Das Experiment mit dem Vogel in der Luftpumpe

Bild: gemeinfrei aus Wikimedia Commons

Wie lange lebt es sich wohl im Vakuum? Die industrielle Revolution hatte ihre Opfer. Warum sollte es mit der globalen Revolution anders sein?

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938 Kommentare zu “Das Experiment mit dem Vogel in der Luftpumpe

  1. Ich hatte nicht vor, heute noch mal zu lachen, aber das ist gut:
    http://www.sueddeutsche.de/sport/trotz-schuldenkrise-griechenland-will-formel-strecke-bauen-1.1486144

    Genau das nachhaltige Infrastrukturprojekt, das Griechenland jetzt braucht! Naja, immerhin: „Die Kosten werden von privaten Investoren getragen, die Regierung bezahlt erst dann, wenn das Projekt vollendet ist.“ (Oder die Investoren schlüpfen unter den Rettungsschirm, wenn sie so pleite sind wie die Nürburgring GmbH.)

  2. Bin sehr gespannt, was davon in den deutschen Medien ankommt, oder ob irgendwelche Buchveröffentlichungen von abgehalfterten Politikern für die Tagesthemen wieder wichtiger sein werden als ein Beitrag von der Straße. („Wir haben ein Kamerateam vor Ort, aber es sitzt noch in der Hotelbar“ 🙄 )

  3. Guten Morgen

    Ach, es ist alles immer so kompliziert. Wer konnte schon ahnen, dass uns 2008 eine Subprimekrise erreicht, nachdem vorher bereits die Spatzen von den Dächern gepfiffen habe, dass das inden USA angesichts steigender Arbeitslosenzahlen nicht mehr lange gut geht.

    Ach, wer konnte schon ahnen, dass die Menschen in den betroffenen Staaten gegen ihre Regierungen aufstehen, die einen radikalen Sparkurs auf dem Rücken der kleinen Leute als „alternativlos“ (siehe auch der Heise-Artikel) gnadenlos durchziehen?

    Es ist alles so kompliziert.

    Ich muss mich korrigieren, was Umstürze angeht. Menschen in Staaten, die eine Tradition mit geglückten Revolutionen vorweisen können, sind am ehesten wieder bereit, angesichts massiver Einschnitte einen Umsturz zu wagen.
    Menschen, die auf keine geglückten Revolutionen zurückblicken können – die Deutschen zum Beispiel – schlucken bis zum bitteren Ende.

    Die Franzosen kippen ihrer Regierung auch schon mal ein paar Lastwagenladungen Fisch vors Parlament, wenn es um Fragen der Fischerei geht.
    In Deutschland ist das undenkbar.

  4. Eifelphilosophisches dazu:
    Die Deutschen haben einen anderen Weg gewählt, einen Weg, den sie schon unter Hitler gegangen sind: den Weg der “inneren Emigration”, der Anpassung, des Mitläufertums. Während in anderen europäischen Ländern vom großen europäischen Generalstreik geträumt wird (siehe Welt) nicken wir devot immer weitere Griffe in unsere Geldbeutel ab – Rundfunkgebühren für Menschen, die keinen Rundfunk wollen (siehe Welt) oder eine Maut für Straßen, die wir schon längst doppelt und dreifach bezahlt haben (siehe Welt): der Phantasie der verbeamteten Kapitalbüttel sind da keine Grenzen gesetzt.
    http://www.nachrichtenspiegel.de/2012/10/03/3-oktober-tag-der-deutschen-schande-uber-die-kannibalistische-weltordnung/

  5. Die deutsche innere Emigration:

    19. Jhdt.: Biedermeier
    20. Jhdt.: Heimatfilme und Wiederaufbau
    21. Jhdt.: Privatfernsehen und Technikhype a la Apple

  6. Das Gegentum:

    19. Jhdt.: Weberaufstand in Schlesien 1844, die Revolutionen von 1848/49
    20. Jhdt.: Revolution 1918, Ruhraufstand 1920, das Aufbegehren der Jugend in den 60er Jahren,
    21. Jhdt.: Die Piraten, Occupy-Initiativen in Deutschland, und sonst ist das Jhdt. ja erst im Werden

  7. Hehe, vergesst mir nicht die Brüder und Schwestern im Osten. Das waren nicht Genschman und der dicke Pfälzer, die die Mauer niedergerissen haben!

  8. Yep! 😎
    Edit:
    20. Jhdt.: Revolution 1918, Ruhraufstand 1920, das Aufbegehren der Jugend in den 60er Jahren, Montagsdemonstrationen in Leipzig, 7.,8., und 9.Oktober 1989 Demonstrationen in Dresden und Leibzig, 9.Nov.1989 Mauerfall und Grenzöffnung.

  9. Ob die Herrschaften der Podiumsdiskussion schon vom Verfassungsschutz observiert werden?

  10. Könnte sein. Paulus Dirk hat ja fast schon ausgesprochen, was ich kaum zu schreiben wage……

  11. Delphis, Purple 😀

    Es ist, wie einer der Diskutanten (weiß nicht mehr wer, vermutlich Paulus selbst) sagt: Wir können hier stundenlang und tagelang tolle Konzepte entwerfen, es wird eh was anderes gemacht.

    Tiago hat vor langer Zeit mal sinngemäß gefragt, ob ich nicht heimlich den Finanzcrash herbeisehne. Naja, nicht wirklich. Denn natürlich werden auch nach einem Crash nicht die Müllers, Lietaers oder Hörmanns gefragt werden, wie es weitergehen soll, sondern wieder die Asmussens dieser Welt.

  12. Wie ich ja neulich schon schrieb, das Wort hat seine Kraft veloren. Und wenigsten in einigen Teilen Europas bricht sicher der Leidensdruck langsam bahn und es wird sehr darauf ankommen, ob es sich da „nur“ um Leute handelt, die nichts mehr zu verlieren haben oder ob sich dem auch Menschen anschließen, die noch Besitz und Auskommen haben, aber erkennen, dass sie das im Endeffekt genauso betrifft und auch sie ihren Status nicht werden halten können.

    Der Deutsche guckt dann derweil natürlich weiter „Bauer sucht Frau“…….

    BTW: Der Artikel von Eifelphilosoph spricht mir aus der Seele. Einige Zusammehänge waren mir neu, der Rest manifestiert sich in meiner Wahrnehmung (und auch einem diffusen „Gefühl“) schon seit 1994 – Stück für Stück und seit 2003 wurde mit die Unumkehrbarkeit bewusst, verbunden mit zunehmender Zukunftsangst…..vieleicht ist es an der Zeit, Pflugscharen wieder zu Schwertern zu machen?!?

  13. Purples, hast Du Deine Pflugschar denn noch im Keller?

    Der Punkt ist, dass der Mainstream die Geschichte macht. Wenn der Mainstream einen auf Biedermeier, statt auf Weberaufstand macht, dann ist es halt die Epoche des Biedermeier.

    Mit all unserem Wissen über die Geschichte und die heutigen Zusammenhänge – was tun? Innere Emigration? Zornig Bloggen? Oder zumindest, wie Volker Pispers vorschlug, gut die Kabarett-Eintrittskarten sammeln, um nach der Revolution sagen zu können, dass man immer schon im Widerstand gewesen ist?

    Vorsicht: Eintrittskarten für Ralf Schmitz und Mario Barth zählen nicht!

  14. Virtual, ich wage nicht zu widersprechen. Denn auch ich gehöre leider(!) zum Mainstream und tauge in Wahrheit kein Stück, Geschichte (mit-)zuschreiben. 😕

    Zählt das schon als Beichte? Dann bete ich zehn……ups…..bin ja ev……

  15. Nun, die Sache mit der Revolution klappt doch nur dann, wenn der Samen massenhaft im Boden vorhanden ist (Das Rote Buch des Großen Brandy, Seite 378) und nur noch zum Austreiben gebracht werden muss. Das hat 68 funktioniert als kulturelle Revolution und 89 als institutionelle. In beiden Fällen gab es eine breite Stimmung von Menschen, die aufbegehrten, weil sie meinten, etwas verstanden zu haben. Dass sie, wie Muhammad Ali es so schön auf der Punkt brachte, nie ein Vietcong „Nigger“ genannt hatte, sondern dass die Ungerechtigkeit daheim zu suchen war. Oder dass es geografisch einfach nicht stimmen kann, dass das Ende der Welt am Plattensee liegt.

    Aber ehrlich, dieses Finanzmonster, das beeindruckt jeden von uns doch Tag für Tag wieder durch seine Kryptik. Machtausübung durch Überkomplexität und Unverständlichkeit. Wer möchte schon seine Hand mit dem Schraubenschlüssel in dieses Uhrwerk werfen, wenn ihm ständig beteuert wird, ein Stillstand auch nur für eine Sekunde wäre der Untergang der Welt?

    Also bleibt es beim Grummeln und wird kein Schrei.

    (http://youtu.be/tvU6FAj70zk )

    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Reise_des_jungen_Che

  16. Guten Morgen

    Wieder ein Lehrstück in Sachen Demokratie und Transparenz: der Stresstest der AKWs. Die französischen Betreiber sind empört.
    http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article109639744/Frankreich-empoert-sich-ueber-AKW-Stresstests-der-EU.html

    Ein Zitat aus dem Artikel, das man sich langsam und genüsslich auf der Zunge zergehen lassen muss.
    Der Verband ENSREG zum Ergebnis des Stresstests:
    „Die Mitteilung muss sorgfältig formuliert und präsentiert werden, um das öffentliche Vertrauen nicht zu unterminieren.“

    Sprich: mit den Lobbyverbänden sind Ergebnisse und Veröffentlichung des Stresstests nicht abgesprochen worden, also konnte nichts mehrt verwässert oder gar gefälscht werden.

    Bei so viel Impertinenz könnte ich glatt `nen ganzen Kühlturm vollko**en.

  17. Road-Movie in Europa:
    Vielleicht sollten wir einmal einen Recall-Ausflug in die sog. PIGS-Staaten (beliebige Buchstaben können gerne ergänzt werden) machen, um uns ein Bild davon zu machen, wie 50 % Arbeitsloigkeit aussehen oder was es doch wirklich heißt, wenn Menschen sich nicht mehr ihr tägliches Brot leisten können. In Europa!

    Vielleicht sehen wir dann auch ein bisschen unsere Zukunft…

  18. Hi Leuts,
    ein Recall-Ausflug wäre an sich schon ganz nett 😀
    Einen kleinen hatten wir ja schon mal 😉

    Ansonsten übe ich mich mal heute in Ignoranz/Verdrängung (Seele braucht mal Pause) :mrgreen:

  19. War klar! Ich mache ungewünschte Reklame und… „Dein Kommentar muss noch moderiert werden.“
    Ich bitte um Löschung oder Freigabe…
    Danke.

  20. Ah, Alfons heißt der Knabe nun 🙂

    Oldie, ab mehr als 2 Links pro Posting => Zensur im Recall.

  21. Also, das mit der Revolution, dass passiert bei uns nicht, das haben wir doch outgesourced. Dahin, wo es noch genügend Jugend gibt, die aufbegehren kann. Der alte Michel pflegt seine von Sozialabbau und beruflicher Überforderung geschlagenen Wunden und ist froh, dass es bis jetzt nicht noch schlimmer gekommen ist. Der junge Michel strampelt sich ab, der ‚Bildungs-Revolution‘ an den Universitäten gerecht zu werden und sich durch Praktika, etc. zu einem Job durchzukämpfen, der schon von Anfang an als prekär gilt. Ermattet mit vierzig, kurz vor dem Burn-Out, kommt die Krise. Für Kinder hatte man keine Zeit, die ‚Beziehung ist auch schon im Eimer und wie soll es weitergehen? Neben der Sinnkrise noch die Zukunftsangst, denn bald, mit 50, da kommt er in den Focus, weil seine Firma sich doch immer ‚erneuern‘ muss, sprich, sie schmeißt die ‚Alten‘ raus.
    Die Michels, die sind die neuen Frösche, die strampeln sich ab im deutschen Butterfass, denn wie schnell ist man bei Hartz 4 gelandet. Das hat man gut hinbekommen, einen Bodensatz, den man gut ausbeuten kann, ein Mittelstand der zerbröselt und es nicht sehen will. Und in Zukunft vereinen sie sich alle in der Altersarmut. Warum dagegen revoltieren? Es ist doch alles unumkehrbar. Und das mit der Finanzkrise, mit dem Euro, das ist doch so eine Kakophonie der Meinungen, wenn die ‚Volksklugen‘ sich schon nicht einig werden, wie soll der arme Michel das durchschauen, begreifen was da abgeht? Sehr schön von Dirk beschrieben, der den Michel in Schutz nahm.

    WordPress spinnt wieder, nix wird angenommen! 😦

  22. "Der größere Teil der Beschäftigten mit Zweitjobs sind durchaus qualifizierte Leute mit gutem Einkommen, die sich noch etwas dazu verdienen", sagte die Arbeitsmarktexpertin der Grünen, Brigitte Pothmer, der "Saarbrücker Zeitung".

    Klar, mein Hermesfahrer ist hauptberuflich bestimmt Maschinenbauingenieur, die Frau im Brötchenladen vermutlich Hochschulprofessorin, und den Zeitungsausträger, der morgens um 5 mit unserem Briefkastendeckel klappert, habe ich schon lange im Verdacht, dass er tagsüber eine gut laufende Anwaltskanzlei in der Stadt führt.

    Die machen das alle nur, um ihren Enkeln hin und wieder einen Tausender zustecken zu können.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zahl-der-beschaeftigten-mit-zweitjob-mehr-als-verdoppelt-a-859678.html

    (Der Sarkasmus der Foristen erfreut mein Herz.)

  23. „der morgens um 5 mit unserem Briefkastendeckel klappert, habe ich schon lange im Verdacht, dass er tagsüber eine gut laufende Anwaltskanzlei in der Stadt führt.“

    Haha… ich hatte überlegt, ob ich den Artikel verlinke, aber letzlich ist es nur eine von so vielen derzeit kursierenden Zahlenhiobsbotschaften.

    An einem Tag waren 1 Million Portugiesen auf den Demonstrationen durch das ganze Land verteilt. Das wären auf Deutschland übertragen 8 Millionen Menschen. Erinnere mich an solche Dimensionen nicht.

    http://www.wsws.org/de/2012/sep2012/port-s25.shtml

    Nicht alles im Artikel stimmt, ich glaube ganz gewiss nicht, das der Linke Block wie sie die moderne Linke in Portugal nennen auf einer Linie mit der Regierung ist und die genauen Kürzungen hat der Artikel auch nicht vollständig genannt, geschweige denn ausgeführt. Aber was besseres habe ich nicht gefunden.

  24. > Aber was besseres habe ich nicht gefunden.

    Tja, die deutschen Journalisten sind eben alle bei Pressekonferenzen zum iPhone 5 gebunden.

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