top10 sicher kaum noch Zweifel lässt.

  14. Bei dem börslichen und euroigen ‚Absacker‘ heute werden wir morgen in den Zeitungen wieder eine Menge Erklärungen lesen können hinsichtlich dem Warum und Weshalb und wie es denn wahrscheinlich weitergeht. Spiegel-Online hat ja schon heute abend angefangen etwas mediales Öl auf die Wellen zu gießen, indem man uns klarmacht, dass Italien für die Spekulanten zu groß ist, und das sowieso 55 Prozent der Staatsschulden in italienischer Hand sind. Dann wird ja morgen wieder alles nach oben gehen – gähn. 🙄

    „…. Doch es gibt auch gewaltige Unterschiede, welche die derzeitige Alarmstimmung an den Märkten übertrieben erscheinen lassen:…“

    ( http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,773777,00.html )

  15. @ Purple
    Ich finde es erschreckend, wie wenig Selbstbewusstsein Bahar hat.

    Sie kickt sich ins AUS, obwohl sie so viel Potential hätte.

  16. Und nun zum Euro.

    Ich bin wirklich erstaunt, wie die Panik nun die Börsen und die Politik ergreift. Und auch die Ratingagenturen und die Anleger. Das Italien seit Jahren Schulden über 115% des BIP hat, ist ja nun nichts neues und nichts, was jemand, der sich mit Finanzen beschäftigt, überraschen sollte.

    Ich bin einfach froh, dass ich schon so alt bin und keine Kinder habe. Ich muss nur noch soviel Geld verdienen, dass ich irgendwie bescheiden meine letzten Jahr überleben kann.

    Was für ein Irrsinn, der weder unerwartet noch überraschend kommt. Das ganze war schon vor Jahren bekannt.

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